Halbleiterindustrie
Wenn sich Autos unterhalten

„Vorsicht, Glatteis auf der Brücke!“ Oder: „Achtung, Stau an der Kreuzung am Marktplatz.“ So könnte es bald im Cockpit tönen, wenn Autos miteinander reden. Das brächte zusätzliche Aufträge für Chiphersteller.
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Das sind gute Aussichten für die Menschen hinterm Lenkrad, vor allem aber für die Halbleiterindustrie. Denn die bekommt immer mehr Aufträge von den Autoherstellern.

So wie der Chipproduzent NXP. Gerade haben die Niederländer einen wegweisenden Vertrag mit Delphi unterschrieben, einem der größten Autozulieferer der Welt. Der US-Konzern kauft bei der ehemaligen Philips-Tochter Halbleiter ein, mit denen Fahrzeuge einerseits untereinander sprechen können. Andererseits sind sie bald in der Lage, sich mit Ampeln, Geschwindigkeitsanzeigen oder sogar Baustellen auszutauschen. So könnten Pendler beispielsweise frühzeitig und automatisch darauf hingewiesen werden, dass ihr üblicher Weg zur Arbeit heute wegen eines Wasserrohrbruchs gesperrt ist.

"Für uns ist das ein zusätzliches Geschäft", meint Kurt Sievers, Chef der Autosparte von NXP. "Das wird 2016 starten und sich dann bis 2020 sprunghaft entwickeln." Sievers zufolge ist es das erste Mal, dass Chips für das vernetzte Auto in die Massenproduktion gehen. Erster Kunde von Delphi ist General Motors. Alle Modelle der Konzernmarke Cadillac werden ab 2017 damit ausgestattet.

Das sind auch für Deutschland gute Nachrichten. NXP kommt zwar aus dem niederländischen Eindhoven - doch von dem Auftrag profitiert vor allem der Standort Hamburg, von dem aus Manager Sievers die Autodivision führt.

Wie schnell sich das Geschäft entwickelt, hängt nicht nur von den Autoherstellern ab. Einen Schub geben könnte eine Behörde aus Washington, die National Highway Traffic Safety Administration (NHTSA). Die Bürokraten prüfen, ob künftig alle Autos mit solchen Chips ausgestattet werden müssen. Für NXP oder den Münchener Wettbewerber Infineon wäre das wie ein Sechser im Lotto. "Bislang war es unser Ziel, dass Menschen einen Crash überleben", sagt der US-Verkehrsminister Anthony Foxx. "Mit der neuen Technik können wir Unfälle nun vermeiden und ganz nebenbei Geld und Benzin sparen."

Schon einmal haben die Amerikaner den Chipfirmen Freude gemacht: Vor zehn Jahren schrieben sie fest, dass ein System den Reifendruck in jedem Auto kontrollieren muss. Der Absatz für Sensorhersteller ist seither garantiert. Kein Wunder, dass die Autosparten gut laufen: Bei NXP sprang der Umsatz im zweiten Quartal gegenüber dem Vorjahr um 14 Prozent, bei Infineon ging es elf Prozent nach oben.

Für Manager Sievers ist das sprechende Auto nur eine Durchgangsstation auf dem Weg zum autonomen Fahren. Dafür, so sein Kalkül, brauchen die Automarken noch viel, viel mehr Chips.

Joachim Hofer
Joachim Hofer
Handelsblatt / Korrespondent München

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