Zahnmedizin
Zahnprothese dosiert Medikamente

Für Menschen, die regelmäßig Tabletten einnehmen müssen, könnte die Zahnprothese, die EU-Forscher entwickelt haben, eine Erleichterung sein. Die Prothese gibt die Medikamente kontinuierlich und richtig dosiert an die Mundschleimhäute des Patienten ab.

hsn DÜSSELDORF. „Unsere Zahnprothese besteht aus einem Reservoir, in dem sich das Medikament befindet, einem Ventil, zwei Sensoren sowie elektronischen Komponenten“, erläutert Oliver Scholz vom Fraunhofer-Institut für Biomedizinische Technik in St. Ingbert, wo die Sensoren und die Elektronik entwickelt wurden.

Über eine Membran gelangt Speichel in das Reservoir, löst einen Teil der festen Medikaments und fließt über einen kleinen Kanal in den Mundraum. Dort wird es von den Schleimhäuten der Wangen aufgenommen. „Zwei Sensoren am Kanal überwachen, wie viel Wirkstoff in den Körper gelangt“, sagt Scholz. Ein Flusssensor misst die Menge der Flüssigkeit, die durch den Kanal in den Mund gelangt, ein weiterer Sensor die Konzentration des Wirkstoffs in der Flüssigkeit. Anhand der Messergebnisse öffnet oder schließt die Elektronik das Ventil am Ende des Kanals und steuert so die Dosierung.

„Im Gegensatz zu bereits existierenden Medikamenten-Prothesen und Implantaten ist unser System recht klein – es findet in zwei künstlichen Backenzähnen Platz“, sagt der Forscher. In Abständen von einigen Wochen muss der Patient den Wirkstoff nachfüllen lassen. Dies könnte über ein Pfandsystem geschehen. „Der Patient tauscht die leere Prothese gegen eine neu befüllte. Im gleichen Zuge können der Batteriewechsel und die Wartung vorgenommen werden“, sagt Scholz. Die Forscher stellen den Prototypen ihrer Prothese auf der Messe MedTec vor, die vom 27. Februar bis zum 1. März in Stuttgart stattfindet. Das so genannte Intellidrug-System soll noch in diesem Jahr klinisch geprüft werden – gefüllt mit dem Medikament Naltrexon, das Drogenabhängige während des Entzugs einnehmen.

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