Wulff-Rede
Ehrenamtliche leben länger

Helfende Leben länger und das Ehrenamt mach froh, behauptete Bundespräsident Christian Wulff in seiner Weihnachtsansprache. Stimmt das? Eine Studie US-Universität Michigan scheint ihm recht zu geben.
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BERLIN. Für die Studie "A Little Volunteering Can Prolong Your Life" des Instituts für Sozialforschung (ISR) der Universität in Michigan untersuchten die Psychologen Marc A. Musick, A. Regula Herzog und James S. House von 1986 bis 1996 eine Gruppe von mehr als 1 200 älteren Amerikanern. 35 Prozent der Befragten waren regelmäßig ehrenamtlich tätig. Die im März 1999 im "Journal of Gerontology: Social Sciences" erschienene Studie ergab, dass diejenigen, die im vergangenen Jahr weniger als 40 Stunden ehrenamtliche Tätigkeit betrieben, weniger wahrscheinlich in den nächsten siebeneinhalb Jahren sterben würden, als diejenigen, die nicht ehrenamtlich tätig waren.

Musick sagte, es sei die erste Untersuchung, die zeige, dass Menschen länger lebten, weil sie freiwillige Sozialarbeit leisteten und nicht weil sie gesünder seien. Allerdings stellte er auch fest, "dass wiederum zu viel ehrenamtliche Tätigkeit die Senioren insofern belaste, dass sich der positive Effekt aufhebe." Dieser sei besonders stark bei den Männern und Frauen, die ansonsten wenig soziale Interaktion hätten: selten andere Menschen träfen oder wenig mit ihrem Ehepartner sprächen.

Auch nach Ansicht des Hirnforschers Manfred Spitzer ist ehrenamtliches Engagement gesund und kann in manchen Fällen sogar Medizin ersetzen. Es wirke Einsamkeit entgegen, löse Glücksgefühle aus und verlängere das Leben. "Rein rechnerisch könnte man allein durch Ehrenämter die Streichung einer ganzen Reihe von Langzeitmedikationen ausgleichen", sagte der Direktor der Psychiatrischen Uniklinik Ulm. Freiwilliger Einsatz für andere beuge Krankheiten wie Bluthochdruck, erhöhter Blutzucker oder zu hohe Blutfette vor.

Rund ein Drittel der Deutschen ist engagiert

Laut dem im November veröffentlichten Freiwilligensurvey des Bundesfamilienministerium setzt sich in Deutschland jeder Dritte ehrenamtlich für andere ein. Während sich demnach im Jahr 1999 nur 26 Prozent der Deutschen vorstellen konnten, sich ehrenamtlich zu engagieren, waren es im Jahre 2009 bereits 37 Prozent.

Familienministerin Kristina Schröder (CDU) meinte: "Diese Bereitschaft müssen wir unterstützen, denn vom ehrenamtlichen Engagement profitieren nicht nur die Anderen, sondern auch die Freiwilligen selbst."

Besonders ältere Menschen engagieren sich der Untersuchung zufolge mehr und mehr: In der Gruppe der über 65-Jährigen stieg die Engagementquote zwischen 1999 und 2009 um fünf Prozent von 23 auf 28 Prozent. Jugendliche zwischen 14 und 24 Jahren seien mit einer Quote von 35 Prozent eine der gesellschaftlich aktivsten Gruppen, besonders engagiert etwa in den Bereichen Sport, Jugendarbeit und Rettungsdienste.

Der Freiwilligensurvey ist seit 1999 nach eigenen Angaben die größte quantitative Untersuchung zum freiwilligen Engagement in Deutschland.

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