Smart Home auf der IFA
Chaos im schlauen Zuhause

Der Kaffee fließt, wenn der Wecker klingelt, die Heizung schaltet ab, wenn man geht: Das vernetzte Zuhause soll das Leben erleichtern. In der Praxis läuft die Technik aber noch nicht rund. Warum sich Warten lohnen kann.
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BerlinWenn morgens um halb 7 der Wecker klingelt, tröpfelt in der Küche schon der Kaffee in die Kanne. Im Bad hat die Heizung das Handtuch vorgewärmt, aus den Lautsprechern dudelt die Playlist mit der Gute-Laune-Musik. Wer länger schlafen will, muss schon die Decke über den Kopf ziehen: Die Rollläden surren automatisch hoch.

Geht es nach der Elektronikbranche, werden sich schon bald viele Menschen so wecken lassen. Das vernetzte Zuhause soll das Leben bequemer machen und dank intelligenter Steuerung von Heizung und Licht auch noch Energie sparen. IT-Riesen wie Google und Samsung investieren gewaltige Summen in Start-ups (siehe Info-Kasten). Und auf der Elektronikmesse Ifa, die in Berlin mit zwei Pressetagen beginnt, werden viele dieser technischen Helfer zu sehen sein.

Doch wer mit frischem Kaffee und einem warmen Handtuch in den Tag starten will, muss vorher viel Geduld aufbringen. Denn die meisten Lösungen für das sogenannte Smart Home verstehen sich untereinander nicht, weil sie unterschiedliche Standards verwenden. Für den Nutzer bedeutet das viel Bastelei – und einen Grund, besser noch abzuwarten. Zumindest bis Konzerne wie die Deutsche Telekom und Apple dem Konzept zum Durchbruch im Massenmarkt verhelfen. Der Bonner Konzern prescht mit seiner Plattform Qivicon vor.

Die Technik für die allumfassende Vernetzung gibt es längst. Dank der millionenfachen Verwendung in Smartphones sind Sensoren und Funkverbindungen so billig geworden, dass man sie auch zu vertretbaren Kosten in Kameras, Lampen oder Steckdosen einbauen kann. Und mit dem Smartphone hat fast jeder eine Universalfernbedienung in der Tasche. Per Smartphone-App lassen sich Garagentore schließen, Türschlösser kontrollieren, Heizungen ausschalten. Die meisten Geräte kommunizieren indes nicht mit anderen.

Aber: „Der eigentliche Mehrwert von Smart Home liegt im intelligenten Zusammenspiel der Komponenten und nicht in der Ansteuerung der einzelnen Hardware“, sagt Gunther Wagner, Technologieexperte beim Prüfungs- und Beratungsunternehmen Deloitte. So sei es hilfreich, wenn die Nutzer Szenen programmieren können. Aufwachen mit Kaffee, Heizung und Jalousien, in den Urlaub mit ausgeschalteten Steckdosen und eingeschalteter Überwachungskamera.

Doch damit die Geräte miteinander kommunizieren können und sich mit einer einzigen App steuern lassen, brauchen sie eine einheitliche Arbeitssprache. Derzeit ähnelt die Situation indes eher dem biblischen Babylon: Es kommen viele Standards zum Einsatz, von denen nur wenige miteinander kompatibel sind. Nutzer müssen entweder alle Geräte von einem Hersteller kaufen, frickeln oder einen Dienstleister teuer bezahlen.

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iPhone als Fernbedienung fürs Haus?

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  • Beim gegenwärtigen Stand der Technik gehen die meisten im Artikel genannten Gimmicks an der Realität vorbei, weil der Aufwand für den Effekt viel zu groß ist:

    * Die einzelnen Komponenten sind zu teuer.

    * Das Anbinden per Leitung ist praktisch nur in einem Neubau zu verwirklichen.

    * Mit Batterie betriebene Komponenten brauchen Wartung, und wenn es nur alle zwei Jahre eine neue Batterie ist. Aber bei 100 Komponenten ist im Mittel jede Woche eine Batterie leer. Mit 100 Komponenten kriegt man in einem größeren Einfamilienheim gerade mal die Heizung unter Kontrolle.

    * Funkverbindungen sind systematisch unzuverlässig. Im Minimum muss man regelmäßig die Fehlermeldungen prüfen.

    * Das Integrieren von Komponenten in das System ist von Otto Normalverbraucher nur in ganz einfachen Fällen zu schaffen.

    * Jeder Hersteller pflegt sein eigenes Biotop, in dem er sein Monopol hat. Entsprechend spart der Hersteller dann an Software-Qualität, Dokumentation usw. - eben allem, das bei der Systementscheidung noch keine so große Rolle spielt.

    * Niemand garantiert, dass es den gewählten Hersteller in 20 Jahren noch gibt oder dass er überhaupt noch kompatible Komponenten herstellt.

    * Bei meinem System (Homematic) nimmt der Hersteller ohne Vorwarnung Komponenten vom Markt und ersetzt sie durch mehr oder weniger ähnliche und nicht unbedingt bessere. In solchen Fällen erwartete ich eine längere Phase (mindestens zwei Jahre), in denen die Komponenten als "nicht für neue Projekte" markiert, aber noch problemlos verfügbar sind.

    * Angebote mit externer Wartung werfen heftige Datenschutzprobleme auf. Wenn jemand den externen Zugang hackt, kann er die Lebensumstände der Bewohner im Detail auskundschaften und ggf. einfach die Haustür öffnen.


    Fazit: Interessant ist die Technik aktuell nur für Leute, die die Technik selber beherrschen, sie als Ingenieursspielzeug begreifen und vor allem mal den Energieverbrauch in den Griff bekommen wollen.

  • Wenn ich wissen möchte, was in meinem Kühlschrank noch vorhanden ist, schaue ich hinein. Dafür brauche ich keine App. Die Leute verlassen sich immer mehr auf elektronische Hilfsmittel und werden somit immer hilfloser. Ich kenne Jugendliche, die finden ohne Navi nicht mal das Klo. Selbstständiges Entscheiden wird immer mehr zur Nebensache. Dafür gibt es ja eine App.

  • Es ist nur eine Frage der Zeit, bis es ein zentrales Steuergerät bzw. Apps gibt, die zumindest die drei oder vier großen Standards beherrschen. Aller anderen, weniger bedeutenden Standards werden ein Nieschendasein führen oder ganz vom Markt verschwinden. Ab diesem Zeitpunkt kann man die Geräte kaufen.

    Fraglich ist bei jedem einzelnen Gerät nur, welchen Sinn das Ganze überhaupt macht.

    (Stichwort: Mein Kühlschrank schreibt mir nicht vor, was ich einkaufen soll, aber er kann mich, wenn ich im Laden stehe, gerne informieren, was gerade im Kühlschrank noch vorhanden ist und was nicht.)

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