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Im Zentrum einer Katastrophe
Wenn Borneo brennt

Borneo brennt - und die Stadt Palangka Raya droht zu ersticken. Die Flammen der illegalen Brandrodung sind in Indonesien außer Kontrolle geraten und bedrohen Menschen und Klimawandel. Die Spur führt zur Palmölbranche.

Bangkok, HamburgEs herrscht Weltuntergangsstimmung in Palangka Raya. Ein orangefarbener Schleier liegt über der indonesischen Stadt im Süden der Insel Borneo. Die Sonne scheint zwar, ihre Strahlen dringen durch den dichten Rauch aber nur vereinzelt bis zum Boden. Die Brücke über den Kahayan-Fluss, ein Wahrzeichen der Stadt, verschwindet im Nebel. Ohne Schutzmaske lässt es sich nur schwer atmen. Die Luftverschmutzung liegt ein Vielfaches über dem Grenzwert, den Ärzte für gesundheitsgefährdend halten.

Die Stadt ist das Zentrum einer Katastrophe, die an Indonesiens Grenzen nicht Halt macht. Zehntausende Waldbrände sind in dem südostasiatischen Land außer Kontrolle geraten. Satellitenbilder zeigen, wie der giftige Rauch der brennenden Regenwälder über die ganze Region zieht: Singapur warnt vor Aktivitäten im Freien, Malaysia schließt Hunderte Schulen, auf der thailändischen Ferieninsel Koh Samui fallen wegen schlechter Sicht etliche Flüge aus.

Indonesiens Brände haben längst auch eine globale Dimension: Sie sorgen für enorme Mengen an zusätzlichem Treibhausgas in der Atmosphäre und beschleunigen damit den Klimawandel. „Die Emissionen der Feuer sind bereits jetzt höher als der gesamte jährliche CO2-Ausstoß Deutschlands“, sagte der Wissenschaftler Guido van der Werf, der an der VU Universität Amsterdam über Waldbrände forscht, Mitte Oktober. „Und die Feuersaison ist längst noch nicht zu Ende.“

Ebenso global wie die Folgen des Feuers sind auch seine Ursachen: Die seit Jahrzehnten steigende Nachfrage nach Palmöl wirkt wie ein Brandbeschleuniger in Indonesien, das beim Export des Rohstoffes Weltmarktführer ist. Um zu sehen, was das billige Fett, das in Tiefkühlpizzen genauso steckt wie in Lippenstiften und Tiernahrung, mit den Flammen zu tun hat, reicht in Palangka Raya eine kurze Fahrt an den Stadtrand. Bauern haben dort im Regenwald absichtlich Feuer gelegt, um Platz für ihre Palmölplantagen zu schaffen. Das ist zwar illegal, aber die Polizei geht nur selten gegen die Brandstifter vor.

Die Untätigkeit rächt sich in diesem Jahr besonders: Weil das Wetterphänomen El Niño für eine ungewöhnliche Dürre sorgt, sind einmal gelegte Brände kaum noch zu stoppen. Die Löscharbeiten der 20.000 Einsatzkräfte wirken wie ein Tropfen auf den heißen Stein.

Die Brände seien „ein unglaubliches Verbrechen gegen die Menschheit“, sagte Sutopo Purwo Nugroho, der Indonesiens Katastrophenschutz leitet. Gut 100 Unternehmen stehen nach Behördenangaben unter Verdacht, für die Feuer verantwortlich zu sein. Bisher gab es aber erst in 14 Fällen Sanktionen, etwa einen temporären Lizenzentzug.

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