Internet der Dinge
Wo sind die Geschäftsmodelle?

Die technischen Hürden für das Internet der Dinge sinken, auch für den Mittelstand. Wo versteckt sich aber die angebliche Fülle an neuen Geschäftsmodellen, die die Vernetzung der Maschinen eröffnen soll?
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KölnNoch lange nach der Auslieferung bleibt der Kompressoren-Hersteller Kaeser in Kontakt mit seinen Maschinen: Viele Industrieunternehmen entscheiden sich für einen Wartungsvertrag. Aus der Ferne gehen Kaeser-Techniker auf Fehlersuche, wenn die Druckluftstationen nicht mehr rundlaufen. Künftig soll die Bindung zum Hersteller noch enger werden: Das neue Steuerungssystem „Sigma Air Manager 2“ ist darauf ausgelegt, im Sekundentakt Messdaten an Kaeser zu senden.

Der permanente Datenstrom soll helfen, den Kundenservice zu verbessern, sagt IT-Chef Falko Lameter: „Mit statistischen Methoden können wir neue Zusammenhänge erkennen und besser feststellen, wann eine Wartung fällig ist.“ Auch in die Produktentwicklung sollen die Auswertungen einfließen. Die Vorbereitungen für den neuen Service laufen derzeit auf Hochtouren: „Einerseits fahren wir die IT-Architektur hoch, andererseits müssen wir parallel die Geschäftsprozesse in Verkauf und Service anpassen und die Mitarbeiter schulen.“

Ob Gewerbemaschinen, Autos oder Haushaltsgeräte: Die Anbindung von physischen Dingen an das Internet gehört zu den Megatrends der IT – und hat das Potenzial, ganze Branchen umzukrempeln. Bis zum Jahr 2030 kann das sogenannte Internet der Dinge oder Internet of Things (IoT) 14,2 Billionen Dollar zur weltweiten Wirtschaftsleistung beitragen, prognostiziert Accenture. „Die Wahrscheinlichkeit ist heute groß, dass Produkte ins Internet können, wenn sie die Fabrik verlassen“, sagt Frank Riemensperger, Deutschlandchef der Technologieberatung. „Wer jetzt die Chance nutzt, neue Serviceumsätze rund um diese intelligenten Produkte herum zu generieren, eröffnet sich riesengroße Wachstumsmöglichkeiten.“

Doch während sich Analysten und Berater mit optimistischen Prognosen überbieten, gibt es auch Grund zur Skepsis. Seit Jahren werden immer dieselben Praxisbeispiele angeführt – etwa vernetzte Lampen für das Smart Home oder Carsharing-Dienste, die ohne feste Stationen auskommen. Von der Fülle an neuen Geschäftsmodellen, die das Internet der Dinge eröffnen soll, ist aber noch wenig zu sehen.

Der Düsseldorfer IT-Dienstleister Exceet Secure Solutions hat jüngst im deutschsprachigen Raum Projekte im Bereich der Maschinen-Kommunikation (M2M) untersucht. „Für unsere Nutzenstudie haben wir gerade einmal 200 Projekte gefunden, von denen 60 wirklich erfolgreich sind“, sagt Geschäftsführer Christian Methe. „Da fragt man sich tatsächlich, wo die Milliarden vernetzte Geräte sind, von denen Marktforscher sprechen.“

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