Bosch-Akquise Seeo: Der Saft für digitale Höchstleistungen

Zum Zukunft der Energie Special von Handelsblatt Online

Bosch-Akquise Seeo
Der Saft für digitale Höchstleistungen

Bosch plant mit dem Start-up Seeo die Akku-Revolution: Neuartige Batterien, die in Elektroautos und Eigenheimen eingesetzt werden können, sollen die Leistung künftig verdoppeln.

San Francisco„Software frisst die Welt“: Das Silicon Valley schwört auf dieses Motto des Tech-Investors Marc Andreessen, Erfinder des Internet-Browsers Netscape. Computercode treibt den Fortschritt an, heißt das übersetzt, und verändert jeden Winkel der Welt. Mit Cloud-Computing und künstlicher Intelligenz wachsen Einfluss und Fähigkeiten der Software. Der Kreativität der Programmierer sind kaum Grenzen gesetzt. Oder doch?

Je mehr die Rechenleistung der Computer steigt, je vernetzter Menschen, Handys und Autos werden, desto höher ist die Nachfrage nach leistungsstarken Akkus oder Batterien. Die Tech-Community giert deshalb nach neuen Methoden, um das Energieproblem für die digitale Hochleistungsgesellschaft zu lösen. Und dabei spielen Batterien eine Schlüsselrolle.

Den Wert der hochkomplexen wieder aufladbaren Kraftpakete aus Lithium-Ionen erkannte als erster Konzern Sony - und setzte sie bereits in den 90er-Jahren für seine Videokameras ein. Heute stecken sie in den Elektroautos von Tesla und bald auch in den autonomen Fahrzeugen von Google, Apple oder Uber. Die deutschen Autobauer Daimler, Audi und BMW arbeiten ebenfalls am vernetzten Auto der Zukunft, die Internationale Automobil-Ausstellung (IAA) in Frankfurt widmete dem Thema „datenvernetzte Welt“ gar eine eigene große Halle.

Eben dort präsentierte auch der Autozulieferer Bosch seinen neuesten Coup auf dem Gebiet der Lithium-Technologie. Still und leise hatten sich die Schwaben das kalifornische Start-up Seeo gesichert, einen Batteriehersteller aus Hayward, Kalifornien. Das Unternehmen wurde vor acht Jahren gegründet und produziert eine neuartige Lithium-Ionen-Batterie, die leistungsfähiger und sicherer sein soll als konkurrierende Produkte.

Die klassische Akkuzelle besteht aus zwei Elektroden, der positiven Kathode und der negativen Anode sowie einer leitenden Flüssigkeit, durch die elektrische Spannung fließt. Lithium-Ionen bewegen sich zwischen Kathode und Anode hin und her.

Was Seeo anders macht

Die innovative Idee des Start-ups Seeo besteht nun darin, die flüssigen Elektrolyte durch feste Polymere zu ersetzen. Die Batterien sind damit weniger feuergefährdet als alle herkömmlichen Batterien und doppelt so leistungsfähig, verspricht Geschäftsführer Hal Zarem. Die Seeo-Batterie könne die Reichweite eines Elektroautos verdoppeln. Langfristig will die Firma die Produkte auch für den Solar-Betrieb des Eigenheims vertreiben.

Batterie-Chef Zarem gehört zur alten Garde der Halbleiterbranche. Dem Magazine „Fortune“ zufolge plante der 55-jährige Physiker lange Zeit, die Seeo-Technologie mit Hilfe von Investoren zu kommerzialisieren und eine eigene Produktion aufzubauen. Noch im Dezember 2014 hatte er gegenüber dem Branchenportal „Clean Technica“ erklärt, die Fertigung könne Ende 2015 beginnen. Doch es kam anders. Offenbar konnte Zarem die Investoren mit seinen Plänen nicht überzeugen. Vielleicht spielten dabei die hohen Entwicklungskosten der Batterietechnologie eine Rolle. Anfragen des Handelsblatts ließ Seeo bislang unbeantwortet. Auch Bosch wollte sich nicht zu den Hintergründen des Kaufs äußern.

Der Autozulieferer sieht in der Festkörperzelle den Durchbruch beim Elektrofahrzeug. Nach Prognosen des Unternehmens werden 2025 rund 15 Prozent aller weltweit gebauten neuen Autos mit elektrischem Antrieb fahren. In Europa verkaufen Hersteller inzwischen 60 Prozent mehr Elektrofahrzeuge als in den USA. Nach Prognosen von Transparency Market Research verdreifacht sich das Marktvolumen für Lithium-Batterien in den kommenden vier Jahren gegenüber 2012 auf 33 Milliarden Dollar.

Die Bosch-Akquise dürfte die Konkurrenz im Geschäft mit Lithium-Ionen anheizen, wo sich mit LG Chem und Samsung andere große Firmen engagieren, angeführt von Panasonic, das von der engen Verbindung zu Tesla profitiert. Gründer Elon Musk baut in Reno, Nevada, derzeit an der weltweit größten Produktionsstätte für die Batterien.

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