Zukunft der Arbeit
Die Digitalisierung braucht eine soziale Agenda

Die Digitalisierung wird die Arbeitswelt umwälzen. Das birgt Chancen aber auch Gefahren, wie steigende Arbeitslosigkeit durch den vermehrten Einsatz von Maschinen. Eine soziale Agenda ist unerlässlich. Ein Gastbeitrag.
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BerlinNach dem Zusammenbruch der Sowjetunion dachte man, dass der Kapitalismus nun gesiegt habe. Und weil man das dachte, sah man sich bestätigt in dem neuen neoliberalen Pfad, den man seit Anfang der 1980er Jahre verfolgte. So schickte man sich an, den Markt von staatlicher Ordnung mehr und mehr zu befreien. Man verließ den Mittelweg zwischen reinem Kapitalismus und Sozialismus: Die soziale Marktwirtschaft und den Keynesianismus. Die Politik deregulierte und baute den Staat zurück.

Die neoliberale Bewegung führte aber genauso wie schon der Manchesterkapitalismus des 19. Jahrhunderts zu mehr Monopolisierung und Oligopolisierung und damit auch teilweise zur Aushebelung des Wettbewerbs. Neue Rockefellers entstanden. Die weltweite Konzentration von Vermögen in den Händen einiger Weniger nahm rasant zu.

Kein Land zeigt das so eindrücklich wie das Kernland des freien Kapitalismus – die USA. Das mittlere Haushaltseinkommen lag dort 2013 bei knapp 52.000 Dollar und damit wieder auf dem Niveau von 1995. Für viele hat sich der amerikanische Traum ausgeträumt. Auch weltweit zeigt sich diese Konzentration von Vermögen. Nach einer Studie der Hilfsorganisation Oxfam besitzen nicht nur die 80 reichsten Menschen genauso so viel wie die ärmeren 50 Prozent der Weltbevölkerung (ca. 3,5 Milliarden Menschen), sondern auch der Anteil des reichsten Prozent der Weltbevölkerung am weltweiten Wohlstand wächst kontinuierlich. Schon 2016 soll das reichste Prozent der Weltbevölkerung mehr als 50 Prozent des weltweiten Wohlstandes besitzen – Tendenz stark steigend. Dass die Schere zwischen Arm und Reich immer größer wird und auch die Privilegierung auf dem Arbeitsmarkt aufgrund von Herkunft wächst, bestreitet kaum noch jemand.

Und die weltweite Debatte um Thomas Pikettys Buch „Das Kapital im 21. Jahrhundert“ zeigt, wie diese Vermögenskonzentration und Privilegierung mittlerweile harsche Kritik verursachen.

Doch da der Sozialismus als Systemalternative gescheitert scheint, bleibt nur die Veränderung des kapitalistischen Systems. Aber wie kann der Kapitalismus sozialer werden?

Eine große Veränderung steht uns bevor: die Digitalisierung. Die neue digitale Produktion greift die Weisheit des ökonomischen Vorteils der Massenfertigung und der Unternehmensgröße an. Selbst Losgröße 1, also das Unikat, könnte durch neue Produktionsverfahren und neue Technologien wie 3-D-Drucker rentabel werden. Das birgt Chancen für viele digitale Gründer, die bereits mit kleinen Unternehmen und Produktionen schon erfolgreich am Markt sein können. Das könnte auch den Wohlstand wieder anders verteilen. Es besteht jedoch die Gefahr, dass neue Unternehmen hauptsächlich von Menschen gegründet werden, die bereits einen größeren Kapitalstock mitbringen, und überdies das Vermögen einzelner Personen, die Kredite und Anschubfinanzierungen für diese Gründungen bereitstellen, weiter stark wächst.

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