Verkehrsgerichtstag in Goslar: Heikle Datenströme im Auto

 

Verkehrsgerichtstag in Goslar
Heikle Datenströme im Auto

In modernen Autos sind bis zu 80 Geräte, die Daten erheben. Damit arbeiten Werkstätten. Versicherer und Finanzierer sind daran interessiert. Aber w em gehören die Informationen? Die Unsicherheit ist groß.
  • 6

Für viele Menschen ist das Verhältnis zu ihrem Auto hoch emotional. Häufig betrachten sie es als einen geschützten Raum, in dem sie sich von der Welt zurückziehen können. Es ist ein Lebensraum – eine Art Intimsphäre. Das Auto bietet auch Platz für Träume.

Im echten Leben ist das Fahrzeug meist aber ein Investitionsobjekt der Leasingbanken. Für die Versicherung ist der Fahrer ein ständiger Risikofaktor. Werkstätten können nur dann ihre Umsatzvorgaben erfüllen, wenn der Kunde in den vorgegebenen Intervallen vorspricht. Und die Intention eines Flottenmanagers ist es, den gesamten Fuhrpark möglichst ohne Verschleiß und Schäden über die Zeit zu retten. Deshalb nehmen sie jetzt alle gemeinsam die Idealisten an die elektronische Leine. Big Brother is watching you?

Über eine Onboard-Unit verlässt künftig ein stetiger Datenstrom die Fahrzeuge. Der kleine digitale Helfer sammelt – banal ausgedrückt – stetig Informationen aus Steuergeräten und Sensoren, aus Internetanwendungen und Apps. Sein Gegenstück ist – mindestens – ein Rechenzentrum, das gleichzeitig zehntausende Datenströme entgegennimmt, bündelt und auswertet.

Die Onboard-Unit meldet womöglich Position, Temperatur, Tempo, Verbrauch et cetera und lässt mit dieser Fülle an Informationen auch Rückschlüsse zu, ob der Fahrer vernünftig fährt oder sich in riskanten Gebieten aufhält. In den Rechenzentren arbeiten die Big-Data-Anwendungen an der Auswertung dieser Daten.

Man muss kein Prophet sein: Die vernünftige Fahrweise werden die Provider über kleine Boni und Rabatte bei den Versicherung oder Leasingprämien belohnen. Riskante Fahrstile oder Aufenthaltsorte dagegen mit zusätzlichen Kosten abstrafen.

Experten sehen die Vernetzung der Fahrzeuge als die wichtigste Innovation der Automobilindustrie. Doch es gibt angebrachte Zweifel, ob die Hersteller auf die Digitalisierung und die damit verbundenen Datenströme und Rechtsfragen bereits gut vorbereitet sind. Stellungnahmen aus der Automobilindustrie sind dazu kaum zu erhalten. Zu heikel ist das Thema derzeit offensichtlich noch.

Das so genannte „Internet of Things“ sei mittlerweile Realität, heißt es verklausuliert bei einem deutschen Premiumhersteller, und weiter: „Die Welt ist vernetzt, unsere Geräte sind ‚always on‘. Der Austausch von Daten rund um die Uhr ist Normalität geworden. Früher trugen wir Bilder unserer Familie im Geldbeutel, heute haben wir ganze Fotoalben in der Cloud.“ Also alles in bester Ordnung?

Kommentare zu " Verkehrsgerichtstag in Goslar: Heikle Datenströme im Auto"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Die totale Sicherheit ist gleichbedeutend mit der Abschaffung von Freiheit, Privatheit und Anonymität.

    Der Königssohn will unerkannt durch die Straßen gehen und kleidet sich deshalb unauffällig, schrieb ein bekannter Kulturkritiker vor hundert Jahren.

    Ich finde weder das Risiko noch das Verbrechen schön oder
    erstrebenswert. Aber wir brauchen das Risiko und das Verbrechen, genauer gesagt die Möglichkeit zum Verbrechen, damit wir in Freiheit leben können!

    Alle totalitären Staaten, alle Diktaturen, haben unter dem Vorwand der Sicherheit für "Ruhe und Ordnung" gesorgt und ihre Bürger überwacht. In der DDR hieß der diesbezügliche Laden "Staatssicherheit".

    Wir Bürger sollten grundsätzlich alarmiert sein, wenn uns der Staat mehr "Sicherheit" verspricht. Die unbegrenzte Vermehrung von Sicherheit muss in den totalitären Überwachungsstaat münden. Wenn jeder Bürger eine elektronische Fußfessel trüge, bzw. Smartphone und Simkarte im Auto zur gesetzlichen Pflicht werden, wächst zweifellos die Sicherheit jedes Einzelnen. (etwa: Jeder Bankräuber, jeder Vergewaltiger könnte leicht überführt werden.)

    Nur leider hört er mit diesem Augenblick auch der Bürger auf ein Bürger zu sein. Das gilt auch für diejenigen, die stets so dümmlich behaupten, sie hätten nichts zu verbergen und würden immer alles richtig machen (Ob das wirklich möglich ist, werden diese Leute erst fragen, wenn die Krankenversicherung die bargeldlosen Lebensmitteleinkäufe überwacht und die Daten in die individuell Risikoprämie einarbeitet).

    Als weiterführenden Lesetipp empfehle ich die neueren Essays von Sascha Lobo bei FazNet oder SPON zum Lebensgefühl einer permanenten Flughafensituation.

    Auf dem Flughafen macht heute auch niemand mehr Witze über die versteckte Bombe in seinem Koffer und alle versuchen sich möglichst normal zu verhalten. So viel zu Zwanglosigkeit der Normalen, die angeblich nichts zu verbergen haben.

  • In der lIste fehlen die Polizei und die Kommunen!
    Dann kann der Strafzettel für zu schnelles fahren, falsch parken etc. gleich vom Konto angebucht werden.
    Wenn man dann zu viele Punkte hat, kann man gleich Online den Kurs für den Punkteabbau oder den MPU buchen.
    Ausserdem kann man dann gleich auswerten, wer lnage vor einem Restaurant oder Kneipe parkt --> dann wartet die Alkohokontrolle schon zu Hause, wenn man dann daheim ankommt.

  • 'hilfe ist unterwegs' - das denke ich, wenn ich nächstes jahr an einem im graben auf dem dach liegendem auto vorbeifahre...

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%