Linked-In-Experiment „Future Me“
Ich – in fünf Jahren

Das Business-Netzwerk Linked In hat mehr als 330 Millionen Mitglieder. Unser Autor ließ sich daraus sein „Future Me“ vorhersagen. Das Experiment zeigt, wie rasant die Digitalisierung die Personalbranche verändert.
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New YorkDa sitzt sie vor mir, meine Zukunft, und lächelt mich an. Ich lächele zurück, suche nach Worten und Gemeinsamkeiten mit dem Menschen, der mir gegenübersitzt. Die Situation hat etwas skurriles, ich empfinde eine Verbindung zu ihm, den ich das erste Mal sehe, weil die Daten mir sagen, dass er in gewisser Weise wie ich sei.

Ein Experiment hat mich an diesem sonnigen New Yorker Nachmittag in ein schmuckes Hochhaus geführt. Ein Experiment, das Linked In mit mir gestartet hat, das weltweit größte Business-Netzwerk. Ich treffe mein „Future Me“. Es ist der Mensch, der heute schon den Job hat, den ich in fünf Jahren sehr wahrscheinlich haben werde. Die Analyse der riesigen Datenbasis von Linked In und seiner mehr als 332 Millionen Mitglieder hat ihn als die beste Wahl ausgespuckt.

Schuld daran, dass ich hier nun in einem kleinen Konferenzraum einem eigentlich wildfremden Menschen gegenüber sitze und nach Worten suche ist Lutz Finger. Der Deutsche leitet das Datenanalyse-Team von Linked In in Kalifornien. Wenn Finger über Daten spricht, dann blitzen seine Augen und er gerät ins Schwärmen, so wie andere über ihren Lieblings-Fußballverein ins Schwärmen geraten. Selbst bei dem Barbecue in Austin in Texas, bei dem ich ihn kennengelernt habe, verwickelt er mich in ein Gespräch über das Thema.

Finger hat mir das Experiment „Future Me“ vorgeschlagen. Es ist kein fertiges Tool von Linked In, Finger und sein Team tauchen extra für mich ganz tief in die Daten ein. Bisher hat er das nur ein Mal für einen jungen amerikanischen Kollegen von „Mashable“ gemacht.

Angesteckt von Fingers fesselnder Art habe ich sofort zugesagt. Doch der Deutsche ist kein Datenfetischist, er ist nicht blind datenhörig. Ganz im Gegenteil, er sagt Sätze wie: „Big Data ist ein Problem...“, sagt Finger, „es gib einen großen Hype darum. Aber wir brauchen kein Big Data, wir brauchen nur einen Namen“. Sprich: Big Data zu besitzen alleine bringe noch gar nichts. Man muss die Daten vielmehr richtig analysieren, was gar nicht so einfach ist, wenn man Lutz Finger zuhört.

Die Kunst besteht darin, die Daten so wenig wie möglich zu manipulieren, indem man zu viele einengende Annahmen trifft. Gleichzeitig muss man aber „die richtigen Fragen“ stellen, wie Finger es nennt, um die richtigen Antworten zu bekommen. Und vor allem muss man wissen, was man eigentlich wissen will.

Beim „Future Me“ ist die Antwort auf die Frage, was man wissen will, einfach. Doch der Weg dahin ist es nicht. Finger und sein Team arbeiten sich schrittweise an die Antwort heran.

Kommentare zu " Linked-In-Experiment „Future Me“: Ich – in fünf Jahren"

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  • „Nicht mehr nur der Mensch, sondern auch der Computer, Algorithmen und Daten bestimmen über die Auswahl von Bewerbern. Manchmal bereits auch schon nur noch sie.“
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    Liebe Industrie -und Wirtschaftspersonaler, warum klont ihr euch nicht einfach eure aalglatt-smarten, karrieregeilen, Master- und Bachelorüberflieger/innen?
    Wäre doch viel einfacher und kostengünstiger, als auch noch in Assessment-Centern und psychologischen Rollenspielchen die vermeintlich Besten aussieben zu müssen, dann stimmen auch die genetischen Voraussetzungen und innere Einstellung beim Wunschkandidaten/in.
    Schöne neue Welt nach Huxley, angepasstes und perfekt funktionierendes Humankapital, Alphas und Epsilons, die je nach ihrer Kastenklassifizierung funktionieren und (ver)konsumieren. Ehrlich gesagt, geht mir diese ganze Entwicklung, Verdenglischung und Amerikanisierung so langsam auf den Sack.
    Ich bin Deutscher und lebe und arbeite in Deutschland.
    Diesen Perfektionierungs- und Leistungswahnsinn halte ich für geisteskrank.
    Es wundert mich deshalb rein gar nicht mehr, weshalb in dieser Gesellschaft und Arbeitswelt mittlerweile so viele psychisch Unzurechnungsfähige, Narzissten und pathologisch Geistesgestörte herumlaufen, anstatt notwendigerweise in einer geschlossenen Anstalt zur Behandlung und hoffentlichen Genesung einzusitzen.

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