Vernetzung der Gesundheitsbranche
„Die Gesundheit ist das nächste große Ding“

Der Gesundheitsmarkt ist riesig. Allein in Deutschland liegen die Ausgaben jährlich bei über 300 Milliarden Euro. Tendenz steigend. Die Telekom will deshalb künftig verstärkt auf IT-Lösungen im Gesundheitssektor setzen.
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DüsseldorfDas Pflänzchen ist noch klein, verspricht aber großes Wachstum: Gerade 100 Millionen Euro setzt die Deutsche Telekom mit IT-Diensten im Gesundheitswesen um – das ist nicht viel bei einem Konzern, der Geschäfte in der Größenordnung von 60 Milliarden Euro macht.

Doch der Gesundheitsmarkt ist riesig. Allein in Deutschland liegen die Ausgaben jährlich bei über 300 Milliarden Euro. Tendenz steigend. Denn medizinischer Fortschritt und eine alternde Gesellschaft gehen auch künftig ins Geld. Für den Konzern Grund genug, seine Anstrengungen in dem Bereich zu erhöhen. „Die Gesundheit ist das nächste große Ding der Digitalisierung“, sagt der für die Health-Sparte zuständige Telekom-Manager Axel Wehmeier.

Vor wenigen Wochen erst hat sich die Sparte organisatorisch von T-Systems gelöst und sich in eine GmbH umgewandelt. Wehmeier verspricht sich davon eine größere Flexibilität und Kundennähe, wenn sich die gut 700 Mitarbeiter allein auf IT-Lösungen im Gesundheitssektor konzentrieren.

Das Modell entspricht der strategischen Neuausrichtung von T-Systems. Deren Chef Reinhard Clemens setzt verstärkt auf lukrative digitale Geschäftsmodelle rund um Cloud, Sicherheit, vernetztes Auto/Heim und E-Health. „Ob Kassen, Patienten, Ärzte oder Kliniken – alle müssen irgendwann in der digitalen Welt ankommen“, sagt Wehmeier.

In der Vernetzung des Gesundheitswesens liegt ein enormes Einsparpotenzial, das nach Ansicht von Experten genutzt werden muss, um finanzierbar zu bleiben. So rechnet Wehmeier mit verringerten Kosten von bis zu 20 Prozent.

Noch sind die meisten der bestehenden IT-Lösungen in Kliniken oder Praxen in sich geschlossene Systeme. Ein Austausch von Patientendaten ist nur in wenigen Fällen möglich – von rechtlichen Hürden wie dem Datenschutz ganz abgesehen. So werden Röntgenbilder dem Patienten gern noch als Film oder DVD mitgegeben, damit er sie dem Arzt in die Hand drücken kann. Das ist aufwendig und kostet Geld.

Hier will die Telekom ansetzen und auf Plattformen sogenannte Steckerleisten anbieten, in die sich alle IT-Anbieter einstöpseln können. Denn ähnlich wie das Gesundheitswesen komplex und zersplittert ist, zeigt sich deren IT: Auf dem Markt tummeln sich viele Firmen, die nur Nischen besetzen.

„Fast alle IT-Produkte stammen von mittelständischen Firmen“, sagt Bernhard Calmer, Vorstandsvorsitzender des Bundesverbands Gesundheits-IT. „Doch viele haben die Tendenz, sich abzuschotten, um ihre Marktanteile zu halten.“ Das aufzubrechen scheitert oft am Widerstand von Ärztekammern, Kliniken, Krankenkassen. „Der Markt ist einfach überreguliert“, klagt Calmer.

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