Zahnersatz
Zähne vom Fließband

Die Dentalmedizin wird digital: Zahnersatz wird künftig nicht mehr im Zahntechnikerlabor per Hand gefertigt, sondern von einem computergesteuerten Laser produziert. Mit dem Verfahren lassen sich Brücken und Kronen zu gleichen Kosten wie in Billiglohnländern herstellen.
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BERLIN. Wenn Christoph Weiss, Chef der Bremer Dentalfirma Bego, von einer "Industrialisierung des Zahntechnikerberufes" spricht, ist das keine kühne Vision, sondern für erste Labors inzwischen Alltag. Denn per Laser-Sinter-Verfahren, bei dem der gebündelte Lichtstrahl aus Metallpulver Schicht für Schicht die gewünschte Krone oder Brücke aufbaut, geschieht das sehr präzise und etwa viermal schneller, als ein Zahntechniker dafür bräuchte. Der wird dadurch jedoch nichts arbeitslos, da er das so entstehende Gerüst noch keramisch verblendet, damit die Krone - im Urzustand stumpf-metallisch - von den natürlichen Zähnen nicht zu unterscheiden ist.

Bego entwickelt die - auch Rapid Manufacturing genannte - Technik seit fast zwanzig Jahren weiter, um sie für die Dentalmedizin massentauglich zu machen. "Ziel ist, den gesamten Prozess, von dem Abdruck im Mund bis zum fertigen Zahnersatz, komplett zu digitalisieren", sagt Weiss. Er und sein Team sind dabei schon recht weit gediehen. So wird bereits die Form des Gipsmodells mit einem Laser räumlich erfasst und in Geometriedaten überführt, aus denen direkt der Zahnersatz gesintert wird. "Die zugehörige Scan-Software ist einfach zu bedienen und kann auf einem handelsüblichen PC betrieben werden. Beschränkungen bei den Materialien gibt es kaum", erklärt der Geschäftsführer. Und: Im Vergleich zu herkömmlicher Frästechnik lässt das Verfahren alle Freiheiten bei der Geometrie. Höchstens 48 Stunden nach dem Dateneingang bei Bego erhält der Zahntechniker das fertige Gerüst.

Eine Digitalisierung des Verfahrens kann für Krankenkassen, Patienten und Hersteller gewinnbringend sein. Zurzeit explodieren die Kosten für den Zahnersatz, die individuellen Zuzahlungen werden immer höher. Jährlich werden im Schnitt 15 Mio. Kronen in Deutschland gefertigt, 80 Prozent davon aus Legierungen, die sich gut sintern lassen. "Noch gibt es keinen echten Kostenvorteil durch die Technologie, da die Anlagen recht teuer und die Stückzahlen recht klein sind, doch das wird sich ändern", sagt Weiss. Er hält bei höheren Stückzahlen Einsparungen von 10 bis 15 Prozent für realistisch. "Das dürfte dann auch in den Gebührenordnungen berücksichtigt werden", ist Weiss zuversichtlich.

Auf die neue Technologie setzt auch Sirona Dental Systems, die in Bensheim ein automatisiertes Fertigungszentrum für Zahnersatz betreiben. Die Firma fertigt täglich Hunderte Zahnkronen und Brückengerüste per Laser-Sinter für Zahntechniklabore. Das Düsseldorfer Fertigungslabor Suntech sintert ebenfalls seit anderthalb Jahren und beliefert rund 300 deutsche Dentallabore. Die Kapazitäten reichen aus, um - so das Ziel - bis 2010 in Deutschland 2 000 Dentallabore und Zahnarztpraxen zu versorgen.

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