Datenwelt in der Zukunft
Das Leben ohne Freiheit

Unser Leben wird in Zukunft vor allem vom Umgang mit unseren Daten beherrscht: Wie frei werden wir sein? Wie und wo werden wir durchleuchtet? Wer weiß wie viel über uns? Die Antworten werden nicht jedem gefallen.
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Das klingt doch gut: Wer gesund lebt, wird belohnt. Zumindest, wenn er das seiner Versicherung beweist. Die Generali hat ihren Kunden ein Angebot unterbreitet, dass vor kurzem noch viele für undenkbar gehalten hätten: Man überträgt alle relevanten Daten rund um seinen Lebensstil per App an den Versicherer und bekommt dafür Gutscheine und Rabatte. Wer zu diesem Modell auf der Straße zehn Menschen befragt, wird womöglich nicht nur auf Ablehnung stoßen.

Immer öfter ist heute das neue Mantra der Unternehmen zu hören: Daten sind das Erdöl des 21. Jahrhunderts. Deren Auswertung soll die großen „E“s noch stärker machen: Effizienz, Einsparungen, Erfolg. Wer weiß, was die Kunden wollen oder wollen sollten, kann maßgeschneiderte Angebote unterbreiten. Streuverluste gehen gegen Null.

Doch werden wir in Wahrheit so nicht manipulierbar? Haben wir wirklich schon gelernt, mit den persönlichen Freiheiten umzugehen, die uns das 20. Jahrhundert zum Ende hin beschert hat? Wahrscheinlich müssen die meisten auf diese Fragen wahrheitsgemäß mit „Nein“ antworten. Vielmehr sind wir oftmals  die Getriebenen unseres eigenen Anspruchs – unterworfen einem Zwang zur Selbstoptimierung. Doch durch das Streben nach Bestleistung und Pseudo-Perfektionismus bekommen wir nicht mehr Kontrolle über unser Leben, sondern verlieren sie vielmehr.

Das Internetzeitalter hatte so schön begonnen mit all den praktisch Apps und den Verheißungen von grenzenloser Freiheit. Doch heute wissen wir, das es anders kommt: Wo diktatorische Maßnahmen im vergangenen Jahrhundert vom Staat ausgingen, kleiden sich diese Strukturen heute in die Hülle von Serviceangeboten. Angeboten von Großkonzernen, wahrgenommen von uns: Wir selbst haben den Speck in die Falle gelegt, in die wir rennen. Und trotz der vielen Debatten unterschätzen Millionen von uns das Problem immer noch. Junge Menschen halten Facebook und so für ein ungefährliches Spielzeug.

Denn mal abgesehen davon, wenn andere über uns herausfinden können, was so alles der Wahrheit entspricht: Um wie viel beängstigender ist das, was an Irrtümern über jeden Einzelnen durchs Internet geistert. Vielleicht gefällt Ihrem neuen Chef nicht, dass sie Asthmatiker sind? Er weiß das vom „Background-Check“ Ihrer Einkäufe, der laut Fachleuten wie dem Berater Markus Morgenroth „gerade bei Einstellungsprozessen immer beliebter wird“. Was der potenzielle neue Chef aber nicht weiß ist, dass Sie die Medikamente für Ihren kranken Nachbarn besorgt haben.

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