Telemedizin Digitale Lebensretter auf der Intensivstation

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Externe Berater werden zugeschaltet
Die sogenannte Teleintensivmedizin verbessert auch die Qualität der Betreuung, wie Studien in den USA ergeben haben. Quelle: dpa

Die sogenannte Teleintensivmedizin verbessert auch die Qualität der Betreuung, wie Studien in den USA ergeben haben.

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„Wegen der alternden Bevölkerung werden wir schon in den nächsten zehn Jahren sehr viel mehr Intensivpatienten haben – und das bei gleichbleibender oder sogar sinkender Ärztezahl“, sagt Marx. Insbesondere Krankenhäuser mit wenigen Betten könnten sich auch angesichts des Sparzwangs im Gesundheitswesen keine großen Intensivstationen mehr leisten. Und so testen der Aachener Intensivmediziner und seine Kollegen in ihrem Projekt, wie durch Video- und Audiotechnik externe Berater bei Visiten, aber auch in Notfällen hinzugeschaltet werden können. Irgendwann einmal, so hofft Marx, werden vier oder fünf intensivmedizinische Zentren auf diese Weise bundesweit Kliniken unterstützen können.

„Wir nutzen hochspezialisierte Kameras, damit der externe Kollege, wenn nötig, sogar die Pupillenbewegung des Patienten genau anschauen kann“, erläutert Marx das Verfahren. Über gesicherte Datenleitungen kann der Mediziner auch die elektronische Fallakte zu Rate ziehen und sich aktuelle Befunde auf den Schirm holen. Die digitale Visite werde auch von Patienten und Angehörigen gut angenommen, sagt Marx: „Die empfinden das als zusätzliches Sicherheitsnetz und sind natürlich auch froh, wenn sie mit Hilfe der Ferndiagnose dann in der Nähe ihres Wohnorts betreut werden können.“

Enormes Einsparpotenzial

Die sogenannte Teleintensivmedizin verbessert auch die Qualität der Betreuung, wie mehrere umfangreiche Studien in den USA ergeben: Nach einer 2012 veröffentlichten Erhebung des Mercy Hospital in St. Louis konnte die Sterblichkeit bei Patienten mit telemedizinischer Betreuung um bis zu 50 Prozent gesenkt werden.

Experten der Medizin-Fakultät der Universität von Massachusetts untersuchten die Daten von mehr als 100.000 Intensivpatienten in 56 landesweiten Intensivstationen. Sie fanden heraus, dass lebensgefährliche Infektionen wie Blutvergiftung oder Lungenentzündung bei telemedizinischer Begleitung früher entdeckt wurden. Weil durch die extern zugeschalteten Experten die Hilfe schneller kam und oft die besseren Behandlungsmethoden gewählt wurden, konnten viele Patienten die Intensivstation früher verlassen, auch der gesamte Krankenhausaufenthalt verkürzte sich.

Die deutschen Telemediziner sehen angesichts solch ermutigender Resultate auch hierzulande ein enormes Einsparpotenzial: „Das geht schon in die vielfachen Millionen“, sagt Marx. Geld, das in den Aufbau einer telemedizinischen Infrastruktur im Intensivbereich fließe, werde sich „schnell amortisieren“.

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