Wissenschaft
Auf der Suche nach dem langen Leben

Der Traum vom ewigen Leben - wird er jetzt Wirklichkeit? Forscher haben Substanzen und Methoden gefunden, die den Tod hinauszögern können. Allerdings ist noch unklar, wie die Stoffe im menschlichen Körper wirken. Kritiker befürchten tödliche Risiken.

DÜSSELDORF. Jeanne Louise Calment verkaufte als Kind Farben an Vincent van Gogh, sie heiratete 1896, spielte Tennis und Klavier, trank gerne Portwein und rauchte. Als sie am 4. August 1997 in einem Altersheim in Arles in Südfrankreich starb, war Calment 122 Jahre alt. Kein Mensch vor oder nach ihr hat je so lange gelebt.

Viele Menschen würden es ihr gerne gleichtun oder sogar noch länger leben - mit Hilfe der Medizin. Eine Pille, die zusätzliche Jahre spendiert, klingt nach Science-Fiction, aber Wissenschaftler kommen der Vision immer näher. So berichteten im Juli amerikanische Forscher in der Fachzeitschrift "Science", eine Substanz gefunden zu haben, die die Lebensspanne von Mäusen dramatisch - um 8 bis 14 Prozent - verlängert. Nach 1 245 Tagen lebten noch zehn Prozent der behandelten Mäuse, bei den unbehandelten Kontrollmäusen waren schon nach 1 094 Tagen 90 Prozent tot. Das Erstaunlichste: Die Mäuse bekamen die Substanz erst im Alter von 600 Tagen verabreicht. Das entspricht einem Lebensalter von etwa 60 Jahren beim Menschen.

Rapamycin heißt das Wundermittel, benannt nach den Osterinseln ("Rapa Nui"). Dort wurde die Substanz erstmals gefunden, hergestellt von einem Bakterium in einer Erdprobe. Wie genau Rapamycin funktioniert, ist noch unklar. Sicher ist nur: Das Molekül hemmt das Protein mTOR, das verschiedene Funktionen in den Zellen hat. "Für den Menschen ist aber noch nicht gezeigt, dass die Substanz das Leben verlängert", sagt Andreas Pfeiffer vom Deutschen Institut für Ernährungswissenschaften. Peter Herrlich, Leiter des Leibniz-Instituts für Altersforschung warnt gesunde Menschen sogar davor, das Mittel einzunehmen. "Wer das nimmt, lebt nicht länger, sondern stirbt früher."

Rapamycin ist in der Medizin schon länger bekannt: Nach Organtransplantationen wird es eingesetzt, um das Immunsystem zu hemmen. So will man verhindern, dass verpflanzte Organe abgestoßen werden. Die Patienten werden dadurch aber auch anfälliger für Infektionen. "Bei Mäusen funktioniert die Lebensverlängerung nur, weil sie in Labors in bestimmten Räumen leben, die keimfrei gehalten werden", sagt Herrlich.

Dass Rapamycin demnächst als Lebensverlängerungspille auf den Markt kommt, ist also unwahrscheinlich. Aber die Rapamycin-Mäuse belegen immerhin, dass sich die Lebensspanne von Säugetieren deutlich ausdehnen lässt. Es ist denkbar, dass Rapamycin so verändert werden kann, dass es das Leben verlängert, ohne das Immunsystem lahmzulegen.

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