Zika-Virus
Das große Dilemma der WHO

Die Weltgesundheitsorganisation hat aus ihrem Zögern bei Ebola in Westafrika gelernt und die Zika-Epidemie rasch zum globalen Notfall erklärt. Doch anders als bei Ebola weiß niemand, wie gefährlich Zika wirklich ist.

HeidelbergViel Kritik musste sich die Weltgesundheitsorganisation WHO während der Ebolakrise in Westafrika anhören: Die Organisation habe den Ausbruch schlicht verschlafen, und viel zu spät erst seien koordinierte Hilfsmaßnahmen in Gang gekommen. Das soll nicht noch einmal passieren.

Ein Notfallkomitee der Organisation hat am Montag beschlossen, die schnell wachsende Epidemie zu einem internationalen medizinischen Notstand zu erklären. Mit dieser Einstufung übernimmt die WHO quasi offiziell die Aufgabe, die verschiedenen nationalen Maßnahmen gegen das Zika-Virus zu koordinieren.

Anders als die alarmierende Bezeichnung vermuten lässt, ist ein „Public Health Emergency of International Concern“ (PHEIC), der internationale medizinische Notstand nach WHO-Regeln, eine eher undramatische Angelegenheit: eine Krankheit, die ernst, ungewöhnlich oder unerwartet ist und sich international ausbreitet; so lauten die Kriterien dafür. Dann beraten die WHO-Gremien, ob international koordinierte Maßnahmen nötig und sinnvoll sind. Eine filmreife Bedrohung der Menschheit ist nach den WHO-Statuten dafür nicht notwendig und geht vom Zika-Virus auch nicht aus.

Die öffentliche Wahrnehmung allerdings ist eine andere – sowohl was das Zika-Virus angeht als auch in Bezug auf die Einstufung einer Krankheit durch die WHO. Damit war das Gremium der Weltgesundheitsorganisation in einem Dilemma: Entweder nennt sie Zika einen internationalen Notfall – was sie nun getan hat – und setzt sich dem Vorwurf von Panikmache und Übertreibung aus. Oder sie verzichtet darauf und hätte damit riskiert, wie im Fall von Ebola, im Nachhinein wieder zu spät zu reagieren.

„Die WHO steht vor einem großen Problem im Hinblick auf einen möglichen internationalen Gesundheitsnotstand, da die Definition hierfür sehr weit gefasst ist und es noch keine Vor- oder Zwischenstufen gibt“, erklärte der Mediziner und WHO-Berater Mathias Bonk das Problem im Vorfeld der Entscheidung.

So machte auch die schlechte Datenlage der Organisation die Entscheidung schwer. Nicht zuletzt, da die für die öffentliche Wahrnehmung entscheidende Frage noch völlig ungeklärt ist: Wie gefährlich ist das Zika-Virus überhaupt? Die Kombination aus sehr schneller Ausbreitung und dem begründeten Verdacht, dass der Erreger fruchtschädigend ist und Nervenleiden auslöst, hat in den betroffenen Regionen und unter Fachleuten Alarmstimmung ausgelöst.

Nur: Wie häufig solche schweren Folgen tatsächlich vorkommen, ist unbekannt – lediglich etwas über 250 Fälle von Mikrozephalie wurden bisher laut WHO nachgewiesen. Angesichts der nach wie vor nicht nachgewiesenen kausalen Verbindung bleibt die Bewertung schwierig, zumal sehr viele Menschen symptomlos mit Zika infiziert sind.

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Der Spuk könnte schnell vorbei sein

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