Linked-In-Gründer Allen Blue
„Der Bewerber bekommt mehr Macht“

Linked In hat sein Business-Netzwerk zu einem „Economic Graph“ erklärt, einer Abbildung der Wirtschaft. Die soll weltweit vollständig erfasst werden, indem alle arbeitenden Menschen Mitglieder werden. Linked-In-Gründer Allen Blue spricht im Interview mit dem Handelsblatt über diese Vision.
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Der Ort des Interviews, das Empire State Building in New York, ist beeindruckend. Dort hat Linked In, das im Silicon Valley seinen Stammsitz hat, Büros angemietet, die schlicht und funktional sind. Allen Blue ist am selben Morgen erst angekommen, er hat einen Termin nach dem anderen. Sein Assistent achtet penibel auf die Zeit, doch der Mitgründer des noch jungen Unternehmens ist entspannt und lässt sich nicht aus der Ruhe bringen. Denn er redet über sein Lieblingsthema, den „Economic Graph“ von Linked In. Die Vision fesselt ihn geradezu.

Herr Blue, Sie wollen jedes Unternehmen, jede offene Stelle und jeden arbeitenden Menschen im „Economic Graph“ von Linked In erfassen. Das klingt nach Science Fiction. Sie haben im Moment 347 Millionen Mitglieder und wir sprechen von knapp vier Milliarden Menschen, die weltweit einen Job haben oder suchen ...
... wir schätzen, dass es etwa 3,3 Milliarden Menschen sind.

Immer noch eine unfassbare Zahl. Wie und bis wann wollen Sie das schaffen?
Es ist unklar, wie lange das dauern wird. Uns dieses große Ziel zu setzen, ist aber äußerst inspirierend für unser junges Unternehmen. Unsere Vision ist es, für jeden dieser Menschen ökonomische Möglichkeiten zu schaffen, die sie vorher noch nicht hatten. Und der einzige Weg, wie wir das erreichen können, ist dass sie Teil des Economic Graph werden. Und dass alle anderen Informationen über Schulen, Skills, Jobs, Unternehmen und so weiter auch Teil sind. Es sind große Visionen wie diese, die die Innovationen im Silicon Valley antreiben.

Aber Sie glauben nicht wirklich, dass Sie das Ziel jemals erreichen werden, oder?
Doch, doch, daran glaube ich.

Tatsächlich?
Ja, das hat auch damit zu tun, dass wir einen starken Rückenwind durch die Verbreitung der Technologie, vor allem des Smartphones, spüren. 49 Prozent der Besuche auf der Linked-In-Seite kamen im vierten Quartal 2014 über mobile Geräte. Das Smartphone gelangt in die Hände aller 3,3 Milliarden Menschen, die wir im Graph haben wollen.

Aber das macht doch nicht jeden dieser Menschen zu einem Linked-In-Kunden?
Nein, aber das Smartphone gibt den Menschen Macht. Jeder ist plötzlich sachkundiger als der Präsident der USA vor dreißig Jahren war, bezogen auf die Masse der Informationen, die über das Smartphone sofort zugänglich sind. Es versetzt jeden Nutzer in die Lage, Daten zu sammeln und es wird von ihm auch erwartet. Und die Menschen werden realisieren, dass Linked In genauso wertvoll für sie ist, wie etwa Google. Denn es geht um Menschen und ihre Beziehungen im Economic Graph.

Also Sie gehen davon aus, irgendwann tatsächlich mehr Mitglieder als Facebook zu haben?
Nein, Facebook wird die Zahl 3,3 Milliarden zuerst erreichen, die haben ja schon fast zwei Milliarden Mitglieder.

Trotzdem: Ihr Ziel klingt ehrlich gesagt unrealisierbar und eher nach guter PR. Wie würden Sie solche Kritik kontern?
Ich kann Ihnen garantieren, dass der Economic Graph, den wir bisher geschaffen haben, weit mehr ist als gute PR. Für alle, die schon dabei sind, ist es eine wichtige Ressource im Geschäftsleben. Wir mögen noch nicht alle Daten der Wirtschaft zusammengetragen haben, aber jeder der mitmacht, kann enormen Nutzen aus dem Graph ziehen. Selbst wenn es 20 Jahre dauern sollte, bis wir alle 3,3 Milliarden Menschen im Graph haben, wird jeder der mitmacht, zum Beispiel einen Job finden können.

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