E-Learning
Lernen mit der Maus

Unternehmen setzen zunehmend auf E-Learning. Von einem überstürzten Einstieg raten Experten aber ab, entscheidend für den Erfolg ist nicht allein die Technik: Passt E-Learning überhaupt zur Firmenkultur?
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KölnClaudia Hautzinger macht niemand etwas vor. Weiterbildungsreferentin beim mittelständischen Sensorhersteller Sick weiß ganz genau, ob sich ihre Kollegen mit der Arbeitssicherheit gut genug auskennen. Für rund 10.000 Euro hat Sick im vergangenen Jahr 60 sogenannte Voting Tools angeschafft, kleine Funksender mit sechs Tasten. Damit antworten Schulungsteilnehmer auf Fragen von Dozenten, zum Beispiel wenn es um den Mindestsicherheitsabstand zwischen Arbeiter und Maschine geht.

Bei mehrtägigen Schulungen fragen die Dozenten die Lerninhalte des Vortags jeden Morgen mit dem Tool ab. Der Vorteil: Anders als auf Papier erfolgt die Auswertung nahezu in Echtzeit. Die Voting Tools werden bei Sick mittlerweile in vier von fünf Veranstaltungen verwendet. „Damit sichern wir die Qualität unserer Schulungen und wissen sofort, welche Themengebiete die Teilnehmer besser und welche sie schlechter verstanden haben“, sagt Hautzinger. Außerdem mache das Lernen so mehr Spaß.

Ob wie bei Sick als Quiz für klassische Schulungen oder in Form von Computerkursen – immer öfter kommen im Mittelstand E-Learning-Instrumente zum Einsatz. In einer Umfrage des Essener Instituts für Medien- und Kompetenzforschung (MMB) unter 200 mittelständischen Personalverantwortlichen gab mehr als die Hälfte an, bei der Weiterbildung auf E-Learning zu setzen. 19 Prozent planen den Einsatz für die kommenden drei Jahre. Noch vor vier Jahren haben laut einer Studie des IT-Verbands Bitkom erst ein Viertel der mittelständischen Unternehmen auf digitale Lernhilfen gesetzt.

Vor einem überstürzten Einstieg aber warnt Nicole Gaiziunas-Jahns, Geschäftsführerin von Incore, einem Berliner Institut für Wissensvermittlung im Unternehmen. Am Anfang stehe die Frage, ob E-Learning überhaupt zur Firmenkultur passe. Dann solle sich das Unternehmen klar darüber werden, in welchem Bereich geschult werden soll und wie die Schulung in das Weiterbildungskonzept des Unternehmens eingebettet ist. „Häufig fehlt den E-Learning-Maßnahmen der Bezug zu anderen Schulungen im Unternehmen. Ein Workshop kann das ändern“, sagt Gaiziunas-Jahns. Erst dann folgt die Suche nach dem geeigneten Produkt.

Doch der kleinteilige Markt mit seinen rund 300 Anbietern in Deutschland erfordert von den Einkäufern Weitsicht. „Das Angebot an Inhalten wächst, doch bei der Auswahl von Content und bei der Einführung von E-Learning sollten Mittelständler kritisch sein“, sagt Peter Miez-Mangold, Bereichsleiter E-Learning des Weiterbildungsinstituts Haufe Akademie. „Anbieter handeln oft technologiegetrieben.“ Sie berücksichtigten die bestehende IT-Landschaft beim Kunden unzureichend. Anpassungen sind aber aufwendig. „Dann fließt ein Großteil des investierten Geldes in die Technik anstatt in die Lerninhalte.“

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