Zum Zukunft der Energie Special von Handelsblatt Online

„Biobatterie“
Stromspeicher im Container

Angesichts begrenzter Ölreserven gehört natürlichen Alternativen wie Biogas die Zukunft. Fraunhofer-Forscher haben nun aus Gärresten und Biomasse die erste kommerzielle Biobatterie kreiert – für rund 1,5 Millionen Euro.

KölnDa geht noch was: Wer meint, Biogasanlagen würden schon das Optimum aus den Einsatzstoffen herausholen, den belehren Forscher des Fraunhofer-Instituts für Umwelt-, Sicherheits- und Energietechnik eines Besseren. Sie verwandeln Gärreste noch in hochwertige Energieträger.

Biokohle, Öl und Synthesegas produziert die „Biobatterie“, die nun marktreif ist: Der Gärrest oder andere Biomasse wird in einem Reaktor mit einer sich drehenden Förderschnecke stark erhitzt - und so in feste und flüchtige Bestandteile zergliedert.

„Die Öle und Gase können direkt im Blockheizkraftwerk verwendet werden“, sagt Fraunhofer-Forscher Andreas Apfelbacher. Die Biokohle lasse sich in Kohlekraftwerken verfeuern oder zur Bodenverbesserung nutzen. Im Idealfall kommen beim Umwandlungsprozess Abwärme von Biogasanlagen oder Überschussstrom von Windrädern oder Solarzellen zum Einsatz. Die Biobatterie würde so ihrem Namen gerecht: als Energiespeicher.

Die erste kommerzielle Biobatterie hat die Fraunhofer-Ausgründung Susteen Technologies bereits in einem Container ausgeliefert. Rund anderthalb Millionen Euro kostet derzeit eine Anlage mit einem Biomasse-Durchsatz von 300 Kilogramm pro Stunde - passend für eine durchschnittliche Biogasanlage. Die Investition kann sich laut Susteen binnen acht Jahren rechnen.

Einen Zuverdienst für Betreiber von Biogasanlagen verspricht auch das Dresdener Start-up Biofabrik. Dessen „Bioraffinerie“ gewinnt aus Grassilage - dem Eingangsstoff für Hunderte Biogasanlagen - einen nährstoffreichen Presssaft. Er enthält laut Biofabrik-Sprecher Florian Bauer Amino- und Milchsäuren sowie Zucker und Mineralien. Der zurückbleibende Presskuchen könne wie gewohnt vergoren werden - mit minimalen Einbußen bei der Gasausbeute. Entwickelt wurde das Verfahren an der Universität Linz.

Die erste kommerzielle Bioraffinerie steht in Tschechien, eine weitere ist im bayerischen Hof im Bau. Knapp 700.000 Euro kostet die Anlage, die sich Betreiber auch per Crowdfunding finanzieren lassen können. Biofabrik verspricht, den Presssaft garantiert abzunehmen.

Bisher veredelt das Unternehmen diesen und vermarktet das Produkt unter dem Namen Aminoo als Proteindünger. „Düngemittel basieren häufig auf Produkten der Petrochemie. Angesichts begrenzter Erdölreserven gehört natürlichen Alternativen die Zukunft“, sagt Bauer. Für 2016 ist eine Zentralraffinerie geplant: Einzelbestandteile des Pflanzensafts sollen künftig separat verkauft werden.

Auch beim Fraunhofer-Institut ist eine zentrale Raffinerie angedacht. Darin könnte das in den Biobatterien gewonnene Öl zu Pkw-Kraftstoffen verfeinert werden. „Im Labor haben wir schon einige Liter gewonnen“, erklärt Apfelbacher.

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