Bildung der Zukunft: Was unsere Kinder lernen sollen

Bildung der Zukunft
Was unsere Kinder lernen sollen

Bleibt für unsere Kinder im Maschinenzeitalter noch genug Arbeit übrig? Ja, sagen Experten. Wenn Sie die richtigen Fähigkeiten haben. Doch diese bekommen sie an Schulen und Universitäten nur selten vermittelt.
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Manche Wahrheiten lassen sich auf 140 Zeichen eindampfen. Zum Beispiel über unser Bildungssystem. „Ich bin fast 18 und hab keine Ahnung von Steuern, Miete oder Versicherungen“, schrieb eine Schülerin am Wochenende auf Twitter. „Aber ich kann 'ne Gedichtsanalyse schreiben. In 4 Sprachen.“

Es ist eine Klage darüber, dass die Schule wenig hilft, selbständig zu werden. Sie schlug in den sozialen Netzwerken hohe Wellen, wurde tausendfach verbreitet und diskutiert und stieß so eine Debatte über unser Bildungssystem an. Doch die Debatte müsste viel weiter gehen. Denn unsere Wirtschaft steht vor weitreichenden Veränderungen: Die Maschinen werden den Menschen in den kommenden Jahren und Jahrzehnten immer mehr Routineaufgaben wegnehmen. Wer künftig einen lukrativen Job haben will, muss sich auf Dinge konzentrieren, die der Computer nicht so gut kann. Dass dies ohne Bildung nicht klappen kann, ist offensichtlich.

Wie mächtig die Maschinen werden, lässt sich an autonom fahrenden Autos ablesen. Was einst als Science Fiction galt, ist heute im Bereich des Möglichen – und könnte einst menschlichen Taxifahrern das Leben schwer machen. Auch andere Aufgaben lassen sich automatisieren, von der Gehaltsabrechnung über die Berechnung der Bonität von Kreditnehmern bis hin zu Jobs am Fließband. Kollege Computer hat aber Schwächen. Er kann nicht so gut Muster erkennen, Ideen gewinnen und beherrscht auch keine komplexen Formen von Kommunikation.

Doch wird in unserem Bildungssystem auf diese Fähigkeit Wert gelegt? Zweifel sind berechtigt. Die Pauschalkritik lautet: Eher stehen das Auswendiglernen von Fakten sowie die Lese-, Schreib- und Rechenkompetenz im Vordergrund. Das gilt nicht nur für Schulen, sondern spätestens seit der Einführung von Bachelor und Master auch an vielen Hochschulen, wo die Studenten für die vielen Klausuren ein „Buliminie-Lernen“ betreiben: Erst alles reinstopfen, dann alles ausbrechen. Nachhaltig ist das nicht.

Auch in den USA läuft die Diskussion. Alles sei fokussiert auf den Konkurrenzdruck der Studierenden untereinander, beklagt Silicon-Valley-Ikone Peter Thiel. Anstatt zu lernen, im Team Probleme zu lösen und Ideen zu entwickeln, werde der Kampf um den besten Abschluss initiiert.

Nicht nur der Selfmade-Milliardär, auch viele Wissenschaftler sind der Meinung: Entschlossenheit und Selbstkontrolle erreichen junge Menschen nur dadurch, dass sie Fehler machen. Doch kann man sich das in den starren, auf Noten basierenden Konkurrenz-Studiengängen erlauben? Nur sehr bedingt. Wer Angst vor dem Scheitern hat, wird auch scheitern. Oder wie es der renommierte Professor James Kwak ausgedrückt hat: „Der typische Harvard-Student ist mehr von Angst getrieben, nicht erfolgreich zu sein, als von dem wirklichen Verlangen, etwas Bestimmtes zu tun.“

Kommentare zu " Bildung der Zukunft: Was unsere Kinder lernen sollen"

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  • Lernen statt büffeln... http://stefangisler.ch/learning4u/

  • Mich befremdet bei der Diskussion rund um den Tweet der "Gedichtsanalyse", dass eine fehlende Wahlfreiheit resp. fehlende Angebote im Bildungssystem angemahnt werden, die de facto jedoch ganz eindeutig gegeben sind- nur eben nicht am klassischen Gymnasium, und das ist m.E. auch nicht wirklich schlimm, sofern man sich über die Alternativen im Klaren ist:

    So gibt es mit der höheren Handelsschule, dem beruflichen Gymnasium für Ingenieurwissenschaften oder beruflich-gymnasialen Oberstufen für Gestaltung, Erziehung oder Medizin/ Pflege mitllerweile vielfältige Alternativen zu humanistischen oder neusprachlichen Gymnasien. In allen diesen Schultypen kann gleichermaßen ein Vollabitur erworben werden- Steuern, Miete und Versicherungen je nach Wahl eingeschlossen.

    Weiterhin ist das berufliche Schulwesen auch so konzipiert, dass es Anschlussmöglichkeiten selbstverständlich auch für diejenigen gibt, die aus einer dualen Berufsausbildung heraus die Fachhochschulreife oder ein Vollabitur nachholen resp. über die Fachschule einen Weiterbildungsabschluss auf EQR-Level 6 erreichen möchten.

    Ist Wahlfreiheit resp. kulturelle Bildung denn etwas derart Schlimmes, dass man die wissenschaftspropädeutisch ausgerichtete humanistische resp. neusprachliche gymnasiale Oberstufe erst utilitaristisch verbrämen muss?

  • Mich befremdet bei der Diskussion um die Aussage rund um die Gedichtsanalyse, dass eine fehlende Wahlfreiheit resp. fehlende Angebote im Bildungssystem impliziert werden, die de facto **nicht existieren**.

    So gibt es mit der höheren Handelsschule, dem beruflichen Gymnasium für Ingenieurwissenschaften oder beruflich-gymnasialen Oberstufen für Gestaltung, Erziehung oder Medizin/ Pflege mitllerweile vielfältige Alternativen zu humanistischen oder neusprachlichen Gymnasien. In allen diesen Schultypen kann gleichermaßen ein Vollabitur erworben werden- Steuern, Miete und Versicherungen je nach Wahl eingeschlossen.

    Weiterhin ist das berufliche Schulwesen auch so konzipiert, dass es Anschlussmöglichkeiten selbstverständlich auch für diejenigen gibt, die aus einer dualen Berufsausbildung heraus die Fachhochschulreife oder ein Vollabitur nachholen möchten resp. über die Fachschule einen Weiterbildungsabschluss auf EQR-Level 6 erreichen möchten.

    Ist Wahlfreiheit resp. kulturelle Bildung denn etwas derart Schlimmes, dass man die wissenschaftspropädeutisch ausgerichtete humanistische resp. neusprachliche GOS erst utilitaristisch verbrämen muss?

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