Zum Zukunft der Energie Special von Handelsblatt Online

Australien
Klimasünder ohne Reue

Die Politik in Australien steht im Bann des Klimakillers Kohle. Das Land hält einen traurigen Rekord: bei den Klimagas-Emissionen pro Kopf steht es an der Spitze. Daran ändert auch der neue Premierminister wenig.

CanberraAustralien hält einen bedenklichen Rekord, steht es bei den Klimagas-Emissionen pro Kopf doch regelmäßig an der Spitze der Industrienationen. Das Land erwirtschafte seinen Wohlstand mit dem „Export von Klimawandel“, sagen Kritiker. Denn emissionsreiche Kohle ist nach Eisenerz der zweitwichtigste Exportrohstoff. Mit Ausnahme der Grünen stehen Politiker jeder Couleur im Bann der Kohle - und des schnellen Geldes, das sie seit Jahrzehnten bringt.

Kohle als Klimakiller? Das stritt der jüngst von Malcolm Turnbull aus dem Amt geputschte Premier Tony Abbott einst ab. Der Rohstoff sei vielmehr „gut für die Menschheit“. Doch Ökonomen warnen inzwischen, dass der Fokus auf der Kohleförderung aus volkswirtschaftlicher Sicht in eine Sackgasse führen könnte. So glauben Analysten, dass der jüngste Verfall von Preis und Nachfrage nicht zuletzt ein Symptom für eine fundamentale Bewusstseinsveränderung in wichtigen Märkten ist, allen voran im smoggeplagten China.

90 Prozent der australischen Kohlereserven, die noch für 500 Jahre reichen, müssten im Boden bleiben, wenn der globale Temperaturanstieg auf unter zwei Grad begrenzt werden soll. Australien gilt als Bremser in globalen Klimaverhandlungen und agierte in den zurückliegenden Jahren gegen wirkungsvolle Schutzmaßnahmen. Gleichzeitig sind die eigenen Ziele zur Schadstoffreduktion im weltweiten Vergleich schwach: Canberra will die Emissionen bis 2030 gegenüber 2005 um 26 bis 28 Prozent senken.

Der Grund: Die Regierung war bis vor kurzem von Klimawandelskeptikern dominiert, angeführt von Abbott. Kaum im Amt, begann er 2013 einen offenbar ideologisch motivierten Krieg gegen Klimaschutz. Eine erfolgreiche Klimasteuer strich er ersatzlos, ebenso wie eine Abgabe auf Rekordgewinne der Rohstoffindustrie. „Das Wort Klimawandel wurde in der Verwaltung zum Tabu“, sagt eine Ex-Wissenschaftlerin, die zusammen mit rund 800 Umweltexperten aus dem öffentlichen Sektor gedrängt wurde. „Eine ganze Generation von Wissen ging verloren“, meint ein anderer Forscher.

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