Sorge um Datenschutz
Deutsche stehen Digitalisierung skeptisch gegenüber

Über ein Drittel aller Deutschen befürchtet negativen Einfluss von digitalen Techniken auf ihr Leben. Große Skepsis gibt es vor allem in den Themenfeldern Datenschutz und Werbung.
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BerlinDer Einfluss des Internets und digitaler Techniken auf den Alltag wird von vielen Bürgern zwiespältig gesehen. 39 Prozent der Deutschen ab 16 Jahren sehen den Veränderungen „eher mit Befürchtungen entgegen“, heißt es in einer Umfrage im Auftrag des Bundesforschungsministeriums, die der Nachrichtenagentur AFP am Dienstag vorlag. Besonders skeptisch sind demnach die Älteren: Gerade einmal 16 Prozent der 45- bis 59-Jährigen blicken hoffnungsvoll in die digitale Zukunft, bei den Über-60-Jährigen sind es nur zehn Prozent.

Für die Erhebung, die das Forschungsministerium aus Anlass des am Mittwoch beginnenden Wissenschaftsjahrs „Digitale Gesellschaft“ in Auftrag gab, befragte das Allensbach-Institut 1515 Bürger verschiedener Alters- und Bevölkerungsschichten. Demnach bewertet nur jeder Fünfte der Befragten die Veränderungen durch Internet und Digitalisierung positiv, etwa beim Einkaufen oder dem Informationsaustausch über das Netz. Die Jüngeren allerdings, die den Umgang mit digitalen Techniken von klein auf gelernt hätten, sähen „weit stärker als die anderen Generationen die Chancen, die das Internet bietet“, heißt es in der Analyse des Allensbach-Instituts.

Überdurchschnittlich skeptisch zeigen sich demnach auch Frauen und Menschen mit einfachem Schulabschluss. Trotz der grundlegenden Skepsis erwarten allerdings 43 Prozent der Befragten für sich persönlich keine gravierenden Auswirkungen der Digitalisierung. 14 Prozent rechnen demnach mit negativen Folgen, immerhin 29 Prozent glauben auch an Vorteile.

Allerdings rechnen die Befragten auf Sicht von zehn Jahren eher mit negativen Folgen für die Gesellschaft: 90 Prozent erwarten der Umfrage zufolge, dass innerhalb der nächsten zehn Jahre die Nutzung persönlicher Daten durch Unternehmen für Werbezwecke weiter zunehmen wird. 84 Prozent glauben, dass Kinder noch mehr Zeit mit Computerspielen verbringen werden. 71 Prozent gehen davon aus, dass Geschäfte immer mehr durch Internethandel verdrängt werden.

Optimistisch sind immerhin zwei Drittel, was den Schutz vor Datenmissbrauch und Hacker-Angriffen angeht: Sie glauben, dass hier neue technische Möglichkeiten entwickelt werden.

In den vergangenen Monaten hatten die Enthüllungen in der Spähaffäre um den Geheimdienst NSA das Vertrauen der Bürger in die Internettechnologien erheblich erschüttert. Die Berichte über das angebliche massenhafte Abgreifen von Telekommunikations- und Internetdaten auch deutscher Bürger - auch das Handy von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) wurde zeitweise abgehört - sind bis heute nicht aufgeklärt. Angesichts der weitreichenden technischen Fähigkeiten der Geheimdienste ist unklar, wie ein verlässlicher Schutz gegen Ausspähungen aussehen könnte.

Das Bundesforschungsministerium hat das diesjährige Wissenschaftsjahr der „Digitalen Gesellschaft“ gewidmet. In zahlreichen Veranstaltungen sollen die Vorteile von Internet und Digitalisierung - etwa die Vernetzung von Haushalten oder die schnelle Informationsverbreitung - vorgestellt werden. Zugleich sollen Experten sich mit den Bürgern über Risiken austauschen, zum Beispiel beim Schutz der Persönlichkeitsrechte.

Agentur
afp 
AFP news agency (Agence France-Presse) / Nachrichtenagentur

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  • HI, nicht verarschen lassen von den Behörden sondern das ganze versuchen zu umgehen, ich bin zb. was die suche betrifft im internet auf startpage.com umgestiegen. lg marco

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