Telemedizin
Digitale Lebensretter auf der Intensivstation

Vielen Krankenhäusern fällt es schwer, das nötige Personal für die wachsende Patientenschar vorzuhalten. Besonders im kostspieligen Intensivbereich fehlen Fachmediziner. Nun soll digitale Vernetzung Abhilfe schaffen.
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BerlinEigentlich ging es Elke H. nach der Bypass-Operation schon wieder besser – bis die 54-Jährige eines Nachts in der Reha über Herzrhythmusstörungen klagt. Der diensthabende Arzt in dem Landkrankenhaus ruft einen Experten des Uniklinikums Aachen zu Hilfe: Per Live-Videokonferenz schaut sich der zugeschaltete Intensivmediziner die Patientin an, dank schneller Behandlung erholt sich die Frau rasch wieder. Nachdem sie aus der Reha entlassen ist, wird sie von ihrer Hausärztin und ihrem Kardiologen weiter betreut: Beide tauschen sich über eine elektronische Patientenakte über den Verlauf der Therapie aus.

Das fiktive Szenario, das das in Bochum angesiedelte Zentrum für Telematik und Telemedizin (ZTG) kürzlich auf einer Fachkonferenz in Nordrhein-Westfalen nachspielte, zeigt: Digitale Kommunikationstechniken sind im Krankenhausalltag präsenter denn je.

Das Klinikum Hamburg-Eppendorf etwa nimmt für sich in Anspruch, inzwischen den Status des „papierlosen Krankenhauses“ erreicht zu haben. Wo früher Fieberkurven, Röntgenbilder oder Laborbefunde in zahllosen Aktenordnern womöglich bei mehreren Ärzten lagen, sollen heute alle an der Behandlung Beteiligten auf eine digital vorliegende Fallakte zugreifen können.

Noch einen Schritt weiter geht das sogenannte telemedizinische Monitoring, in dem der Heilungsprozess von Patienten mit Hilfe von Visiten via Skype oder Smartphone-Anwendungen vom Arzt verfolgt werden soll. Die Möglichkeiten der Ferndiagnose ersparen vor allem älteren und gebrechlichen Patienten das Hin- und Herverlegen zwischen Wohnung, Reha und Krankenhaus.

Ein Bereich, in dem der Einsatz digitaler Kommunikation besonders vielversprechend erscheint, ist die Intensivmedizin: Die Betreuung der dort liegenden schwerkranken Patienten koste im Schnitt sechs Mal soviel wie in anderen Krankenhausbetten, haben Statistiker errechnet. „Bis zu ein Viertel der Gesamtkosten einer Klinik entstehen im Intensivbereich“, sagt Gernot Marx.

Der Direktor der Klinik für Operative Intensivmedizin und Intermediate Care der Uniklinik Aachen hat es sich zur Herzensangelegenheit gemacht, telemedizinische Anwendungen in dem stressreichen und komplexen Fachgebiet hoffähig zu machen. In einem über drei Jahre laufenden, mit Mitteln des Landes Nordrhein-Westfalen und der EU geförderten Projekt testet er gemeinsam mit zwei kleineren Krankenhäusern in Aachen und Jülich die digitale Visite auf der Intensivstation.

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Digitale Lebensretter auf der Intensivstation

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Externe Berater werden zugeschaltet

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Noch fehlt die Infrastruktur

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