Wissenschaftler fordert für Deutschland ein unabhängiges Internet-Portal zu Gesundheitsinformationen
Medizin im Netz ist nicht immer seriös

Das Internet hat das Informationsmonopol der Mediziner ins Wanken gebracht. Immer mehr Patienten geben sich nicht mehr mit den Erklärungen ihres Arztes zufrieden. Sie recherchieren im Internet und bilden sich ihre eigene Meinung über Krankheiten und deren Behandlungsmethoden.

HB DÜSSELDORF. Laut der Internetnutzerstudie „W3B“ interessiert sich in Deutschland bereits jeder dritte Surfer für Gesundheitsthemen. Jeder zwölfte Nutzer besucht Medizinseiten regelmäßig. „Die leichte Verfügbarkeit von Medizininformationen verändert das Gesundheitswesen“, sagt Sebastian Schmidt-Kähler, Gesundheitswissenschaftler an der Universität Bielefeld. Das sei auf der einen Seite positiv, auf der anderen jedoch nicht unproblematisch, denn vor allem unerfahrene Internetnutzer seien bei der Fülle von Informationsangeboten zum Thema Medizin oft überfordert. Versuche, mit Hilfe von Qualitätssiegeln die Orientierung zu erleichtern, sind bisher gescheitert.

Alle Beteiligten des Gesundheitssystems – Ärzte, Apotheken, Kliniken, Krankenkassen und die Pharmaindustrie – haben das Informationsbedürfnis der Patienten erkannt und entsprechend reagiert. „Für den Surfer ist es auf den ersten Blick schwer, zu beurteilen, ob ein Artikel verlässlich und seriös ist“, sagt Schmidt-Kähler, der in seiner Dissertation die Qualität der Gesundheitsberatung im Internet unter die Lupe genommen hat. Neben allgemeinen Gesundheitsportalen wie Gesundheitscout24.de, lifeline.de, Netdoktor.de oder Medicine Worldwide gibt es für jede Krankheit zahllose Spezialseiten im Internet, die gezielt über einzelne Behandlungsmethoden informieren. So wirft allein das Portal „Patienten-Information.de“, das nach eigenen Angaben nur auf vorher geprüfte Informationen verweist, allein zum Thema „Krebs“ mehr als 200 deutschsprachige Internetseiten aus.

Die Verantwortlichen im Bundesgesundheitsministerium haben das Problem zwar frühzeitig erkannt, aber bis heute nicht in den Griff bekommen. So wurde bereits 1999 das Aktionsforum Gesundheitsinformationssysteme (Afgis) gegründet, das so genannte Transparenzkriterien entwickelt hat, mit denen eine Mindestqualität der Gesundheitsinformationen sichergestellt werden sollte. Nur Internetanbieter, die auf ihren Seiten die Autoren sowie die Datenquelle eindeutig kenntlich machen, die Finanzierung und die Sponsoren veröffentlichen, Kooperationen und Vernetzungen deutlich machen und klar zwischen Werbung und redaktionellem Beitrag trennen, sollten das Logo als Qualitätsmerkmal auf ihren Seiten platzieren dürfen.

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