Privatsphäre im Netz
Das Datenschutz-Paradoxon

Datenschutz ist für die Deutschen nach wie vor sehr wichtig. Doch in Zeiten von sozialen Netzwerken, Fitness-Trackern und Co. ist die Privatsphäre in Gefahr. Nicht nur die Nutzer, auch die Unternehmen können etwas tun.
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Düsseldorf„Wir haben unsere Allgemeinen Geschäftsbedingungen geändert. Bitte bestätigen Sie die neuen Nutzungsbedingungen.“ Ob Whatsapp, Facebook, IOS und Co. – eine Mitteilung, die wohl jeder kennt und mit gemischten Gefühlen aufnimmt. Die Nutzer wissen, dass sie zustimmen müssen. Im schlimmsten Fall kann nämlich die App, das soziale Netzwerk oder die neueste Version des Betriebssystems nicht mehr verwendet werden.

Eine Studie des Deutschen Instituts für Vertrauen und Sicherheit im Internet (DIVSI) zeigt: Die große Mehrheit, das sind 86 Prozent der Befragten, hält es für wichtig, die Inhalte der AGBs und Datenschutzbestimmungen zu kennen. Allerdings gaben auch mehr als 60 Prozent an, dass sie sich nur wenig bis gar nicht damit auseinandersetzen und die Bestimmungen gar nicht lesen.

Matthias Kammer, Direktor des DIVSI, ist von dem Ergebnis kaum überrascht: „Wer heute online kommunizieren will, kommt an Messengern und E-Mail-Diensten nicht vorbei – und damit auch nicht am Kleingedruckten – das erklärt das auf den ersten Blick paradoxe Verhalten.“ Dieser Gegensatz zeigt aber auch ein großes Problem auf: Datenschutz scheint wichtig zu sein, für viele Menschen ist die zunehmende digitale Vernetzung unserer Welt aber eine enorme Herausforderung.

Dem einzelnen Nutzer fällt es schwer, sich zwischen dem praktischen Nutzen von digitalen Inhalten und dem richtigen Umgang mit den eigenen Daten zu entscheiden. Das stellten die Kommunikationswissenschaftlerinnen Alice Ruddigkeit und Jana Penzel fest: „Der Lernprozess hinkt der rasend schnellen technischen Evolution ständig hinterher. Nutzer müssen sich daher auf ihr eigenes Bauchgefühl und begrenztes technisches Verständnis verlassen, wenn sie sich in neues Territorium wagen.“

Für Versicherer, Marketingstrategen und Finanzdienstleister sei es bisher zu aufwendig gewesen, gezielte Informationen über Kunden zu bekommen. Das Problem: Zu viele Informationen können sich negativ auswirken. Versicherungen könnten durch den Lebensstil teurer werden oder Kredite aufgrund einer Erkrankung verweigert werden. Dass sich bisher jeder selber entscheiden konnte, möglichst „unvollständige Informationen“ herauszugeben, ändere sich allerdings in Zeiten von Big Data.

So ist es heute möglich, durch eine gezielte Suche bei Google und in sozialen Netzwerken, viele Informationen zusammenzufügen. „Aus vielen kleinen Puzzleteilen entsteht jetzt ein sehr detailliertes Bild einer Person.“, lautet das Urteil der beiden Forscherinnen. Über den Namen, einen Eintrag im Telefonbuch und per Google Maps lässt sich zum Beispiel leicht überprüfen, wie jemand wohnt. Und wer mit einem leicht zu identifizierenden Nicknamen in Online-Foren unterwegs ist, muss damit rechnen, dass auch die intimsten Sorgen öffentlich werden. Ähnlich verhält es sich mit privaten Angaben bei Facebook.

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