Zum Zukunft der Energie Special von Handelsblatt Online

Energiespeicher
Tschüss Eon, au revoir RWE

Sonnenbatterie sagt den Energieriesen den Kampf an. Europas führender Anbieter von Eigenheimspeichern will Besitzer von Solaranlagen und Akkus miteinander vernetzen. Das Ziel: Versorger überflüssig machen.

DüsseldorfPhilipp Schröder pfeift auf Bescheidenheit. Der 32-Jährige Manager will die Energiewirtschaft revolutionieren. Sein Ziel? Eine Stromversorgung völlig ohne konventionelle Energiekonzerne und Großkraftwerke. RWE, Eon und Co. stehen in seiner Welt auf verlorenem Posten. Spätestens in zehn Jahren, so seine These, sind sie endgültig überflüssig.

Schröder war bis vor Kurzem Deutschland-Chef von Tesla. Die großspurigen Ansagen hat er von Elon Musk abgekupfert, dem Chef des US-Elektroautoherstellers. Mittlerweile macht er seinem Idol aber Konkurrenz. Denn Schröder führt nun die Geschäfte der Sonnenbatterie GmbH, Europas führendem Anbieter von Batteriespeichern. Anders als Tesla stellt der Mittelständler aus dem Allgäu seine Akkuzellen aber nicht selbst her, sondern setzt vorwiegend auf Software. Und die soll nun das Ende der Energieversorger einläuten.
Schröders Schlachtplan: Alle Eigenheimbesitzer mit Solaranlage auf dem Dach und Energiespeicher im Keller sollen sich auf einer Plattform, die Sonnenbatterie am Mittwoch vorgestellt hat, vernetzen und gegenseitig mit Elektrizität versorgen. Der überschüssige Strom des einen, wird online mit einem anderen Nutzern, der gerade Strom benötigt, geteilt. Der Clou dabei: Die sonst übliche Handelsmarge entfällt. Der Strompreis, bezogen auf die einzelne Kilowattstunde, sei damit „wesentlich günstiger als beim Versorger“, sagte Schröder dem Handelsblatt. Nachsatz: „Wir brauchen die Eons und RWEs gar nicht mehr.“

Bisher war das freilich anders. Der Traum, unabhängig von den großen Atom- und Kohlestromkonzernen zu sein, hatte stets einen Haken: Er war nicht zu hundert Prozent zu realisieren. Wer sich eine Solaranlage aufs Dach schraubte und einen Batteriespeicher an die Kellerwand hängte, konnte zwar vielfach mehr als 80 Prozent seines Strombedarfs selbst herstellen. Aber gerade in den Herbst- und Wintermonaten, wenn die Sonne weit weniger lang und kräftig scheint als im Sommer, mussten viele Ökoidealisten einen Teil ihres Stroms weiterhin von den verhassten Energieversorgern beziehen.

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Immer mehr Deutsche produzieren selber Strom

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