Zum Zukunft der Energie Special von Handelsblatt Online

Greenpeace-Chef Kumi Naidoo
„Es fehlt politischer Wille für Klimaschutzzusagen“

Der Greenpeace-Chef kritisiert im Interview die Selbstverpflichtungen der Länder für den Klimaschutzgipfel in Paris – und erzählt, ob er Angst hat, nach den Terroranschlägen in die Stadt zu fahren.

Der Gipfel ist der letzte Auftritt von Kumi Naidoo, bevor er Greenpeace verlässt. Es wird kein krönender Abschluss werden - seine Erwartungen an die Beschlüsse dort sind gering.

Herr Naidoo, haben Sie nach den Terroranschlägen Angst, nach Paris zu fahren?

Die menschenverachtende Brutalität der Anschläge lässt sich nicht in Worte fassen. Persönlich habe ich weit mehr Angst vor den Auswirkungen, die das ungebremste Verbrennen von Kohle, Öl und Gas haben wird, als davor, nach Paris zu fahren. Terroristen dürfen uns nicht daran hindern zu versuchen, die Welt in eine sichere Zukunft mit erneuerbaren Energien zu führen.

Klimaschützer hatten zum Ende des Gipfels eine Demo angekündigt. Auch wenn die Veranstaltung jetzt vielleicht entfällt - das klingt pessimistisch.

Ja, aber auch realistisch. Schauen Sie sich doch die bislang vorliegenden Klimaschutzzusagen der Länder an: Das ist weit weniger, als nötig wäre, um den Temperaturanstieg tatsächlich unter zwei Grad zu halten. Bislang fehlt der politische Wille. Schon in Kopenhagen haben sich unsere Regierungen nicht gegen die starke Lobby der Öl-, Gas- und Kohlehersteller gestellt.

Handelsblatt-Spezial: Wo steht die Welt?
Der Klimawandel nimmt keine Rücksicht auf Grenzen. Er geht alle an. Deshalb hat sich das Handelsblatt mit Partnermedien aus der ganzen Welt zusammengetan, um zu recherchieren: Wo auf dem Globus finden sich die cleversten Einzelprojekte, um die Erderwärmung zu begrenzen? Und wo steht die Welt kurz vor dem Klimagipfel in Paris Ende November? Das Handelsblatt gibt in einem Spezial auf 12 Seiten Antworten.


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  • Vorbild Deutschland: Trotz vieler Schwächen – die deutsche Energiewende zeigt, dass der Umstieg auf grüne Energie machbar ist.
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    Was wäre ein positives Ergebnis?

    Zwei zentrale Punkte müssen beschlossen werden: Die Länder müssen sich verpflichten, ihre für Paris gegebenen Versprechen alle fünf Jahre zu überprüfen und zu verstärken. Wenn die vorliegenden Vorschläge zehn oder 15 Jahre lang gelten, wird sich das Klima so gut wie sicher um drei Grad erwärmen.

    Und der zweite Punkt?

    Bis 2050 müssen und können wir die Energieversorgung komplett auf erneuerbare Energien umstellen und entsprechend aus Kohle, Öl und Gas, aber auch aus der Atomkraft aussteigen. Ein solches Ziel zu verankern ist wichtig, weil uns die Zeit wegläuft. Und schließlich würden alle von der Umstellung profitieren.

    Inwiefern?

    Erneuerbare Energien können nicht nur die 1,6 Milliarden Menschen, die heute keinerlei Zugang zu Elektrizität haben, mit Strom versorgen, sondern den ganzen Planeten. Das würde nicht nur die nötige CO2-Reduktion sicherstellen. Die eingesparten Rohstoffe würden auch die Kosten des Ausbaus der Erneuerbaren mehr als kompensieren. Und nebenbei würden weltweit noch einige Millionen neue Jobs entstehen.

    Aber es hakt an den Kosten: Erneuerbare Energien sind teuer ...

    Wir vergessen immer, dass allein die fossilen Energieerzeuger 5,3 Billionen Dollar an Subventionen jedes Jahr erhalten. Daneben sind die Hilfen für erneuerbare Energien verschwindend gering. Bei den Kosten vergessen wir immer die langfristige Rechnung: Auf der Stromrechnung erscheinen keine Gesundheitskosten, obwohl die Abgase aus Kohlekraftwerken krank machen. Es erscheinen auch kaum Kosten für den Wasserhaushalt, obwohl die Kohlewirtschaft extrem viel Wasser verbraucht und verschmutzt.

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    VW-Skandal betrifft die ganze Branche

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