Wilde Spekulationen
Die große Ebola-Verschwörung

Die schwerste Ebola-Epidemie aller Zeiten ruft weltweit Verschwörungstheoretiker auf den Plan. Ihre abenteuerlichen Konstrukte können für die Helfer in den von der Krankheit heimgesuchten Gebieten zur Gefahr werden.
  • 7

BerlinEs ist der bislang schlimmste Ausbruch von Ebola in der Geschichte der Menschheit: Mehr als 4000 Menschen sind dem gefährlichen Virus bislang schon zum Opfer gefallen, in den betroffenen Gebieten in Westafrika mühen sich die Helfer bislang vergeblich, die Epidemie unter Kontrolle zu bringen.

Doch was für Mediziner vor allem eine Frage von Ansteckung und Ausbreitung ist, bietet Verschwörungstheoretikern weltweit Stoff für wilde Spekulationen. In Tweets, Online-Foren und Zeitungsartikeln verbreiten sie ihre Theorien mit einer Geschwindigkeit, die der des Virus in Westafrika kaum nachsteht.

„Ich denke, diese Ebola-Epidemie ist eine Form der Bevölkerungskontrolle“, twitterte etwa der amerikanische Hip-Hop-Star Chris Brown an seine weltweite Gefolgschaft – und leitete damit Wasser auf die Mühlen jener, die – ähnlich wie schon beim Aids-Erreger HIV – nicht an eine natürliche Entstehung des Virus glauben wollen. Sie sehen stattdessen finstere Mächte am Werk.

Eine der abenteuerlichsten Spekulationen verbreitete sich im September in Liberias Hauptstadt Monrovia – in jenem Land also, das am schlimmsten von der Epidemie betroffen ist. Ebola sei eine Art Biowaffe, erklärte Cyril Broderick, Gastdozent der amerikanischen Delaware State University und Ex-Professor für Pflanzenkrankheiten an der University of Liberia. Entwickelt im Auftrag des US-Militärs, sei das Virus nach Afrika gebracht worden, um seine Wirkung zu testen, behauptete Broderick in der liberianischen Zeitung „The Daily Observer“.

In der Ortschaft Kenema in Liberias Nachbarland Sierra Leone würden die USA eigens ein geheimes Labor zur Virusforschung betreiben. Inspiriert zu seiner Theorie hätte ihn, wie Broderick freimütig einräumte, der Ebola-Doku-Thriller „Hot Zone“ von Richard Preston sowie Horror-Autor Stephen King.

Experten vor Ort regierten entsetzt auf die kruden Spekulationen des Professors. „Dies ist genau die Art von Veröffentlichung, die unserem Kampf gegen Ebola mehr schadet als nützt“, erboste sich etwa Lamii Kpargoi vom Liberia Media Center, das sich für verantwortungsvollen Journalismus einsetzt. An der Delaware State University sieht man die Angelegenheit dagegen weniger dramatisch: Der Professor habe nur von seinem Recht auf freie Meinungsäußerung Gebrauch gemacht.

Das machen auch viele andere, die das Netz mit düsteren Geschichten füttern. Pharmakonzerne hätten Ebola verbreitet, um kräftig an Gegenmitteln verdienen zu können, ist eines der am häufigsten zu lesenden Gerüchte.

Seite 1:

Die große Ebola-Verschwörung

Seite 2:

Ebola als Waffe der Organ-Mafia

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%