Zum Zukunft der Energie Special von Handelsblatt Online

China kann auch anders
Vorreiter statt Klimakiller

China will Europa und den USA vormachen, wie Emissionshandel geht - mit einem radikalen Ansatz. Und das Land will im Kampf gegen den Klimawandel in keinem Fall in die gleiche Falle tappen wie die Europäische Union.

PekingChinas Präsident Xi Jinping hat den Ort für seine große Ankündigung genau gewählt. Ausgerechnet beim Treffen mit US-Präsident Barack Obama in Washington stieß Staatschef Xi mit einem ambitionierten System zum Handel von Emissionsrechten vor. Ab 2017 soll das System in der zweitgrößten Volkswirtschaft der Welt landesweit umgesetzt werden. Gerade der weltgrößte Klimasünder kann mit einem ambitionierten Programm aufwarten, während der als Klimapräsident angetretene Obama den Emissionshandel trotz eines Pilotprojektes in Kalifornien nicht landesweit etablieren konnte. Pekings System könnte auch das strauchelnde Handelsprojekt in Europa weit hinter sich lassen.

Im Kern des chinesischen Systems steckt ein revolutionärer Ansatz: Das Eigentum an natürlichen Ressourcen soll grundsätzlich von dem Recht gelöst werden, sie auch zu nutzen. Die Rechte sollen hingegen mit einem Marktsystem verkauft werden, und so zum ökonomischen Treiber für Umweltschutz werden.

Wang Wenqiang ist einer der Architekten des Programms. Der schlaksige Han-Chinese mit Brille hat über lange Zeit mit seiner Firma SinoCarbon Innovation & Investment die Regierung zum Emissionshandelssystem beraten. „Viele der grundsätzlichen Ideen für das chinesische Programm stammen aus Europa und den USA“, räumt er im Gespräch mit dem Handelsblatt ein.

Das Prinzip ist einfach: Wenn eine Firma Treibhausgase in die Luft schleudert, muss sie dafür mit Emissionszertifikaten zahlen, die auf den Energiebörsen gehandelt werden. Aber China will in keinem Fall in die gleiche Falle tappen wie die Europäische Union. Nachfrage und Angebot sollen besser gesteuert werden. Und das System soll langfristig nicht auf Luft beschränkt bleiben, sondern könnte etwa auch auf Wasser und Boden erweitert werden. Vielleicht lässt sich in einigen Jahren auch das chinesische mit dem europäischen System verknüpfen, wie Bundesumweltministerin Barbara Hendricks (SPD) meint.

In Europa gilt der Handel mit CO2-Zertifikaten seit seiner Einführung 2005 als zentrale Säule im Kampf gegen den Klimawandel. Energiewirtschaft und Industrie sind zur Teilnahme an dem Handelssystem verpflichtet, nicht aber die Landwirtschaft oder der Verkehrssektor. Mit drastisch sinkenden Preisen durch ein Überangebot an Zertifikaten sind die ökonomischen Anreize für viele Unternehmen aber verschwunden, in emissionsarme Technik zu investieren. Die EU hat sich darum auf die Einführung einer Marktstabilitätsreserve geeinigt, um die Überschüsse am Markt langsam abzubauen.

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