Wissenschaft
Analytiker warnen vor Adhs-Medikamenten

Das Sigmund-Freud-Institut warnt vor einem allzu sorglosen Umgang mit Medikamenten gegen das sogenannte Zappelphilipp-Syndrom. Die Verordnung von Ritalin oder ähnlichen Medikamenten gegen die Aufmerksamkeits-Hyperaktivitäts-Störung (Adhs) habe „dramatisch“ zugenommen.

dpa FRANKFURT/MAIN. Das Sigmund-Freud-Institut warnt vor einem allzu sorglosen Umgang mit Medikamenten gegen das sogenannte Zappelphilipp-Syndrom. Die Verordnung von Ritalin oder ähnlichen Medikamenten gegen die Aufmerksamkeits-Hyperaktivitäts-Störung (Adhs) habe "dramatisch" zugenommen.

Das kritisierte Prof. Rolf Haubl, einer der Leiter des Frankfurter Instituts am Mittwoch. Der Verbrauch von Mitteln wie Ritalin sei seit 1993 um das 36-fache gestiegen, berichtete Haubl unter Berufung auf eine Statistik des Bundesinstituts für Arzneimittel und Medizinprodukte, die der "Spiegel" veröffentlicht hatte. 1993 seien 34 Kilogramm verbraucht worden, 2006 bereits 1 221 Kilogramm.

Eltern, Lehrer und Ärzte machten es sich mit der Diagnose Adhs oft zu leicht, befand Haubls Kollegin Prof. Marianne Leuzinger-Bohleber. Wenn Kinder zappelig, unkonzentriert oder aggressiv seien, könne das ganz verschiedene Ursachen haben. "Medikamente verdecken das nur."

Wer schwierige Kinder ausschließlich medikamentös behandle, verpasse die Chance, "herauszufinden, woran es wirklich liegt" und damit einen Weg zu finden, dem Kind dauerhaft zu helfen. Eine Frankfurter Studie habe ergeben, dass psychosoziale und psychoanalytische Angebote auch ohne Medikamente zu einem "statistisch signifikanten Rückgang von Aggression, Ängstlichkeit und Hyperaktivität" führen könnten, vor allem bei Mädchen.

Von Freitag bis Sonntag findet in Frankfurt eine internationale Konferenz über "Psychoanalytische Perspektiven zur Entwicklung von Adhs und anderen Psychopathologien" statt. Dabei werden nach Einschätzung der Veranstalter die verschiedenen Auffassungen über den richtigen Umgang mit hyperaktiven Kindern aufeinanderprallen. Die eine Schule sieht in der häufig gestellten Diagnose Adhs eine angeborene Störung des Neurotransmitter-Haushalts; die andere Seite hält die Krankheit eher für eine Regulationsstörung, bei der Umwelteinflüsse wie Gesellschaft, Eltern und Schule eine große Rolle spielen.

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