Zum Zukunft der Energie Special von Handelsblatt Online

China im Smog
Die rote Gefahr in Peking

Zum ersten Mal verhängt Peking Alarmstufe rot im Kampf gegen den Smog. Der Verkehr wird drastisch eingeschränkt und Kindergärten bleiben geschlossen. Aber viele Autofahrer ignorieren die Regeln aus einem einfachen Grund.
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PekingKein Beschönigen, kein Beschwichtigen: Die Stadtregierung Peking gesteht öffentlich die gewaltigen Smog-Probleme ein. Zum ersten Mal in der Geschichte der chinesischen Hauptstadt wurde die höchste Alarmstufe „rot“ im vierstufigen Warnsystem ausgerufen. Das heißt: Nur noch jedes zweite Auto darf fahren, die Produktion in Fabriken wird zurückgefahren und Schulen sowie Kindergärten bleiben geschlossen.

Pekings Bürgermeister Wang Anshun ist omnipräsent im lokalen Fernsehen. Er lässt sich beim Besuch bei der Einsatzzentrale des Umweltministeriums filmen. Anschließend begleitet ihn das Kamerateam auf die Straße, wo er persönlich kontrolliert, dass keine Autos entgegen der Vorgaben auf den Straßen rollen. Denn solange Alarmstufe rot gilt, dürfen nur abwechselnd Fahrzeuge mit einer geraden oder ungeraden letzten Ziffer im Nummernschild fahren.

Aber viele Autofahrer ignorieren die Vorgaben einfach. Denn die Strafen sind auch für chinesische Verhältnisse mit 100 Yuan (rund 14 Euro) sehr gering. Reporter des Parteiorgans Volkszeitung zählen am Dienstag Dutzende Fahrzeuge auf dem zweiten Stadtring, die gegen das Fahrverbot verstoßen.

Das Notprogramm soll den Smog um rund ein Drittel reduzieren, strebt die Umweltschutzbehörde an. Zunächst stieg die Schadstoffbelastung in Chinas Hauptstadt jedoch weiter. Am Abend Ortszeit erreichte der gefährliche Feinstaub einen Wert von 400, wie die US-Botschaft ermittelte – das 16-Fache des Grenzwertes der Weltgesundheitsorganisation (WHO). Laut Prognosen soll der gefährlich Smog noch bis Donnerstag anhalten.

Der Pekinger WHO-Repräsentant Bernhard Schwartländer lobt die Stadtregierung jedoch dafür, überhaupt die höchste Alarmstufe rot ausgerufen zu haben. „Zum einen sendet das ein Signal an die Bevölkerung, das die Luftverschmutzung schlimm ist. Zum anderen zieht es zahlreiche Maßnahmen nach sich, um die Feinstaubbelastung zu reduzieren“, sagt Schwartländer. „Das ist wichtig, weil Luftverschmutzung eine Gefahr für die Gesundheit darstellt.“ Smog könne Atemprobleme und Asthma-Attacken auslösen.

Hohe Schadstoffbelastungen schwächen das Immunsystem und könnten den Ausbruch von Atemwegsproblemen oder Herz- und Kreislauferkrankungen erleichtern, warnen Ärzte. Besonders vom Smog betroffen waren Patienten mit Asthma, Herzkrankheiten oder Bronchialleiden. Nach Schätzungen chinesischer Wissenschaftler sterben jährlich 350.000 bis 500.000 Chinesen vorzeitig an den Folgen der hohen Luftverschmutzung.

Stephan Scheuer ist China-Korrespondent des Handelsblatts. Quelle: Mirela Hadzic für Handelsblatt
Stephan Scheuer
Handelsblatt / Korrespondent China

Kommentare zu " China im Smog: Die rote Gefahr in Peking"

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  • Jetzt kommen Sie so, Dreck, Rauch und Lungenkrebs braucht es. Nachwachsende
    Energie nennt die Einheitspartei diese Wohltat.

  • Da hilft nur eines. Kohlefilter einbauen, das Heizen mit Holz und Kohle in den Privatwohnungen durch eine bezahlbare Stromversorgung ersetzen. Und auf die Kernkraft setzen. So hat es China auch vor.

  • Als ich vor 25 Jahren das erste mal in Peking war hatten wir die selben Probleme, man konnte auch nicht allzu weit schauen. Unangenehme und höchst gefährliche Suppe, wenn da noch die häufigen Sandstürme hinzu kommen.wird es richtig ungemütlich.
    Ich nehme an, das wird jetzt auch der Fall sein.

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