Zum Zukunft der Energie Special von Handelsblatt Online

Analyse zum Klimagipfel
Der Paris-Deal – ausgewogen statt ambitioniert?

Die Welt hat wohl ein neues Klimaabkommen. Haben sich die Staaten in Paris auf den kleinsten gemeinsamen Nenner geeinigt, oder kam mehr heraus bei den knapp zweiwöchigen Verhandlungen? Eine Analyse.

ParisAm Ende geriet der Zeitplan nochmals ins Wanken. Statt wie ursprünglich geplant um neun Uhr, legte der französische Außenminister und Verhandlungsführer der Klimakonferenz, Laurent Fabius, erst mehr als zweieinhalb Stunden später den endgültigen Vertragsentwurf für ein neues globales Klimaabkommen vor. Vor allem die Frage nach Finanzhilfen für Entwicklungsländer – und wer diese trägt - hatte die Verhandlungen in den vergangenen Tagen ins Stocken gebracht.

Kurz vor halb zwölf am Samstag stieg die Spannung, die Delegationen strömten in den Plenarsaal. Der Text enthalte wichtige Fortschritte, die viele vorher für unmöglich gehalten hätten, so Fabius, zu seiner Rechten Frankreichs Präsident François Hollande, zu seiner Linken Uno-Generalsekretär Ban Ki Moon. So solle die Erderwärmung auf deutlich unter zwei Grad begrenzt werden, die Staaten sollten sogar versuchen, 1,5 Grad zu erreichen. Über dieses Ziel, unterstützt von der deutschen Regierung, war erstmals ernsthaft bei einem Klimagipfel diskutiert worden. Außerdem enthält der Text Fabius zufolge einen Mechanismus zur Überprüfung und Steigerung der selbstgesetzten nationalen Klimaziele alle fünf Jahre.

Anders als das 1997 verabschiedete und 2005 in Kraft getretene Kyoto-Protokoll wird das neue Abkommen aber wohl keine bindenden Ziele zur CO2-Reduktion für einzelne Staaten festschreiben. Man setzt auf freiwillige Maßnahmen. Dem Kyoto-Protokoll waren allerdings entscheidende Klimasünder wie die USA nie beigetreten. Der Uno-Generalsekretär forderte die Staaten auf, dem Dokument zuzustimmen: „Die ganze Welt schaut auf Sie.“

Der Text, so Fabius, sei ausgewogen - und in diesem Sinne das Beste, was verhandelt werden konnte. „Jeder kann mit erhobenem Kopf hinausgehen und zu Hause eine gute Botschaft verkünden.“ Der Vertrag muss aber von den Delegierten der UN-Konferenz noch gebilligt werden. Die dafür vorgesehene Schlussberatung sollte nach mehreren Verzögerungen am Samstagabend beginnen. Vorgesehen sind eine Begrenzung der Erderwärmung auf 1,5 bis zwei Grad sowie finanzielle und technische Hilfen für Entwicklungsländer.

Das genau scheint das Problem zu sein: niemand sollte eine zu fette Kröte schlucken. Ob sich damit das Weltklima retten lässt, darf freilich bezweifelt werden. Wenn schon angestrebt wird, die Erderwärmung möglichst auf 1,5 Grad gegenüber vorindustrieller Zeit zu begrenzen, was Wissenschaftler für überaus ambitioniert halten, dann muss auch der notwendige Weg dahin konkret und verbindlich festgelegt werden.

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Massive Spannungen bis zuletzt

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