Zukunftslabor 2020
Maßgeschneiderte Medikamente

Forscher von Roche arbeiten sich Schritt für Schritt an die biochemischen Wurzeln vieler Krankheiten heran. Keine Firma verfolgt das Konzept der maßgeschneiderten Medizin so konsequent wie die Schweizer.
  • 1

FrankfurtDie Medizin von morgen beginnt mit einem feinen Schnitt. Zwei tausendstel Millimeter dünn sind die weißlichen Scheiben, die ein High-Tech-Hobel aus einem kleinen Parafinblock herausschneidet. Darin eingebettet: das Tumorgewebe einer Brustkrebspatientin. Ein Laborautomat wird die Gewebeprobe später mit Testreagenzien behandeln. Unter speziellen Mikroskopen wird dann sichtbar, welche Substanzen wo in den Tumorzellen angedockt haben.

Für Susanne Arbogast ist diese Prozedur ein erster Schritt auf der Suche nach neuem Wissen über die Tumorzellen. Die 44-jährige Medizinerin leitet die Abteilung Pathologie im Biotech-Forschungszentrum von Roche im bayerischen Penzberg. Sie führt einen von mehreren Spähtrupps an, die für den Schweizer Pharma-Riesen neue molekulare Ziele für Medikamente auskundschaften. „Wir wollen verstehen, was genau auf molekularer Ebene eigentlich dafür sorgt, dass zum Beispiel eine Zelle zur Krebszelle wird.“

Hinter dieser Forschungsarbeit steht ein Paradigmenwandel, der die Medikamententherapie in den nächsten Jahrzehnten radikal verändern wird. Forscher von Universitäten und Pharmafirmen lösen sich davon, Krankheiten allein nach ihren äußeren Symptomen und Erscheinungsformen zu definieren. Sie tasten sich vielmehr intensiv an die inneren biochemischen Ursachen heran.

Auf die Forscher warten gravierende Herausforderungen. Denn Krebs und viele andere Krankheiten entstehen dadurch, dass nicht nur einzelne chemische Signalketten in den Körperzellen aus dem Ruder laufen, sondern mehrere, womöglich sogar Dutzende. Und es gibt viele feine Varianten in den Fehlsteuerungen. Auf molekularer Ebene hat am Ende jeder Mensch seinen ganz individuellen Krebs, Bluthochdruck oder Alzheimer.

Was die Pharmaforschung so kompliziert macht, eröffnet ihr auf der anderen Seite neue Perspektiven. Denn je genauer die molekularen Fehlentwicklungen identifiziert werden, umso präziser lässt sich eine Therapie auf die Krankheit und den Patienten abstimmen – mit entsprechend besseren Heilungschancen.

Am Ende des Weges lockt das Modell einer maßgeschneiderten Medikamententherapie, das Modell der personalisierten Medizin. Krankheiten wie Krebs, Rheuma oder Asthma, so die Vision, werden in der Welt von morgen anhand von einigen Dutzend molekularen Parametern definiert, die mit einer Kombination aus Gewebe-, Blut und Gendiagnostik ermittelt werden. Der Patient erhält eine Behandlung, die präzise auf den molekularen Fingerabdruck seiner Erkrankung abgestimmt ist und um Längen besser wirkt als heutige Arzneien.

Das hört sich 2011 noch wie Science-Fiction an, doch die ersten Schritte auf dem Weg sind getan. Keine andere Firma hat sich dem neuen Konzept so klar verschrieben wie der Baseler Pharmakonzern Roche. „Personalisierte Medizin ist für uns ein ganz zentrales Konzept, um Medikamente mit viel höherer Wirksamkeit und Sicherheit zu entwickeln“, sagt dessen Vorstandschef Severin Schwan.

Hält die neue Medizin, was sie verspricht, könnte sie ein Problem überwinden, das Patienten, Gesundheitssysteme und Pharmafirmen seit Jahrzehnten gleichermaßen plagt: Viele Arzneien wirken heute zwar bei einigen Menschen hervorragend, bei vielen aber nur schwach oder gar nicht. Bei manchen Patienten richten sie sogar Schaden an.

Seite 1:

Maßgeschneiderte Medikamente

Seite 2:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%