Themenwoche Landwirtschaft
Bauer sucht Cloud

Von wegen Landliebe-Idylle: Immer mehr Bauern verwalten mit Cloud-Diensten ihren Hof. Sie sehen auf einen Blick, wo noch Dünger aufs Feld muss und wie viel Milch die Kühe geben. Wenn die Verbindung schnell genug ist.
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DüsseldorfAllein auf sein Gefühl will sich Andreas Steier nicht verlassen. Der 35-jährige ist Landwirt, der Hof der Familie liegt im Örtchen Großwaltersdorf im Erzgebirge. 280 Hektar beackert er gemeinsam mit seinem Vater: Weizen, Gerste, Ackerbohnen, Raps. Ob die Pflanzen gesund sind, sieht Steier mit dem bloßen Auge. „Aber ich kann den gesamten Bestand nicht vom Feldrand aus beurteilen.“

Deswegen setzt das Unternehmen der Familie Steier auf moderne Technologie. Traktoren, Düngerstreuer und Mähdrescher sind mit Sensoren ausgerüstet. Diese messen, wie die Pflanzen mit Nährstoffen versorgt sind; sie protokollieren, auf welchem Teil des Ackers sie wie viel Dünger auswerfen; und sie halten fest, wie hoch die Ernte ausfällt. Die Daten wandern anschließend ins Internet: In einem Online-Portal kann Steier nachsehen, welche Felder besonders ergiebig sind und wo er viel düngen musste. „Mein Auge wird durch die Technik unterstützt.“

Der Sachse ist ein Vorreiter: Neue Online-Portale sollen Landwirten helfen, Düngereinsatz und Erträge im Blick zu behalten – und so das Management des Betriebes erleichtern. „Cloud Computing ist unter deutschen Landwirten noch ein Nischenthema, aber es gibt gerade sehr viel Bewegung im Markt“, sagt Michael Clasen, Professor an der Hochschule Hannover. Die Devise lautet: Bauer sucht Cloud.

Die Landwirtschaft ist ein technisches Wettrüsten. Mähdrescher und Feldhäcksler werden immer intelligenter, um möglichst große Erträge in möglichst kurzer Zeit von möglichst wenig Ackerland zu holen. Das Cloud Computing setzt danach an. Es soll dabei helfen, die Feldarbeit zu koordinieren – möglichst in einem „durchgehenden Prozess“, wie Claas-Chef Theo Freye kürzlich im Interview mit Handelsblatt Online betonte.

Im besten Fall könnte es so laufen: Vom Dach des Schleppers aus messen Sensoren bei der Fahrt über das Feld, wie es um die Pflanzen links und rechts bestellt ist. Die Farbe der Pflanzen zeigt, wie viel Stickstoff sie enthalten. Darauf reagiert der angehängte Düngerstreuer, indem er die passende Menge Wachstumshelfer abwirft. Die Daten werden anschließend zum Online-Portal übertragen.

Der größte Vorteil: Die Plattform bietet einen detaillierten Überblick, wie es um den Weizen, Mais oder Raps bestellt ist. „Der moderne Landwirt düngt nicht pauschal, er wählt die optimale Strategie, um beim Aufwuchs zu helfen“, sagt Antje Krieger von der Firma Agricon, die so ein System entwickelt hat. Gleichzeitig unterstützte es im Papierkrieg: „Die Software ordnet die entstehenden Daten automatisch und bereitet sie für die weitere Nutzung durch den Landwirt auf. Das erleichtert automatisch auch die Arbeit für die Kontrollbehörden.“

Kommentare zu " Themenwoche Landwirtschaft: Bauer sucht Cloud"

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  • Außer dass das Wort "Cloud" arg strapaziert wird, ist nichts so richtig Neues in dem Artikel. Natürlich kann man mit den geeigneten Sensoren alles Mögliche messen und die Ergebnisse als den Input eines Regelkreises verwenden, der eben Dünger streut, Felder bewässert, Kühe mit dem richtigen Futter versorgt. Diese Regelkreise funktionieren aber völlig ohne Internet und Cloud. Was man gemacht hat, kann man dann auch speichern, kann es benutzen um Dünger und Futter zu bestellen usw. Dazu braucht man aber kein besonders schnelles Internet. Man stellt den Traktor in die Scheune die einen WLAN Anschluß hat und kann von da aus alles auf seinen Server schaffen oder ins Internet oder in die Cloud, wenn es eben sein muss. Hat es der Landwirt im Internet / in der Cloud kann er nun wundervollerweise am Urlaubsort seine Eierstatistiken sehen oder sich am Wachstum der Zuckerrübe freuen. Kann er aber auch, wenn er einfach Zugriff auf seinen Server neben dem Hühnerstall hat. Vorteilhaft mag sein, dass ein gewisser Programmieraufwand bei zentralen Lösungen entfällt. Nur ohne Anpassungen an den konkreten Betrieb wird es wohl kaum gehen ...
    Wie so oft im HB bei technischen Dingen -- viel Lärm um eher triviale Dinge.

  • Das immer mehr Landwirte mit Elementen von (neudeutsch) precision farming arbeiten, ist seit Jahren bekannt. Nur leider hat es das Handelsblatt wohl erst jetzt bemerkt...

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