Winterdepression Psyche im Wintertief

Die Tage kurz, der Himmel grau, die Straßen matschig. Bei vielen Menschen sinkt die Laune mit den Temperaturen. Manchmal bleibt es aber nicht bei einem Stimmungstief. Doch was hilft gegen den Winter-Blues?
Kommentieren
Im Winter sinkt bei vielen Menschen die Stimmung in den Keller. Quelle: dpa

Im Winter sinkt bei vielen Menschen die Stimmung in den Keller.

(Foto: dpa)

Frankfurt/MainAuf den Fenstersims prasselt der Regen. Graue Nebelschleier trüben den Blick durch die beschlagene Scheibe. Noch bevor Hans Schmid morgens das warme Haus verlässt, kreisen seine Gedanken um das nasse und kalte Herbstwetter. Tief im Inneren fröstelt es den 46-Jährigen. Und mit der Kälte kommen der Frust und die Traurigkeit in Schmid hoch.

Seit 15 Jahren leidet er an Depressionen. In der dunklen Jahreszeit sei es am schlimmsten, sagt er. „Am meisten fehlen mir die Sonne und die Wärme.“

Schmid verfällt dann in eine Winterdepression. „Wenn es dunkel wird, macht das Leben eine Pause“, erklärt er. Für den Frankfurter beginnt die Zeit der Isolation und des Rückzugs – stundenlang gerät der 46-Jährige manchmal ins Grübeln. „Ich fühle mich dann wie in einem Gedanken-Chaos gefangen“, verrät er. „Die Zeit rennt davon, während ich am Tisch sitze und ins Leere starre.“

Diese Berufe machen depressiv
Stress und Burnout
1 von 11

Montagsblues

Besonders montags fällt es uns schwer, etwas positives am Arbeiten zu finden. Laut einer amerikanischen Studie dauert es im Durchschnitt zwei Stunden und 16 Minuten, bis wir wieder im Arbeitsalltag angekommen sind. Bei Menschen ab dem 45. Lebensjahr dauert es sogar noch zwölf Minuten länger. Doch es gibt nicht nur den Montagsblues: Manche Berufsgruppen laufen besonders stark Gefahr, an einer echten Depression zu erkranken...

Pressekonferenz vor DFB-Pokal-Finale
2 von 11

Journalisten und Autoren

Die Studie der medizinischen Universität von Cincinnati beinhaltet Daten von etwa 215.000 erwerbstätigen Erwachsenen im US-Bundesstaat Pennsylvania. Die Forscher um den Psychiater Lawson Wulsin interessierte vor allem, in welchen Jobs Depressionen überdurchschnittlich oft auftreten und welche Arbeitskriterien dafür verantwortlich sind. Den Anfang der Top-10-Depressions-Jobs macht die Branche der Journalisten, Autoren und Verleger. Laut der Studie sollen hier etwa 12,4 Prozent der Berufstätigen mit Depressionen zu kämpfen haben.

Illustration Korruption
3 von 11

Händler

Der Begriff „Depression“ ist in der Studie klar definiert. Als depressiv zählt, wer mindestens zwei Mal während des Untersuchungszeitraums (2001 bis 2005) krankheitsspezifische, medizinische Hilferufe aufgrund von „größeren depressiven Störungen“ gebraucht hat. Händler aller Art, sowohl für Waren- als auch für Wertpapiere, gelten demnach ebenfalls als überdurchschnittlich depressiv. Platz neun: 12,6 Prozent.

Anwaltsgehilfin_Fotolia
4 von 11

Parteien, Vereine & Co.

Neben den Hilferufen nach medizinischer Fürsorge flossen noch andere Daten in die Studie ein. Die Forscher beachteten außerdem Informationen wie Alter, Geschlecht, persönliche Gesundheitsvorsorge-Kosten oder körperliche Anstrengung bei der Arbeit. Angestellte in „Membership Organisations“, also beispielsweise politischen Parteien, Gewerkschaften oder Vereinen, belegen mit über 13 Prozent den achten Platz im Stress-Ranking.

MV BADEWASSERQUALITAET
5 von 11

Umweltschutz

Der Kampf für die Umwelt und gegen Lärm, Verschmutzung und Urbanisierung ist oft nicht nur frustrierend, sondern auch stressig. Knapp 13,2 Prozent der beschäftigten Erwachsenen in dem Sektor gelten laut den Kriterien der Forscher als depressiv. In den USA betrifft das vor allem Beamte, denn die Hauptakteure im Umweltschutz sind staatliche Organisationen und Kommissionen.

Prozess wegen Steuerbetrug mit Dieselöl
6 von 11

Juristen

Als mindestens genauso gefährdet gelten Juristen. Von insgesamt 55 untersuchten Gewerben belegten Anwälte und Rechtsberater den sechsten Platz im Top-Stress-Ranking: Rund 13,3 Prozent der Juristen in Pennsylvania gelten für die Forscher der medizinischen Universität Cincinnati depressiv.

Gähnen_Müde_Schlaflos_MüdigkeitFotolia_34090771_S
7 von 11

Personaldienstleister

Auf Rang fünf liegen Mitarbeiter im Dienstleistungsbereich . Deren „Ressource“ ist der Mensch – und der ist anfällig: Denn der „Personal Service“ in Pennsylvania hat nach Lawson Wulsin und Co. eine Depressionsrate von knapp über 14 Prozent. Und nicht nur Kopf und Psyche sind von der Krankheit betroffen, sondern offenbar auch der Körper: Schon seit Jahren forscht Wulsin auf diesem Gebiet und geht von einer engen Verbindung von Depression und Herzkrankheiten aus. Gefährdeter als Menschen aus dem Dienstleistungsbereich sind nur vier andere Jobgruppen.

Den passenden Vergleich zieht er mit einem Motor: „Man dreht sehr hoch, aber eigentlich ist es, wie wenn man im ersten Gang über die Autobahn fährt.“ Jeder noch so kleine Streit geht ihm tief unter die Haut, negative Erlebnisse quälen den Kommunikationsdesigner mehr als sonst. Die Psyche spiele solange verrückt, wie das schlechte Wetter anhalte, erklärt Schmid.

Experten wie Thorsten Bracher, Psychiater und Chefarzt der Burghof-Klinik in Bad Nauheim, sprechen in diesem Fall von einer saisonal abhängigen Depression. „Bestimmte Personen reagieren in der lichtarmen Jahreszeit mit einer depressiven Stimmungslage, Antriebsstörung und Freudlosigkeit“, sagt er. Das kann sich nicht nur psychisch, sondern auch körperlich auswirken: Betroffene klagen dem Psychologen zufolge über Kopfschmerzen, Verdauungsproblemen oder Schlafstörungen.

Ulrike Brandi überrascht das nicht. Die Licht-Expertin aus Hamburg weiß, welche Auswirkung das Tageslicht auf das menschliche Gemüt hat. „Licht hat eine biologische Wirkung, die neben dem, was wir sehen, über das Auge aufgenommen wird.“

Das beeinflusst den Hormonhaushalt: Licht hemme die Ausschüttung des Hormons Melatonin, das unseren Tag-Nacht-Rhythmus steuert. Der Mensch fühle sich schlapp und könne sich schlechter konzentrieren. „Die Folge kann eine Depression sein“, sagt Brandi.

Für Brandi gilt deshalb: Lieber einen Spaziergang bei trübem Wetter als einen Tag im beleuchten Zimmer. Denn selbst eine Glühlampe kommt gegen die Stärke des Tageslichts, die nach ihren Angaben zwischen 10.000 und 20.000 Lux liegt, nicht an. Im Büro gelte bereits ein Zwanzigstel des Tageslicht-Wertes als ausreichend.

Eine Alternative: Lampen mit Tageslichtspektrum
Seite 12Alles auf einer Seite anzeigen
Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%