Wearables
Die körpernahe Revolution

Das Silicon Valley hat einen neuen Hype: kleine Computer am Körper. Intelligente Brillen oder Uhren sind nur der Anfang. Die Technik ist einfach und günstig geworden - und die Fantasie der Entwickler grenzenlos.
  • 0

San FranciscoDie Frage, ob Wearables, also tragbare Technologien, das „nächste große Ding“ sein könnten, überrascht Daniel Gonzales sichtlich. Für wenige Sekunden weiß der junge Mann mit der bereits leicht angegrauten Jimi-Hendrix-Frisur nicht, was er sagen soll, bis er amüsiert und mit leichtem Kopfschütteln erklärt: „Das sind sie doch längst.“

Gonzales ist Topmanager beim kalifornischen Gründerzentrum NestGSV und hat gerade den Gewinner des „Wearable Hackathons“ gekürt. Bei dem Wettbewerb haben die Teilnehmer 24 Stunden Zeit, einem bestehenden Gerät neue Funktionen beizubringen. Die Sieger haben aus einer Smartwatch, also einer intelligenten Armbanduhr, einen „Driving Tracker“ entwickelt: Die Uhr funkt Weg und Fahrstil eines Autofahrers an eine App, mit der etwa Eltern überprüfen können, ob ihr Kind sicher am Ziel angekommen ist.

An diesem Tag haben noch zwölf andere Gruppen ihre Ideen beim NestGSV vorgestellt. Sie reichen von intelligenten Brillen für Diabetiker, die den Zuckergehalt der Lebensmittel während des Essens messen, bis hin zu Sensoren in Schuhen, die die Gehgeschwindigkeit mit dem Musikspieler verbinden.

Die meisten dieser Erfindungen werden es wahrscheinlich nie bis zur Marktreife bringen. Doch darum geht es weder den Teilnehmern noch den Organisatoren. Sie wollen zeigen, warum das Thema Wearables im Silicon Valley derzeit omnipräsent ist: Die Technik ist leicht geworden, günstig, einfach zu programmieren – und die Anwendungsmöglichkeiten sind schier endlos.

Über Google Glass, die intelligente Brille des US-Konzerns, die in Deutschland meist sofort mit Wearables in Verbindung gebracht wird, schütteln viele Entwickler hier den Kopf. Ein prominenter Name, viel zu invasiv. Sie haben sich längst anderen Optionen zugewandt.

Das Marktforschungsunternehmen Gartner prognostiziert, dass bis 2017 268 Milliarden mobile Apps heruntergeladen wurden und über 77 Milliarden Dollar Umsatz schaffen. Die Hälfte der Interaktionen mit den Apps wird dabei über Wearables passieren.

Laut einer Studie des US-Marktforschers Transparency wird der Umsatz mit den tragbaren Geräten von 750 Millionen Dollar im Jahr 2012 auf etwa 5,8 Milliarden im Jahr 2018 steigen. Analysten von Juniper Research gehen sogar von 19 Milliarden Dollar im selben Jahr aus.

Kommentare zu " Wearables: Die körpernahe Revolution"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%