3D-Drucker
Jeder sein eigener Produktpirat

Mit 3D-Druckern werden sich künftig gängige Konsumgüter rasch und kostengünstig herstellen lassen. Doch damit steigt auch die Gefahr von Marken- und Urheberrechtsverletzungen drastisch.
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MünchenDrucken. Damit war lange Zeit vor allem der Auftrag eingefärbter Typen und Bilder auf Papier oder Stoff gemeint. Heute ist das anders. Statt nur Flächen zu gestalten, lassen sich mit moderner Technik auch dreidimensionale Objekte aufbauen. Ob Schokoriegel, Büstenhalter oder ganze Häuserzeilen – druckbar ist inzwischen fast alles.

Geräte, die so etwas können, sind für die meisten Endverbraucher zwar noch nicht zu bezahlen. Doch die Preise sinken schnell. Passable 3D-Drucker gibt es mittlerweile schon für um die 800 Euro. Zwar sind solche Modelle bei weitem nicht so leistungsfähig wie Maschinen für den Industriebedarf: Es dürfte aber nur eine Frage der Zeit sein, bis sich mit ihnen die gängigsten Konsumprodukte herstellen lassen – zu erschwinglichen Preisen und für jedermann.

Die Nachfrage nach der neuen Technik steigt rasant. Das Marktforschungsinstitut Canalys geht davon aus, dass die Branche allein in diesem Jahr 3D-Drucker im Wert von 1,3 Milliarden Dollar sowie Services und Materialien im Wert von 2,5 Milliarden Dollar verkaufen wird. Damit läge der Gesamtumsatz um 52 Prozent höher als noch 2013. Bis 2018 soll der Markt den Analysten zufolge ein Volumen von jährlich rund 16,2 Milliarden Dollar erreicht haben.

Der steigende Absatz birgt aber auch Risiken. Die Marktforschungsfirma Gartner zum Beispiel prognostiziert, dass Rechteinhaber – ebenfalls 2018 – mit einem Schaden von mindestens 100 Milliarden Dollar rechnen müssen. Pessimisten warnen sogar, die neue Technik werde für die traditionelle Fabrikationsindustrie zu einer ähnlichen Bedrohung wie die Internetpiraterie für die Musik- und Filmindustrie.

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Kommentare zu " 3D-Drucker: Jeder sein eigener Produktpirat"

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  • "Und wie darf man sich das Drucken dann vorstellen...kommt da Eisen oder Stahl aus der "Tintenpatrone oder Toner"????"
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    Nicht ganz. Der Materialauftrag erfolgt im Pulverbett, per Pulver- oder per Drahtzuführung und wird selektiv per Elektronenstrahl oder Laser aufgesintert oder geschmolzen. Das ganze natürlich unter Schutzgas. Alternativ kann man selektiv mit Bindemitteln arbeiten und den Rohling dann fertigbacken. Das ganze ist recht kompliziert (ich kenne auch nur die Grundlagen) und wird imho hier ganz gut beschrieben:

    http://tu-dresden.de/die_tu_dresden/fakultaeten/fakultaet_maschinenwesen/ifww/professuren/prof_fuer_pm_sinter_und_verbundwerkstoffe/lehre/skripte_pm/vogenfert"

    Pulvermetallurgische Werkstoffe haben oft einen generellen Nachteil: Bei aller Härte und Verschleißfestigkeit sind sie aufgrund der nötigen Zusammensetzung relativ spröde. So eine Schußwaffe zu "drucken", würde ich nicht empfehlen. Dafür braucht man zähfeste, hochverdichtete Stähle, bei denen aus dem Vollen gefräst oder gedreht wird.
    Der Vorteil der generischen Verfahren liegt halt darin, daß man ohne sauteure Formen Kleinserien und Einzelstücke oder Prototypen fertigen kann, wenn die erzielbaren, mechanischen Eigenschaften passen.

    Und wie gesagt, wer denkt, damit eine kleine Fabrikation von Plagiaten im Wohnzimmer aufziehen zu können, der wird sich wundern. Ein paar einfache Plastikteile mögen in Heimarbeit möglich sein, Pulvermetallurgie auf keinen Fall.
    Wenn ich mir so ein Kunststoff-Bauteil erstellen lassen wollte (weil's vielleicht nicht mehr produziert wird), würde ich es übrigens selber entwerfen und die CAD-Datei in einem Fertigungsservice abliefern. Die arbeiten dann mit professionellen Geräten in einer anderen Liga, anstatt mit einem Billgteil zuhause, dessen Ergebnisse eher zweifelhaft sind.
    Deswegen sehe ich auch keine Konkurrenz zur industriellen Fertigung, die dann doch ein etwas anderes Kaliber ist.

  • @Wolfsfreund
    Und wie darf man sich das Drucken dann vorstellen...kommt da Eisen oder Stahl aus der "Tintenpatrone oder Toner"????

  • "Waffen drucken"
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    Das funktioniert sowieso nicht. Ich habe in einem Video der australischen Polizei gesehen, was passiert, wenn man damit schießt: Der Schütze hätte seine Hand verloren und wäre wahrscheinlich verblutet. Gerade mit dem Begriff "Waffen selber drucken" wird m.E. nur ein Popanz aufgebaut.
    M.M.n. kann man Schußwaffen nicht einmal mit einem pulvermetallurgischen Verfahren "drucken", weil dem Produkt die Zähigkeit klassischer Waffenstähle fehlt.

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