Viagra, Herceptin & Co.
Digitaler Schutz vor falschen Pillen

Nicht nur Potenzpillen wie Viagra werden gefälscht. Auch Krebs- und teure Rheumamittel tauchen im Handel auf, denn die Gewinnspannen für Fälscher sind sehr hoch. Die vernetzte Produktion soll Plagiate unmöglich machen.
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FrankfurtViereinhalb Jahre hatten die beiden Hamburger Brüder gefälschte Packungen des weitverbreiteten Magenmittels Omeprazol in den Markt gebracht, bevor der Betrug aufflog: 600.000 Schachteln für 15 Millionen Euro gelangten so von 2008 bis 2013 über die Apotheken zum Patienten. Wer bei gefälschten Arzneimitteln an Potenzmittel à la Viagra denkt, die illegal über Internetportale verkauft werden, liegt zwar richtig, hat aber nur einen Teil des Problems erfasst. Denn immer wieder gelingt es Betrügern, gefälschte Arzneimittel in legale Lieferketten zu bringen.

Vergangenen Monat etwa stellten Behörden in Italien gefälschtes Viagra in einer dem Original täuschend ähnlichen Packung sicher. Gefälschte Varianten des High-Tech-Krebsmedikaments Herceptin des Schweizer Roche-Konzerns tauchten vergangenes Jahr in Deutschland, Finnland und Großbritannien auf. Ebenso Fälschungen anderer teurer biopharmazeutischer Medikamente wie des Rheumamittels Remicade. Die Europäische Gesundheitsbehörde vermutete, dass die Medikamente in Italien gestohlen und dann manipuliert wurden. Es sind die hohen Gewinnspannen, die die Fälscher bei den Biotech-Produkten locken, die pro Packung zwischen mehreren Hundert bis ein paar Tausend Euro kosten.

Um solchen Arzneimittelfälschungen in der legalen Lieferkette vorzubeugen, hat die EU-Kommission beschlossen, dass spätestens ab Anfang 2019 jede legal abgegebene Medikamentenpackung zweifelsfrei identifizierbar und bis zum Hersteller rückverfolgbar sein muss. Europa ist nicht die einzige Region, die den Weg verschreibungspflichtiger Medikamente lückenlos überwachen will. Die USA wollen eine entsprechende Kennzeichnung mit einem zweidimensionalen Data Matrix Code (ähnlich wie ein QR-Code) schrittweise bis 2023 einführen.

Vor allem den Verpackungsmaschinenherstellern winkt dabei ein großes und interessantes Geschäft. Ihnen kommt die Aufgabe zu, die Fertigungsstraßen bei den Pharmaherstellern so umzurüsten, dass die Kennzeichnung auf den Schachteln einwandfrei von Scannern gelesen werden kann. Rund 8.000 dieser Produktionslinien hat allein Marktführer Bosch weltweit errichtet. „Die Pharmaunternehmen sind hier auf die Gerätehersteller angewiesen“, sagt Reinhard Hoferichter, Sprecher des Lenkungsausschusses von Securpharm. Die Initiative aus Arzneimittelherstellern, Pharmagroßhändlern und Apothekern wurde 2011 gegründet, um den deutschen Arzneimittelvertrieb vor dem Eindringen gefälschter Arzneimittel zu schützen. Hoferichter schätzt, dass auf die Pharmaindustrie für die Umrüstung Kosten in Höhe von 100.000 Euro pro Fertigungsstraße zukommen.

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