Zika-Virus Für den Papst ist Verhütung kein Übel mehr

Papst Franziskus vertritt die Sexualmoral der katholischen Kirche weniger rigoros als seine Vorgänger – auch wegen des Zika-Virus. Die Weltbank errechnet die Kosten des Kampfes gegen die Krankheit.
Update: 19.02.2016 - 07:08 Uhr

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WashingtonDer Kampf gegen das Zika-Virus und seine Folgen in Lateinamerika und der Karibik wird nach einer Schätzung der Weltbank 3,5 Milliarden Dollar (3,15 Milliarden Euro) kosten. Sollte das in der Regel von Stechmücken übertragene Virus nicht bald gestoppt werden, könnte es sogar noch teurer werden, schätzen die Experten in Washington. Einen entsprechenden Bericht veröffentlichte die Weltbank am Donnerstag (Ortszeit). Besonders die karibischen Länder, die in hohem Maße auf Touristen angewiesen sind, könnte dies treffen.

„Unsere Analyse unterstreicht, wie wichtig es ist, schnell zu handeln, um das Zika-Virus zu stoppen und die Gesundheit der Menschen in den betroffenen Regionen zu erhalten“, sagte Weltbank-Präsident Jim Yong. Die Weltbank selbst hilft derzeit mit Leistungen im Wert von 150 Millionen Dollar.

Papst Franziskus erwägt derweil wegen des Zika-Virus offenbar Ausnahmen vom katholischen Verbot künstlicher Verhütung. Die Vermeidung einer Schwangerschaft sei „kein absolutes Übel“, sagte der Papst auf dem Rückflug von seinem fünftägigen Besuch in Mexiko. In bestimmten Fällen sei das klar, auch im Fall von Zika.

Abtreibungen hingegen kämen keinesfalls in Frage. „Das ist ein Verbrechen“, sagte an Bord seines Flugzeugs im Gespräch mit Journalisten. „Ein Leben zu nehmen um ein anderes zu retten, das ist etwas, was die Mafia tut. Es ist ein Verbrechen. Es ist ein absolutes Übel.“

Das von Mücken übertragene Zika-Virus steht im Verdacht, bei Babys Entwicklungsstörungen zu verursachen. Vor allem in Brasilien, wo sich das Virus rasch ausbreitet, wurden zuletzt vermehrt Babys mit zu kleinen Köpfen geboren. Damit besteht die Gefahr, dass sich das Gehirn nicht richtig entwickeln kann und Schäden erleidet.

Wissenschaftlich erwiesen ist ein Zusammenhang noch nicht. Doch wurde Frauen vorsorglich geraten, das Zika-Verbreitungsgebiet zu meiden. Einige Regierungen in Lateinamerika empfehlen, einen Kinderwunsch zu verschieben. Unter anderem im katholischen Brasilien entbrannte zudem eine neue Abtreibungsdebatte.

Rio tanzt gegen die Virus-Angst
Karneval in Rio
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Hunderttausende feiern den Karneval in Rio de Janeiro. Der Zika-Virus spielt bei den Feierlichkeiten, die von Freitag bis Dienstag gehen, anscheinend kaum eine Rolle.

Karneval in Rio
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An der Copacabana schlängelten sich die Züge der Samba-Schulen zu dröhnenden Rhythmen die Strandpromenade herunter.

Karneval in Rio
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Die meisten Feiernden sind im Strandlook unterwegs, in der Badehose das Telefon und Geld verstaut - aber es gibt auch Kostüme wie eine Ananas, eine Melone, sowie die Klassiker Kapitän und König.

Karneval in Rio
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Die Stadt versucht zur Beruhigung von Bürgern und Touristen Handlungsfähigkeit zu beweisen: Städtische Mitarbeiterinnen verteilen T-Shirts mit Informationen über den Zika-Virus.

Karneval in Rio
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Zuvor versprühten Männer in gelben Schutzanzügen im Sambódromo Insektizide, um die Moskitos zu vertreiben.

Karneval in Rio
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Hier, beim Höhepunkt des Karnevals, ermitteln die Sambaschulen vor über 70 000 Zuschauern mit spektakulären Paraden bis Montag die beste Sambaschule Rios.

Karneval in Rio
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Viel nackte, schwitzende Haut, viel Angriffsfläche für die Gelbfiebermücke Aedes aegypti, die Zika überträgt - und der Brasiliens Präsidentin Dilma Rousseff den Krieg erklärt hat.

Der Papst wurde in dem Pressegespräch gefragt, ob wegen der Risiken der Infektion für Babys eine Abtreibung oder Verhütung womöglich das kleinere Übel wären. Dazu sagte Franziskus, es gebe einen klaren moralischen Unterschied zwischen einer Abtreibung und der Verhütung einer Schwangerschaft.

Er zog eine Parallele zu einer Entscheidung seines Amtsvorgängers Paul VI in den 1960er Jahren: Dieser billigte die Ausgabe von Verhütungsmitteln an Nonnen im damals belgischen Kongo, weil die Ordensfrauen dort systematisch vergewaltigt wurden.

Franziskus hat sich in seiner Amtszeit seit 2013 weniger rigoros zur katholischen Sexualmoral geäußert als seine Vorgänger Johannes Paul II und Benedikt XVI. So erklärte Franziskus einmal, die Kirche sollte nicht besessen von diesen Fragen sein.

Im Falle von Zika drängte Franziskus gleichzeitig die Wissenschaft zur Entwicklung eines Impfstoffs. „Daran muss gearbeitet werden“, sagte er. Nach Einschätzung der Weltgesundheitsorganisation können erste große Tests eines Impfstoffs aber wohl frühestens in eineinhalb Jahren beginnen. Die WHO hat wegen Zika einen globalen Gesundheitsnotstand ausgerufen.

  • ap
  • dpa
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