Digitalisierung
„Die Zukunft der Arbeit liegt in unserer Hand“

Technologische Entwicklung und Wettbewerb diktieren den Grad der Automatisierung? „Unsinn“, sagt Arbeitspsychologe Ernst Hartmann. Ob Menschen durch Maschinen ersetzt werden, sei reine Entscheidungssache.
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Herr Hartmann, in der Industrie 4.0 kommunizieren Maschinen eigenständig miteinander – so mancher befürchtet, dass die Fabrikhalle der Zukunft ganz ohne Menschen auskommt.

Das glaube ich definitiv nicht. Es wird unterschiedlich sein, einerseits haben wir natürlich heute schon bestimmte Produktionsbereiche – zum Beispiel die Halbleiter-Fertigung – die fast menschenleer sind. Ich denke aber, dass es ganz unterschiedliche Möglichkeiten gibt, die Technologien der Industrie 4.0 im Unternehmen produktiv einzusetzen. Das hängt von unterschiedlichen Organisations-Modellen ab.

Details, bitte!

Wir hatten vor gut einem Jahr ein spannendes Fachgespräch hier am Institut für Innovation und Technik mit Teilnehmern sowohl aus der Industrie als auch aus der Wissenschaft. Von den Vertretern der Industrie-Seite kam da ein, wie ich finde, sehr wichtiger Beitrag. Die haben gesagt, sie wissen auch nicht, wo die Zukunft uns hinführen wird. Sie seien sich jedoch ganz sicher, dass es keinen technologischen Determinismus gäbe. Diese Einschätzung teile ich zutiefst.

Vieles ist also noch nicht absehbar?

Wann immer jemand sagt, die Zukunft der Arbeit wird so und so aussehen, weil die Technologie es uns so vorgibt, der lügt einfach oder hat das Problem nicht durchdacht. Ich kann mit der identischen Technik ganz unterschiedliche Philosophien verfolgen. Ich kann auf eine Mensch-Technik-Kooperation abzielen, oder ich kann darauf abzielen, den Menschen durch die Technologie zu ersetzen. Beides ist möglich und hängt nicht von der Technik ab. Das sind Entscheidungen, die im Unternehmen bewusst getroffen werden.

Das heißt, es ist nicht zwangsläufig ökonomischer, Maschinen statt Menschen einzusetzen?

Interessanter Weise war genau das eine ganz klare Botschaft von den Industrievertretern bei besagtem Fachgespräch: Diese sind davon überzeugt, dass man mit beiden Wegen wirtschaftlich hervorragende Modelle erzielen kann. Es gibt hinterher keinen Unterschied in der Produktivität. Natürlich haben beide Wege aber ganz andere Implikation, was die Qualität der Arbeit angeht, was die Menge und die Art der benötigten Arbeitskräfte angeht, was die Möglichkeiten der Menschen in der Arbeit angeht, sich dort weiter zu entwickeln und motiviert bei der Sache zu sein. Wie man hier vorgeht ist eine offene Frage, die entschieden werden muss. Die Zukunft der Arbeit ist gestaltbar und sie ist gestaltungsbedürftig. Das ist eine Botschaft, die meiner Meinung nach noch stärker durchdringen muss. Da spielen die Unternehmen selbst eine Rolle, die Geschäftsführer und Betriebsräte aber auch Verbände, die Politik und allgemein die Öffentlichkeit.

Nehmen uns die Maschinen die Arbeitsplätze weg?

Nicht durchgängig zumindest. Also es gibt zwei Theorien dazu. Die eine geht davon aus, dass der Druck vor allem auf die mittleren Qualifikations-Profile – also auf Facharbeiter, Meister, Techniker – gehen wird, die niedrig qualifizierten Fähigkeiten aber weitestgehend verschont bleiben. Diese Theorie sagt praktisch, dass alles, was automatisierbar ist, schon soweit automatisiert ist: Auch mit den heutigen Roboter-Techniken kann ich viele manuelle Tätigkeiten von Maschinen durchführen lassen, da brauche ich keine Industrie 4.0.

Es gibt eine zweite Theorie, die besagt, dass auch die ganz niedrig qualifizierten Tätigkeiten betroffen sein werden. Einigkeit herrscht bei den ganz hoch qualifizierten Tätigkeiten, dass da der Effekt nicht so stark sein wird.

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  • Die Maschine ist für den Menschen da und nicht umgekehrt.
    Wer will, daß menschliche Arbeit wenns immer geht durch Roboter ersetzt wird, dann müssen
    die "Fabrikanten" und die Politkaste und die Bankgster:

    1. dafür sorgen, dass ausreichend Steuern gezahlt werden und zwar von den Maschinenenthusiasten, damit die Menschen leben und die hergestellten Produkte kaufen können,
    2. sollten Sie die sog. künstliche Intelligenz soweit entwickeln, dass diese Maschinen
    Programme entwickeln, die vor allem die Politkaste und die sonstigen Privilierten
    ersetzen können.

    3. sollten Freizeitprogramme und Einrichtungen entwickel werden, die von den Massen
    dahinvegentierender Menschen sinnvoll genutzt werden können oder müssen.

    Das sind doch Denkaufgaben für unsere Politkaste, die sich schon mal Gedanken machen
    sollten.
    2.

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