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China im Smog

Die rote Gefahr in Peking

Zum ersten Mal verhängt Peking Alarmstufe rot im Kampf gegen den Smog. Der Verkehr wird drastisch eingeschränkt und Kindergärten bleiben geschlossen. Aber viele Autofahrer ignorieren die Regeln aus einem einfachen Grund.
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Apocalypse Now
Massive Verschmutzung
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Arbeiten in einer schmutzigen Dunstwolke: In Chinas Hauptstadt geht wegen dem Smog die Angst um.

Erschreckende Bilder
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In Peking ist momentan relativ wenig los: Viele Straßen sind leer, Autos müssen auch tagsüber mit Licht fahren. Diejenigen, die durch die Stadt laufen, tragen Atemschutzmasken – das lässt sich in diesen Tagen nicht vermeiden.

Peking bei Nacht
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Auch nach Sonnenuntergang bleibt das gleiche Bild: Peking ist derzeit eine einzige Smogwolke. Der Index der US-Botschaft für die tückischen Feinpartikel, die direkt ins Blut gehen und Krebs auslösen können, erreichte am Samstag vorübergehend 434 Punkte. Bereits in den vergangenen Wochen waren schon häufig Werte von 200 bis 300 Punkte bei dem Feinstaub erreicht worden, der kleiner als 2,5 Mikrometer (PM 2,5) ist. Die WHO empfiehlt 25 als Grenzwert – dieser Wert wird sogar in deutschen Großstädten kaum erreicht.

Polizisten in Peking
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Auch die Beamten müssen Schutzmasken tragen – verpestete Luft verursacht in China schätzungsweise 1,6 Millionen Todesfälle pro Jahr. Umgerechnet: Rund 4000 Tote jeden Tag.

Sightseeing in Peking
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Auch für Touristen ist die aktuelle Situation ungewohnt. Hier finden sich Besucher am Platz des himmlischen Friedens im Zentrum der Stadt wieder – die Sehenswürdigkeit im Hintergrund lässt sich nur erahnen. Angestellte dürfen derweil selbst entscheiden, ob sie zur Arbeit kommen oder nicht. Auch die Schulpflicht ist vorübergehend gelockert.

Autofahren in der Stadt
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Manche Autofahrer lassen das Licht ausgeschaltet, was das Unfallrisiko in der aktuellen Situation deutlich erhöht. Der Straßenverkehr läuft regulär weiter. Trotz der extremen Luftverschmutzung wurde die höchste Alarmstufe „Rot“ mit Fahrbeschränkungen weiterhin nicht ausgerufen, was bei vielen Bewohnern für Kritik sorgt.

Die Auslöser der Luftverschmutzung
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Neben den Automassen sorgen die Kraftwerke in der Umgebung von Peking, die die Stadt mit Strom versorgen, für die starken Verschmutzungen. Wie hoch die Feinstaubbelastung ist, zeigen Werte, die die amerikanische Botschaft in Peking ermittelt hat.

PekingKein Beschönigen, kein Beschwichtigen: Die Stadtregierung Peking gesteht öffentlich die gewaltigen Smog-Probleme ein. Zum ersten Mal in der Geschichte der chinesischen Hauptstadt wurde die höchste Alarmstufe „rot“ im vierstufigen Warnsystem ausgerufen. Das heißt: Nur noch jedes zweite Auto darf fahren, die Produktion in Fabriken wird zurückgefahren und Schulen sowie Kindergärten bleiben geschlossen.

Pekings Bürgermeister Wang Anshun ist omnipräsent im lokalen Fernsehen. Er lässt sich beim Besuch bei der Einsatzzentrale des Umweltministeriums filmen. Anschließend begleitet ihn das Kamerateam auf die Straße, wo er persönlich kontrolliert, dass keine Autos entgegen der Vorgaben auf den Straßen rollen. Denn solange Alarmstufe rot gilt, dürfen nur abwechselnd Fahrzeuge mit einer geraden oder ungeraden letzten Ziffer im Nummernschild fahren.

Aber viele Autofahrer ignorieren die Vorgaben einfach. Denn die Strafen sind auch für chinesische Verhältnisse mit 100 Yuan (rund 14 Euro) sehr gering. Reporter des Parteiorgans Volkszeitung zählen am Dienstag Dutzende Fahrzeuge auf dem zweiten Stadtring, die gegen das Fahrverbot verstoßen.

Das Notprogramm soll den Smog um rund ein Drittel reduzieren, strebt die Umweltschutzbehörde an. Zunächst stieg die Schadstoffbelastung in Chinas Hauptstadt jedoch weiter. Am Abend Ortszeit erreichte der gefährliche Feinstaub einen Wert von 400, wie die US-Botschaft ermittelte – das 16-Fache des Grenzwertes der Weltgesundheitsorganisation (WHO). Laut Prognosen soll der gefährlich Smog noch bis Donnerstag anhalten.

Der Pekinger WHO-Repräsentant Bernhard Schwartländer lobt die Stadtregierung jedoch dafür, überhaupt die höchste Alarmstufe rot ausgerufen zu haben. „Zum einen sendet das ein Signal an die Bevölkerung, das die Luftverschmutzung schlimm ist. Zum anderen zieht es zahlreiche Maßnahmen nach sich, um die Feinstaubbelastung zu reduzieren“, sagt Schwartländer. „Das ist wichtig, weil Luftverschmutzung eine Gefahr für die Gesundheit darstellt.“ Smog könne Atemprobleme und Asthma-Attacken auslösen.

Hohe Schadstoffbelastungen schwächen das Immunsystem und könnten den Ausbruch von Atemwegsproblemen oder Herz- und Kreislauferkrankungen erleichtern, warnen Ärzte. Besonders vom Smog betroffen waren Patienten mit Asthma, Herzkrankheiten oder Bronchialleiden. Nach Schätzungen chinesischer Wissenschaftler sterben jährlich 350.000 bis 500.000 Chinesen vorzeitig an den Folgen der hohen Luftverschmutzung.

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  • Jetzt kommen Sie so, Dreck, Rauch und Lungenkrebs braucht es. Nachwachsende
    Energie nennt die Einheitspartei diese Wohltat.

  • Da hilft nur eines. Kohlefilter einbauen, das Heizen mit Holz und Kohle in den Privatwohnungen durch eine bezahlbare Stromversorgung ersetzen. Und auf die Kernkraft setzen. So hat es China auch vor.

  • Als ich vor 25 Jahren das erste mal in Peking war hatten wir die selben Probleme, man konnte auch nicht allzu weit schauen. Unangenehme und höchst gefährliche Suppe, wenn da noch die häufigen Sandstürme hinzu kommen.wird es richtig ungemütlich.
    Ich nehme an, das wird jetzt auch der Fall sein.

  • *Pekings Bürgermeister Wang Anshun ist omnipräsent im Lokalversehen*

    Was ist Lokalversehen?

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