Zum Zukunft der Energie Special von Handelsblatt Online

CO2 als Rohstoff

Die weiche Seite eines Klimakillers

Das Treibhausgas Kohlendioxid ist ein attraktiver Rohstoff und könnte sogar Rohöl ablösen – etwa für die Herstellung von Matratzen. Die Nutzung ist aber vielfach noch zu teuer.
Die Nutzung von CO2 als Rohstoff ist vielfach noch zu teuer. Quelle: dpa
Könnte Rohöl ablösen

Die Nutzung von CO2 als Rohstoff ist vielfach noch zu teuer.

(Foto: dpa)

DüsseldorfLothar Mennicken sorgt als Redner bei Forschungskongressen oft für Aufsehen. An seinem Sakko prangt dann ein Button mit der Aufschrift: „I love CO2“. Das Treibhausgas als Objekt menschlicher Zuneigung? „Alle reden von Kohlendioxid nur als Klimakiller“, schimpft der Referent im Bundesforschungsministerium. „Dabei ist die Nutzung von CO2 als Rohstoff für die Chemie eine riesige Chance.“

Was Mennicken meint, ist eines der spannendsten Vorhaben nicht nur in der Chemieforschung. Bislang wird Kohlendioxid als Abfallprodukt aus Fabriken, Auspuffrohren und Flugzeugtriebwerken nur in die Luft gepustet. Jetzt treiben große Chemie- und Industriefirmen mit Forschungsinstituten die Nutzung des Gases voran: als neue Basis für Kunststoffe und Chemikalien. Selbst Treibstoff für Autos und Flugzeuge kann aus CO2 hergestellt werden. Die ersten Produkte stehen vor der Marktreife.

So heizen Sie im grünen Bereich – und sparen Geld
Neue EU-Regeln
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Pünktlich zum Start der Heizsaison will die EU den Energieverbrauch von Heizungen und Warmwasserbereitern verringern. Alle Geräte, die künftig auf den Markt kommen, müssen energiesparender sein und die EU-Regeln einhalten. Energiefresser werden nach einer Übergangsfrist ganz verboten. Das soll Bürgern beim Stromsparen helfen und das Klima schützen. Ähnliche Auflagen gelten bereits für Haushaltsgeräte wie Geschirrspüler und Kühlschränke.

Was änderte sich am 26. September?
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Die sogenannte Ökodesign-Richtlinie schreibt der Industrie vor, Produkte umweltgerecht zu gestalten, so dass sie wenig Strom verbrauchen. Heizungsanlagen und Warmwasserbereiter müssen von nun an im Handel ein Energie-Etikett tragen. Für eine bestimmte Leistung dürfen sie nicht mehr als eine bestimmte Energiemenge verbrauchen. Die Kennzeichnungspflicht umfasst laut Industrie Heizgeräte, Heizkessel und Warmwasserbereiter bis 70 Kilowatt, Warmwasserspeicher bis 500 Liter Speichervolumen und Wärmepumpen. Auch Kombinationen dieser Produkte mit Regelungstechnik und Solarunterstützung als Verbundanlage gehören dazu. Es geht dabei nur um neue Geräte.

Was besagt das Energielabel?
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Es gibt an, wie effizient das Gerät mit Energie - etwa Gas, Strom oder Öl - umgeht. Eine Farbskala von grünem A (besonders sparsam) bis rotem G weist den Energieverbrauch aus. So werden zum Beispiel Gas- und Ölheizungen mit Brennwerttechnik in der Regel mit dem sparsamen Buchstaben A bewertet.

Wie viel Geld können Verbraucher sparen?
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Wer seinen alten Boiler gegen einen neuen austauscht, kann laut EU-Kommission bis zu 275 Euro pro Haushalt im Jahr sparen. Neue Geräte benötigten oft nur halb so viel Energie wie alte. Da Heizungen die größten Energieverbraucher im Haushalt sind, können Verbraucher auch da sparen. Private Haushalte verwenden nach Angaben der SPD-Europaabgeordneten Martina Werner im Schnitt 6,4 Prozent ihres Einkommens für den wohnbezogenen Energieverbrauch - davon entfallen ungefähr zwei Drittel auf Heizungskosten. Die EU-Kommission erwartet übrigens nicht, dass die Hersteller die Kosten für neue Geräte wesentlich anheben werden.

Aber hängen die Kosten nicht auch von der Energieart ab?
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Doch. Verbraucher dürften die Aussagekraft des Labels nicht überschätzen, mahnt das Institut für Wärme und Oeltechnik (IWO). Denn bei Heizgeräten sind die Kosten - unabhängig vom Label - ganz verschieden - je nachdem ob Strom, Gas oder Öl gebraucht wird. Im August lagen die Kosten für einen Liter Heizöl im Schnitt gut 20 Prozent unter dem Preis für die entsprechende Energiemenge Erdgas. Zudem kommt es beim Heizen nicht nur auf das einzelne Heizgerät an, sondern auch auf andere Faktoren wie das Alter des Gebäudes oder die Verglasung der Fenster. Die EU-Kommission empfiehlt erneuerbare Energien zu nutzen wie Sonnenkollektoren oder Wärmepumpen.

Sind die neuen EU-Regeln sinnvoll?
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Ja, sagt der CDU-Europaabgeordnete Peter Liese: „Die Einsparung von Energie und damit CO2 sind ein wichtiger Schritt zur Reduzierung der Treibhausgase und ein wichtiges Signal der Europäischen Union auf dem Weg zur Klimakonferenz in Paris.“ Auch Verbraucherschützer sind zufrieden: „Das reduziert Kosten und ist gut für das Klima“, sagt Monique Goyens von der europäischen Verbraucherschutzorganisation Beuc.

Und was hält die Industrie von dem Label?
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Die ist vorbereitet - zumal das Vorhaben lange angekündigt war und es auch für andere Hausgeräte bereits Energielabel gibt. Handwerker und Installateure hoffen auf neue Aufträge. Die EU-Vorgaben seien „klare Impulse, die helfen, den langersehnten Modernisierungsstau in deutschen Kellern aufzulösen“, schreibt der Zentralverband Sanitär, Heizung, Klima (ZVSHK).

„Es geht um das industrielle Recycling eines Stoffes, der in Massen vorhanden ist“, sagt der Physiker Michael Carus, Gründer des Nova Instituts in Hürth, einem Forschungs- und Beratungsunternehmen, das die biobasierte Industrieproduktion vorantreiben will. Unter dem Strich, glaubt Carus, könnten so auch die Emissionen des Treibhausgases insgesamt reduziert werden - wenn das Recycling mit Hilfe erneuerbarer Energien gelingt.

Die Vision ist kühn: Bislang fertigt die Chemieindustrie 85 Prozent ihrer Produkte aus Stoffen, die auf Rohöl und Erdgas basieren. Der Kohlenstoffbedarf könnte alternativ aber auch durch die Aufspaltung von CO2 gedeckt werden - und das Öl dann überflüssig sein. Doch das Gas gilt als „schlafender Hund“ - kraftvoll, aber total träge. Die Verarbeitung scheitert bislang meist am sehr hohen Energieaufwand und fehlenden Katalysatoren.

CO2 könnte Rohöl ablösen
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