Vernetzte Autos
Apps am Armaturenbrett

Der hessische Zulieferer Peiker verbindet das Smartphone mit dem Auto. Vernetzung wird zum großen Trend in der Branche. Die Autohersteller sehen das mit gemischten Gefühlen.
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FrankfurtEs ist gut acht Jahre her, da wurde Paul Jacobs, der Aufsichtsratschef von Qualcomm, belächelt. Vor Vertretern der Autoindustrie präsentierte er ein Schaubild, das nicht nur die Veränderung der Mobilfunktelefonie vom Handy zum Smartphone zeigte. Es verdeutlichte im nächsten Schritt auch, dass künftig nur noch Anschluss, Bildschirm und Boxen statt ausgefeilter Hardware nötig sein würden, um die Informationen aus dem Smartphone auch im Auto nutzen zu können.

Andreas Peiker erinnert sich gerne an die damalige Gesprächsrunde. Der Gründer und Vorstandschef der Peiker Acustic GmbH & Co. KG im hessischen Friedrichsdorf ist nicht nur seit Jahren mit Jacobs gut befreundet, er ist mit seinem Unternehmen heute auch einer der Vorreiter der einst belächelten Idee, vieles im Auto per Smartphone zu steuern.

Der unmittelbar nach dem Zweiten Weltkrieg gegründete Familienbetrieb spezialisierte sich auf sehr hochwertige Mikrofone, die zum Beispiel auch in der Medizin gebraucht wurden. Als der amerikanische Ballonfahrer David G. Simons im Jahr 1957 auf die damals unvorstellbare Höhe von 30.000 Metern und damit an die Grenze zum Weltall hochstieg, hatte er ein Mikrofon aus dem Taunus im Helm. Und das Bedienhandmikrofon TM70 von Peiker ermöglichte Tonbandaufnahmen bei den ersten großen Himalaja-Expeditionen Anfang der 1960er-Jahre.

Seit dem Ausbau des Mobilfunks in den 1990er-Jahren entwickelte sich das Unternehmen rasend schnell. Auch als es 2005 erstmals möglich war, einen iPod von Apple vollständig in einen Mercedes zu integrieren, stammte das iPod-Anschluss-Set von Peiker.

Heute beliefert das Unternehmen mit seinen rund 900 Mitarbeitern nahezu alle großen Fahrzeughersteller. Vor allem die Premiumanbieter wollen ihren Kunden stets die neuesten und besten technischen Errungenschaften anbieten. Der Umsatz lag im vergangenen Jahr bei 173 Millionen Euro, in diesem Jahr sollen es mehr als 200 Millionen Euro werden. Unter dem Strich stehe nach den schweren Zeiten der Finanzkrise wieder eine schwarze Zahl, sagt der Firmenchef - wie hoch sie ist, sagt er nicht.

Heute geht es bei Peiker vor allem um die mobile Kommunikation im Auto mit immer mehr Anwendungsmöglichkeiten aus unterschiedlichsten Bereichen, Connectivity genannt. Das Schaubild von vor acht Jahren ist heute Realität. Die Verknüpfung mit Apps, Anwendungsprogrammen, auf dem Smartphone ist noch längst nicht ausgereizt.

Für die Autohersteller ist das keine gute Nachricht. Sie waren es in den vergangenen zwei Jahrzehnten gewohnt, als Zubehör vieles im Sortiment zu haben, was dem Kunden Information, Komfort und Service bietet, und verdienten gut daran. Künftig wird die Hardware im Auto selbst eher immer schlichter, das Smartphone wird zur Schaltzentrale.

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