Mobilität der Zukunft: Fahrt elektrisch!

Mobilität der Zukunft
Fahrt elektrisch!

Die Deutschen kaufen keine Elektroautos und verbauen sich damit selbst die Zukunft. Handelsblatt.com startet eine Serie zu Zukunftsthemen – und verändert sich selbst: Vom 28. Januar an erleben Sie neues Design.
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DüsseldorfKeine Tankstellen, geringe Reichweite und dazu noch unkomfortabel – die ersten Motorenwagen, mit denen die automobilen Pioniere wie Carl Benz im Jahr 1888 die Pferdekutsche ablösen wollten, wirkten für die Zeitgenossen als wenig ansprechende Alternative. Das heute vielfach belächelte Zitat von Kaiser Wilhelm II. „Das Auto hat keine Zukunft. Ich setze auf das Pferd“, war keine skurrile Einzelmeinung, sondern Ausdruck der Geisteshaltung der Deutschen. Dabei warnten die Stadtplaner schon damals: Ohne Alternative zum Pferd würden die Städte angesichts des wachsenden Verkehrs im Mist ersticken.

Bertha Benz war frustriert über die Technikfeindlichkeit ihrer Zeitgenossen und unternahm darum 1888 die erste Langstreckenfahrt mit einem Motorenwagen. Ein Abenteuer, denn Tankstellen gab es nicht. Bertha Benz tankte Waschbenzin aus einer Apotheke, um die 108 Kilometer von Mannheim nach Pforzheim zurückzulegen. Ihre Pionierfahrt gilt als Startschuss für die Erfolgsgeschichte des Verbrennungsmotors

Gut 120 Jahre später könnte es eine Pionierin wie Bertha Benz gut gebrauchen. Ausgerechnet im Autoland Deutschland ist das Elektroauto immer noch ein Exot. Selbst wenn man Plug-In-Hybride, die mit Elektromotor und Benzinmotor unterwegs sind, mitrechnet, erreichen Elektroautos einen Marktanteil von 0,2 Prozent. Einer aktuellen Umfrage zufolge wollen 99 Prozent aller Autokäufer nicht elektrisch fahren. Und selbst bei den Führungskräften spielen Elektroautos mittlerweile eine untergeordnete Rolle. Nur noch 9 Prozent halten E-Mobilität für einen wichtigen Trend im Jahr 2015, zeigt eine neue KPMG-Studie. Im Jahr 2013 waren es noch 38 Prozent.

Die weitreichende Elektroskepsis ist eine Gefahr für die deutsche Wirtschaft – denn sie droht in einer Zukunftstechnologie den Anschluss zu verlieren. Den Ruf als Pioniere haben längst andere: Visionäre wie Tesla etwa, wo Elon Musk seine Vision einer emissionsfreien Autowelt öffentlichkeitswirksam vorantreibt. In technologiefreundlicheren Automärkten wie Norwegen hat es sein Model S sogar an die Spitze der Zulassungsstatistik geschafft.

Dafür ist auch die norwegische Politik verantwortlich, die erkannt hat, welche Potentiale in der Elektromobilität stecken, und die Fahrzeuge entsprechend fördert. Keine Maut, keine Parkgebühren, keine Ladekosten – so unterstützt das Land die Energiewende auf der Straße mit nachhaltigem Erfolg. Elf Prozent aller Fahrzeuge, die in Norwegen verkauft werden, sind bereits rein elektrisch unterwegs.

In Deutschland ist man dagegen Weltmeister darin, die positiven Folgen einer elektrischen Mobilität kleinzureden. Wären in unseren Städten nur noch Elektroautos unterwegs, wäre die Lärmbelästigung gleich null, die Schadstoffbelastung der Luft geringer, Gebäudefassaden wären sauber. Die positiven gesundheitlichen Folgen des elektrischen Antriebs werden allerdings nur selten erwähnt.

Stattdessen regiert die Angst – vor allem vor der geringen Reichweite. Ein überwiegend psychologisches Problem, denn für 95 Prozent aller Fahrten, so zeigen es aktuelle Forschungen, reicht die elektrische Reichweite der gängigen Modelle absolut aus. Und auch die Angst, mit einem Elektroauto liegen zu bleiben, darf als übertrieben gelten. Immerhin ist für die meisten Modelle theoretisch jede Steckdose eine Tankstelle. Es gibt erste Start-ups, die Lösungen entwickeln, Straßenlaternen zu Ladestationen umzufunktionieren.

Kommentare zu " Mobilität der Zukunft: Fahrt elektrisch!"

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  • Ich wundere mich sehr über die Mehrzahl der bisherigen Kommentare. Grund: ich habe ein Zweitauto, das ist ein Verbrenner (für die Autobahn-Urlaubsreisen). Das Erstauto ist natürlich elektrisch und macht - neben seiner Sparsamkeit - auch noch Spaß (seit über 2 Jahren schon: ein deutsches Stadt/Landstraßen-Auto)!
    Wieso es Leute gibt, die ihr sauer verdientes Geld für Schnickschnack ausgeben (Metallic, Leichtmetall, Audio usw.) statt für energieeffziente Fortbewegung, erschließt sich mir nicht. Ich jedenfalls freue mich, dass bei einer Gebirgs-Abwärtsfahrt nicht die Bremsen heiß werden, sondern 60% Rekuperation nachgewiesen werden kann. Ich kenne keinen Verbrenner, der beim Bremsen seinen Tank wieder füllt. Und je mehr Stau in der Stadt, desto sparsamer(!) ist das E-Auto im Gegensatz zum Verbrenner.
    Aber der Verbrenner heizt doch so wunderbar im Winter! Für diesen Vorteil wird der Energievorrat der Erde verbrannt...
    Dass die Wirtschaftsbosse unserer Autofirmen offenbar die Ingenieure gebremst haben, wird sich noch rächen - China wartet nicht, das sagte ich schon vor 2 Jahren.

  • E-Mobile machen heute einfach keinen wirtschaftlichen Sinn, wie oben auch H. Heiko Maas .... wenig charmant aber deutlich anmerkt.
    Die Technik ist angekommen bei Pedelecs, sicher machen auch E-Scouter Sinn, aber ein E-Mobil ist heute nicht nur zu teuer, sondern hat auch funktionale Einschränkungen (Reichweite, Ladezeiten). Dies beheben zu wollen, indem man doch wieder einen Verbrennungsmotor einbaut, ist doch wohl hilflos bis witzig ...

  • Für einen Lithium-Akku benötigt man etwa 100 g Lithium pro kWh, das sind bei einem normalen Elektrofahrzeug ca. 2 kg, beim Tesla Model S 8-10 kg.
    Das Lithium in den Akkus verbraucht sich übrigens nicht, sondern kann immer wieder aus den Altbatterien zurückgewonnen werden.

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