Unternehmenskultur im Wandel

Digitalisierung bedroht fast jedes zweite Unternehmen

Die Digitalisierung verändert alle Wirtschaftsbereiche schneller als je zuvor. Sie hat das Potenzial selbst etablierte Unternehmen komplett zu verdrängen. Das legt eine neue Studie von Cisco nahe.
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Die Industrie 4.0 ist durchaus eine Bedrohung für Traditionskonzerne. Doch gerade Deutschland könnte von der Entwicklung profitieren. Quelle: dpa
Unternehmen und Digitalisierung

Die Industrie 4.0 ist durchaus eine Bedrohung für Traditionskonzerne. Doch gerade Deutschland könnte von der Entwicklung profitieren.

(Foto: dpa)

Lausanne/BerlinDie Digitalisierung könnte laut einer aktuellen Studie das Geschäft von fast der Hälfte der heute etablierten Unternehmen in führenden Industrienationen und Schwellenländern innerhalb von fünf Jahren völlig umkrempeln und einzelne Firmen verdrängen. „Neue, schnelle Marktteilnehmer und innovative Traditionsfirmen erzeugen enormen Druck auf alle anderen Unternehmen“, sagte Michael Ganser, Zentraleuropa-Chef des Netzwerkspezialisten Cisco. Die meisten Führungskräfte sähen zwar die positiven Möglichkeiten durch die digitale Transformation. „Doch nur eine Minderheit hat auch einen konkreten Plan“, sagte Ganser der dpa am Mittwoch.

Die Ergebnisse stammen aus einer Studie zum „digitalen Wirbelsturm“, die Cisco gemeinsam mit der Wirtschaftshochschule International Institute of Management Development (IMD) in Lausanne in 13 Ländern durchgeführt hat. Dabei wurden rund 1000 Entscheider aus insgesamt 12 Branchen danach befragt, wie die digitale Transformation ihre Branche verändern wird und wie sie sich dafür aufgestellt sehen.

Demnach halten 72 Prozent der befragten Unternehmen die fortschreitende Digitalisierung und die Eröffnung neuer Geschäftsfelder generell für etwas Gutes. 66 Prozent gehen davon aus, dass sie auch für jeden Teilnehmer Vorteile haben werde. Bei 44 Prozent der befragten Unternehmen gebe es aber noch immer keine strategische Diskussion um die veränderten Prozesse, sagte Ganser. Bis zu 40 Prozent der Unternehmen würden durch die „digitale Disruption schwer verwundet, vermutlich sogar tödlich.“

Von dem „digitalen Wirbelsturm“ werde voraussichtlich vor allem die Technologie-Branche selbst am meisten erfasst, sagte Ganser. „Wir sind mittendrin in der fünften Generation. Die Wettbewerber der ersten drei werden in fünf Jahren nicht mehr vorhanden sein.“

Auch im Medien- und Entertainment-Segment habe es bereits fundamentale Veränderungen und digitale Disruptionen gegeben. Viele Zeitschriften und Magazine gebe es heute schon nicht mehr. In der Telekom-Branche habe beispielsweise WhatsApp gezeigt, wie schnell auch branchenfremde Player eine etablierte Industrie bewegen könnten.

Auch bei dem Fahrdienstvermittler Uber oder der Zimmer-Vermittlungsplattform AirBnB seien die Herausforderer von außerhalb der Branche gekommen. Am deutlichsten erwarte der Einzelhandel künftige Herausforderungen von Start-ups außerhalb der Branche, sagte Ganser. In der Finanz-Branche gehe man dagegen davon aus, dass die „Gewinner der Zukunft“ eher aus den eigenen Reihen kommen werden.

Digitalisierung ist Chefsache
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Industrie 4.0: Unter diesem Schlagwort werden Digitalisierung und Datenaustausch das Produkt- und Serviceangebot der Firmen revolutionieren und letztlich Kundenbedürfnisse besser erfüllen. Um die Potenziale auszuschöpfen, sind erhebliche Investitionen erforderlich. Daher nimmt das Thema zwingend einen Spitzenplatz auf der Agenda der Chefs deutscher Industrieunternehmen ein. Auch bei Messen wie im Bild der in Hannover rückt das Thema klar in den Fokus.

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Milliarden-Investitionen: Die befragten Industrieunternehmen werden in den nächsten fünf Jahren etwa die Hälfte ihrer geplanten Ausrüstungsinvestitionen in Industrie-4.0-Lösungen lenken. Bezogen auf die deutsche Industrielandschaft wären das mehr als 40 Milliarden Euro pro Jahr.

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An der richtigen Stelle investieren: Die Industrie muss mit immer weniger Rohstoffen und Energie immer größere Mengen Güter produzieren. Die Unternehmen versprechen sich durch eine Digitalisierung der Wertschöpfungsketten jährliche Effizienzsteigerungen von 3,3 Prozent, das macht 18 Prozent in den nächsten fünf Jahren. Die Kosten sollen um 2,6 Prozent pro Jahr sinken.

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Die Vorreiter der Industrie 4.0 profitieren bereits: Bislang haben rund 30 Prozent der Unternehmen ihre Produkte bereits weitgehend digitalisiert und ihr Angebot hin zu vernetzten und digitalisierten Dienstleistungen ausgebaut. Diese Unternehmen sind in den vergangenen drei Jahren überdurchschnittlich gewachsen. Das zusätzliche Umsatzpotenzial in den fünf industriellen Kernbranchen beziffert die Studie auf 30 Milliarden Euro.

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Neudenken: Industrie 4.0 wird bestehende Geschäftsmodelle nachhaltig verändern und neue digitale Geschäftsmodell hervorbringen. Die Unternehmen vernetzen sich mit Kunden und Partnern. Die besondere Qualität des digitalen Wandels liegt dabei in der rasanten Beschleunigung der Veränderungsgeschwindigkeit. Disruptive Innovationen - das sind Erfindungen, die ihre Vorgängertechniken vollständig verdrängen - führen dazu, dass sich ganze Industrien in kurzer Zeit nachhaltig verändern.

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Die richtige Kennzeichnung: In fünf Jahren wird die Fähigkeit zur effizienten Analyse und Nutzung von Daten entscheidend für die Geschäftsmodelle der Unternehmen sein. Dabei liegt der Fokus auf dem Datenaustausch in der eigenen Wertschöpfungskette, der digitalen Kennzeichnung der Produkte und der Nutzung von Echtzeitdaten zur Steuerung der Produktion.

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Auf die Mitarbeiter kommt es an: Um Champions in der Industrie 4.0 zu werden, müssen die Unternehmen zahlreiche Herausforderungen meistern. Im Zentrum stehen dabei die hohen Investitionen und eine häufig noch unklare Wirtschaftlichkeitsrechnung für neue Anwendungen. Zudem müssen die Mitarbeiter für die Anforderungen der digitalen Welt qualifiziert und Aufgaben im Bereich der Datensicherheit gelöst werden.

Deutschland könne allerdings einer der größten Gewinner bei der digitalen Transformation sein, sagte Ganser. Mit dem Thema „Industrie 4.0“ sei die Wirtschaft in Deutschland sehr gut aufgestellt. Die Unternehmen müssten sich aber auf ihre Kernstärken besinnen und in Ausbildung, Innovationen und neue Partnerschaften investieren. Konkrete Ergebnisse aus der Studie sind bislang jedoch noch nicht auf die einzelnen Länder heruntergebrochen worden.

  • dpa
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