Messe-Beginn: Revolution in den Fabrikhallen

 

Messe-Beginn
Revolution in den Fabrikhallen

In den Werkshallen von morgen steuern die Maschinen selbständig, was produziert wird. Und sie warnen, bevor ein Teil kaputtgeht. Ein Blick in die Zukunft.
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LemgoWenn Jürgen Jasperneite erklären will, wie er sich die Fabrik der Zukunft vorstellt, lässt er einen Eisbären aus Lego-Steinen zusammenstecken. Dreieinhalb Klötzchen hoch, anderthalb Klötzchen lang. Mit Kulleraugen, einer runden, schwarzen Nase und dreieckigen Ohren.

Jasperneite ist nicht Tierforscher, sondern Professor für industrielle Informationstechnik: Er bringt Industrie und Computer zusammen. Am Forschungsinstitut CIIT in Lemgo, nicht weit von Bielefeld entfernt, entwickelt er gemeinsam mit anderen Wissenschaftlern und Maschinenbau-Firmen eine intelligente Produktionsanlage. Sie baut Lego-Spielzeug zusammen – und bietet nebenbei Einblicke, wie die Produktion der Zukunft aussehen könnte.

Denn die Industrie steht vor einem tiefgreifenden Wandel: Dank der rasanten Fortschritte in der IT und Telekommunikation lassen sich Leitzentrale und Werk, Roboter und Fließbänder, Gabelstapler und Lager miteinander vernetzen. „Es geht darum, Intelligenz in die Maschinen zu bringen“, sagt Jasperneite, der an der Hochschule Ostwestfalen-Lippe und am Fraunhofer-Institut arbeitet. Das Ziel: Die Anlagen sollen sich selbst steuern, schneller einsatzbereit sein, Fehler erkennen – kurz: wirtschaftlicher arbeiten. Auf der Hannover Messe, die am Montag beginnt, ist die Vernetzung der Fabrik das große Thema, das Messemotto lautet „Integrated Industry – Next Steps“ – viele Experten sprechen auch von Industrie 4.0. Jasperneite und sein Team sind dabei, samt ihrer Eisbärenfabrik.

Für die deutsche Wirtschaft sind diese nächsten Schritte von großer Bedeutung. „Deutschland hat das Potenzial zum internationalen Leitmarkt und Leitanbieter in der Industrie 4.0 und den damit verknüpften Diensten“, schreibt die Deutsche Akademie der Technikwissenschaft (Acatech). Das ist eine Chance für die Maschinenbauer, die mit ihrer Hightech die Fabriken der Welt ausrüsten. Gleichzeitig könnten die neuen Technologien der Industrie mit ihren hohen Lohnkosten helfen, sich gegen die Konkurrenz aus Fernost zu wehren.

Natürlich gibt es in modernen Fabriken längst Computer. Doch die Entscheidungen treffe am Ende immer der Mensch, sagt Elektrotechniker Jasperneite: Er bestimmt die Abläufe, er überlegt sich, wie man Zeit und Geld sparen könnte. Die smarte Fabrik steuert sich dagegen selbst: Sie soll autonom entscheiden, was sie als nächstes herstellt; sie soll selbst Schäden entdecken, bevor der Roboterarm lahmt oder das Band stockt; und sie soll selbst herausfinden, wie sich Energie sparen lässt. „Die Fabrik soll sich so verhalten können, wie man es derzeit nur dem Menschen zutraut“, sagt Jasperneite.

Wie die vernetzte Fabrik funktioniert, lesen Sie auf der nächsten Seite.

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Revolution in den Fabrikhallen

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„Plug and produce“

Kommentare zu " Messe-Beginn: Revolution in den Fabrikhallen"

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  • R.Hegglin, volle Zustimmung !!!!

  • Das ist ja hoch interessant, was es alles für Maschinen gibt,die denn Menschen ersetzen. Einen Schönheitsfehler hat es aber, was macht man mit den Menschen die vorher die Arbeit gemacht haben?
    Vielleicht sollte man für Maschinen eine Sozialabgabe einführen, damit man die Menschen unterstützen kann, die wegen Maschinen Arbeitslos werde, oder ins Soziale abseits geraten.
    Ach ja, ich habe vergessen das der Steuerzahler und die andern Beitrags Zahler mit Freude die mehr Kosten übernehmen, wenn Firmen durch Maschinen arbeitsplätze weg Rationalisieren.

  • @ StefanBode

    Diese Frage stellen sich die Menschen erst dann, wenn es zu spät ist. Das war schon immer so und wird leider auch immer so bleiben. Aber vielleicht sind wir Menschen ja auch nur die Vorstufe - und der "höherentwickelte Mensch" soll eigentlich die Maschine sein?

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