Erfolgreiche Start-ups
Nie mehr Schlange stehen auf der Autobahn

Der Navi-Markt ist gesättigt, trotzdem will Graphmasters die Routenberechnung revolutionieren. „Wir wollen der neue Standard der Routenberechnung werden“, kündigt Gründer Christian Brüggemann an.
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Bescheidenheit ist nicht unbedingt die Sache von Christian Brüggemann. „Wir wollen der neue Standard der Routenberechnung werden“, gibt der Gründer von Graphmasters das Ziel vor. Angesichts des eigentlich gesättigten Navi-Markts ist das eine echte Herausforderung.

Doch Brüggemann hat Biss. Und so wird er nicht müde, die Werbetrommel für seine Idee zu rühren. Nahezu jeden Preis der deutschen Gründerszene hat er mit Graphmasters mittlerweile gewonnen, auch bei der Gründerinitiative Weconomy war er im vergangenen Jahr erfolgreich.

Brüggemann will Staus verhindern. Schon als Student tüftelte er an einem neuen Algorithmus für die Verkehrssteuerung. Seine Analyse: „Alle Navi-Systeme haben die gleiche Datenbasis. Wir haben so viele Staus, weil sich so viele Fahrer auf ihre digitalen Geräte verlassen.“

Genau das will Brüggemann ändern. Seine Lösung: Graphmasters legt für jede Straße eine bestimmte Kapazität fest. Diese wird mit den von den Fahrern auf ihrem Navi angeforderten Ausweichrouten verglichen. Ein Algorithmus berechnet dann, wann eine Strecke als ausgelastet gilt, und weist den nächsten Fahrern eine alternative Route zu.

„Wir haben viele Simulationen in der Rushhour durchgeführt. Wir konnten die Fahrzeuge doppelt so schnell durch den Verkehr lenken“, so Brüggemann. Der Haken: Am besten arbeitet das System, wenn es die Daten von möglichst vielen Autofahrern verarbeiten kann. Graphmasters muss also an die etablierten Unternehmen der Branche heran. Erste Schritte sind bereits getan. So arbeitet Graphmasters seit kurzem im Testbetrieb mit dem Autozulieferer Bosch zusammen.

Auch die Berliner Sablono GmbH, ein anderer Gewinner des Weconomy-Wettbewerbs, zeigt, wie eng die Welten der jungen und der etablierten Unternehmen verbunden sind. Die erst im vergangenen Jahr von drei Bauinformatikern der TU Berlin gegründete Firma bietet eine Software an, mit der aus dem Ruder laufende Zeitpläne und Kosten bei Bauprojekten verhindert werden sollen.

„Dass Bauprojekte eine Katastrophe sein können, muss man wohl nicht mehr erläutern“, sagt Lukas Olbrich, Mitgründer und Geschäftsführer des Start-ups, mit einem Grinsen. „Wir gehen davon aus, dass Terminpläne, die mit unser Software erstellt werden, um das Tausendfache exakter sind als die herkömmlichen“, verspricht Olbrich.

Damit nicht genug. Auch Daten zur Dokumentation des tatsächlichen Bauablaufs seien viel schneller und besser darzustellen als mit herkömmlichen IT-Werkzeugen. Seit Juni 2013 ist auch eine mobile Version des „Controllingtools“ auf dem Markt. Und das Interesse ist groß, auch bei etablierten Unternehmen. So hat sich neben dem High-Tech-Gründerfonds und Hasso-Plattner-Ventures auch der Softwarespezialist Nemetschek Allplan an der Firma beteiligt.

Jens Koenen leitet das Büro Unternehmen & Märkte in Frankfurt.
Jens Koenen
Handelsblatt / Leiter Büro Frankfurt

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