Sicherheit im Smart Home
Warnung vor ungebetenen Gästen

Die Sorge vor virtuellen Eindringlingen hemmt den Smart-Home-Markt. Laut einer Studie weisen mehr als die Hälfte der vernetzten Geräte Sicherheitslücken auf. Die Industrie arbeitet mit Hochdruck an Lösungen.
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KölnDen kleinen Lauschangriff gab es zum Abend auf der Couch gratis dazu: Vor wenigen Wochen wurde bekannt, dass die per Sprache gesteuerten smarten Fernseher von Samsung die aufgezeichneten Daten zur weiteren Auswertung an einen Drittanbieter übermitteln.

Neue Möglichkeiten, neue Sorgen: Die Verknüpfung von digital aufgerüsteten Haushaltsgeräten kann das Leben angenehmer und sicherer machen. Doch intelligente Häuser bieten auch neue Angriffspunkte für Datendiebstahl und Manipulationen. "Das Smart Home ist ein Punkt, an dem die digitale Welt und die physische Umgebung intensiv in Kontakt treten", schreiben Wissenschaftler der EU-Agentur für Netzwerk- und Informationssicherheit (ENISA). "Das wird für beide Welten neue und noch unbekannte Gefahren und Verwundbarkeiten mit sich bringen."

Die Technologiefirma HP suchte 2014 in einer Studie nach Lücken. Bei 60 Prozent der Smart-Home-Geräte fand man Zugangsmöglichkeiten für Fremde. 70 Prozent nutzten unverschlüsselte Netzwerkverbindungen. An Gegenmaßnahmen wird eifrig gearbeitet: In Deutschland tüftelt eine Allianz am "Smart Home ready"-Siegel, das zuverlässige Lösungen kennzeichnen soll. An der technischen Basis ist auch ein Normungsausschuss des Verbands der Elektrotechnik, Elektrik und Informationstechnik (VDE) tätig.

Die Ingenieure richten ihr Augenmerk auf Gateways, sichere Übertragungsbrücken also. Denn im Haushalt von morgen treffen diverse Technologien verschiedener Anbieter aufeinander. Mit einer gemeinsamen Plattform, die nach Ansicht der ENISA möglichst mit Open-Source-Protokollen funktioniert, könnte man die Sicherheit steigern. Zwar sei vieles normungstechnisch gut abgedeckt, aber die Standards würden kaum gemeinsam genutzt, bemängelt der VDE.

Los geht es aber schon bei simpleren Dingen wie der Passwortvergabe. Acht von zehn Geräten im HP-Test forderten den Benutzer nicht auf, einen komplexen Zugriffscode zu wählen. Forscher des Fraunhofer-Instituts für Kommunikation, Informationsverarbeitung und Ergonomie warnen ebenfalls: Passwortsicherheit sei auch im Smart Home oberstes Gebot.

Stimmen die Schutzmaßnahmen, können Smart-Home-Lösungen dazu beitragen, die physische Sicherheit zu erhöhen: Automatisch aktivierte Rollladen täuschen in der Urlaubszeit ein bewohntes Haus vor. Wenn doch etwas passiert, werden durch Tür- oder Fenstersensoren die Überwachungskameras aktiviert. Die schlagen Alarm, informieren den Geschädigten per SMS und senden Bilder der Eindringlinge zur Beweissicherung in die private Cloud.

Manuel Heckel
Manuel Heckel
Pressebüro JP4

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