Zum Zukunft der Energie Special von Handelsblatt Online

Buchrezension zum Klimawandel
Verbrannte Erde

Der Klimawandel verändert die Welt – zum Schlechten und überall. Diese Geschichte erzählt Hans Joachim Schellnhuber als „Selbstverbrennung“ einer von fossilen Brennstoffen verführten Menschheit.

DüsseldorfDie Erde wird launischer. Nachrichten von Dürren und Hitzewellen häufen sich genauso wie Meldungen von Überflutungen, Starkregen, Kälteeinbrüchen und Stürmen. Alles schon immer da gewesen, lautet die eine Überzeugung. Ja, aber bestimmt nicht in dieser Ausprägung und in dieser Schnelligkeit, die andere.

Das Klima der Erde verändert sich zusehends, der Klimawandel ist menschengemacht – und die Diskussion über ihn bewegt die Menschen. Entweder, weil sie betroffen sind oder künftig betroffen sein werden. Weil sie sich schuldig fühlen. Oder weil sie schlicht am Wahrheitsgehalt der Debatte zweifeln.

Einer, der Zeit seines Lebens gegen eine solche Ignoranz gekämpft hat, ist Hans Joachim Schellnhuber. Der gebürtige Niederbayer gehört zu den weltweit renommiertesten Klimaforschern. Im Jahr 1992 gründete er das Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK), das sich unter seiner Leitung zu einem weltweit angesehenen Institut entwickelte. Der 65-Jährige berät die Bundesregierung genauso wie Papst Franziskus – und hat nun zum am Montag in Paris beginnenden Weltklimagipfel in Paris eine Bilanz seiner Überlegungen vorgelegt: „Selbstverbrennung. Die fatale Dreiecksbeziehung zwischen Klima, Mensch und Kohlenstoff“, heißt das Werk.

Schellnhuber ist auf einer Mission

Mit ihm will Schellnhuber Menschen wachrütteln. Ursprünglich sollte es bereits vor fünf Jahren erscheinen, geplant war eine eher konventionelle Beschreibung des Klimaproblems auf 300 Seiten. Dann habe der Forscher jedoch gemerkt, dass das Format nicht passte. „Das Thema, mit dem ich mich seit 30 Jahren beschäftige, hat von mir Besitz ergriffen“, erzählt Schellnhuber. Allein in den vergangenen fünf Jahren seien ungeheuerliche Dinge geschehen, „die uns ins Ohr brüllen und die vertraute Welt aus den Fugen geraten lassen“.

Handelsblatt-Spezial: Wo steht die Welt?
Der Klimawandel nimmt keine Rücksicht auf Grenzen. Er geht alle an. Deshalb hat sich das Handelsblatt mit Partnermedien aus der ganzen Welt zusammengetan, um zu recherchieren: Wo auf dem Globus finden sich die cleversten Einzelprojekte, um die Erderwärmung zu begrenzen? Und wo steht die Welt kurz vor dem Klimagipfel in Paris Ende November? Das Handelsblatt gibt in einem Spezial auf 12 Seiten Antworten.


Lesen Sie unter anderem:
  • Vorbild Deutschland: Trotz vieler Schwächen – die deutsche Energiewende zeigt, dass der Umstieg auf grüne Energie machbar ist.
  • Klimawandel, Flucht und Terror: Warum die Erderwärmung auch ein Risiko für unsere Sicherheit bedeutet.
  • Executive Summaries: 11 Klimaprojekte für eine bessere Welt.

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    Es dränge ihn, umfassend Stellung zu beziehen, sagt der Klimaexperte, denn er fühle sich nicht nur als Wissenschaftler, sondern auch als „Gewissenschaftler“. Sein Fazit: „Wir sind dabei, der Zivilisation auf unserer Erde aus Gier und Torheit ein Ende zu bereiten“, heißt es in dem Buch. Und genau das beschreibe der Titel: „Selbstverbrennung“.

    Schellnhuber ist auf einer Mission: Er will seine Erkenntnisse nicht nur mit anderen Forschern teilen, sondern er will sie vor allem den Menschen zur Verfügung stellen, die am Ende von den Folgen des Klimawandels betroffen sein werden – und in deren Macht es steht, die verheerende Selbstverbrennung zu stoppen. Fünf Jahre hat Schellnhuber an dem Buch geschrieben, über weite Strecken täglich vier Stunden. Statt 300 Seiten muss der Leser jetzt 800 Seiten bewältigen.

    Schellnhuber verbindet Persönliches, Historisches, Politisches, Wissenschaftliches gleichermaßen. Er beginnt mit einer Schilderung seiner niederbayerischen Heimat Ortenburg, „wo die Mutter bereitstand, um uns den Schmutz eines endlosen, beglückenden Nachmittags in der nur halb gezähmten Natur abzuschrubben“. Doch Schellnhuber bleibt nicht bei Anekdotischem und persönlich Erlebtem. Er untermauert seine Argumentation mit Belegen, Beobachtungen und vor allem mit hochkomplexen mathematischen Formeln und Gleichungen. Ja, er sei sich bewusst, was er dem Leser zumute, schreibt der Klimaexperte mehrfach. Aber er habe versucht, das Buch „trotzdem lesbar, ja spannend und unterhaltsam“ zu schreiben.

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