Xenon
Narkose ohne Nebenwirkung

Xenon eilt der Ruf voraus, eine Art Wundermittel der Anästhesie zu sein: Selbst empfindliche Patienten vertragen das Narkosegas gut. Doch bislang wird das Edelgas in Kliniken nur selten genutzt, weil es sehr teuer ist.

DÜSSELDORF. Das sanfte Anästhetika wurde in umfangreichen Studien getestet und erhielt Bestnoten: So schont es den menschlichen Stoffwechsel, belastet Herz und Kreislauf nur wenig und eignet sich damit ideal auch für Schwangere und ältere Patienten. Für Menschen mit Vorerkrankungen und einem schlechten Allgemeinzustand ist Xenon oft die letzte Möglichkeit, um ihnen eine Operation zu ermöglichen.

Der narkotische Effekt von Xenon ist anderthalb Mal stärker als der von Lachgas. Aufgrund seiner extrem geringen Blutlöslichkeit wird das Gas allerdings schneller vom Körper wieder abgegeben als alle bisher bekannten Anästhetika. Der Vorteil für den Patienten: Er wacht schneller wieder aus der Narkose auf.

"Das Kreislaufverhalten bleibt extrem stabil. Wir müssen fast keine Medikamente einsetzen, um den sonst üblichen Blutdruckabfall bei einer Anästhesie zu therapieren", beschreibt Matthias Reyle-Hahn seine Erfahrungen mit dem Anästhetikum. Der Chefarzt am Evangelischen Waldkrankenhaus in Spandau hat in den vergangenen fünf Jahren mehrere hundert Patienten mit Xenon in den Narkoseschlaf versetzt.

Das alternative Narkosegas ist seit 2005 in Deutschland zugelassen. Nach umfangreichen klinischen Studien erhielt die deutsche Tochter des weltweit führenden Herstellers von medizinischen Gasen, Air Liquide, die Arzneimittelzulassung. 2007 wurde das Narkosemittel auch in allen anderen westeuropäischen Ländern unter dem Markennamen "LenoxeTM" für die Anästhesie erlaubt.

Weil das Anästhetikum aber so teuer ist, wird es zurzeit nur in einigen Spezialkliniken genutzt. Das Edelgas kann nur mit Hilfe von großen Luftzerlegungsanlagen gewonnen werden. Ein Kubikmeter Luft enthält 0,08 Milliliter Xenon. Für zwei Narkosestunden werden rund zehn Liter Gas benötigt. Die Kosten für die Gewinnung dieser Menge liegen laut Hersteller bei rund 180 Euro. Eine OP mit herkömmlicher Narkose ist mit maximal 20 Euro deutlich billiger.

Doch nicht nur der hohe Preis bremste den Einsatz des Edelgases. Es fehlten Dosiergeräte für das Anästhetikum. Eine Kooperation mit dem Medizintechnik-Unternehmen Dräger scheiterte just nach der Zulassung in Deutschland - die Firma wollte ihre Xenon-Dosiermaschine nicht länger bauen. Nach dem Ausstieg hat es fast zwei Jahre gedauert, bis der Gasehersteller einen neuen Partner gefunden hatte.

Erst vor wenigen Wochen hat der kleine Medizintechnikhersteller EKU Elektronik aus dem Hunsrück sein Narkosegerät auf den Markt gebracht, das nicht nur die Dosierung des Gases zuverlässig steuert, sondern je Operation auch weniger Gas verbraucht und so die Kosten senkt. Es kostet jedoch rund 4 000 Euro mehr als die bisher verwendete Dosiertechnik.

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