Zum Zukunft der Energie Special von Handelsblatt Online

Innovationen
Die Idee allein reicht nicht

Der internationale Technologiewettbewerb bei erneuerbaren Energien steigt. Im Rennen um Patente sind jetzt auch die USA, Japan, Südkorea und China mit hochinnovativen Ansätzen unterwegs. Worauf es jetzt ankommt.

BerlinWürden Patente und wissenschaftliche Publikationen als Gradmesser für Innovationen gelten, dann befände sich Deutschland auf dem Feld der erneuerbaren Energien im Sinkflug. Nach einer Boomphase in den 90er-Jahren sank der deutsche Anteil der weltweiten Patentanmeldungen deutlich. Immerhin betrug er 2014 noch gut 15 Prozent, so eine aktuelle Analyse des Innovationsindikators. Stärker noch sank der Anteil an Publikationen nach dem Jahr 2000.

Was nach schlechten Nachrichten für ein Land klingt, das bis 2022 alle Atomkraftwerke abschalten will und Innovationen braucht, relativiert sich mit Blick auf absolute Zahlen: Zählte im Jahr 2005 das deutsche Patentamt 399 Anmeldungen im Bereich der erneuerbaren Energien, waren es 2014 rund 1.600. Zwei Jahre zuvor gar 2.200.

Das Abrutschen im internationalen Vergleich hat einen einfachen Grund: „Deutschland hat Konkurrenz bekommen“, sagt Manfred Fischedick, Vizepräsident des Wuppertal Instituts für Klima, Umwelt und Energie. Die USA, Japan und Südkorea lieferten der Bundesrepublik technologisch einen kräftigen Wettbewerb. Auch China sei mit „hochinnovativen Ansätzen“ in der Energietechnologie unterwegs.

Freilich kommt es beim Umbau des Energiesektors nicht nur auf Patentschutz an: „Die Energiewende ist nicht allein eine technische Revolution“, sagt Jörg Stäglich, Energieexperte der Managementberatung Oliver Wyman. Es gehe vielmehr darum, neue Geschäftsfelder mit bestehenden Technologien zu entwickeln. Als Beispiel nennt er die Photovoltaik: An der Technologie werde sich wenig ändern, stattdessen müssten neue Wege der Monetarisierung entwickelt werden.

An diesem Punkt erkennt auch Forscher Fischedick noch Nachholbedarf: „Es fehlt an innovativen Ansätzen, wie man die Technologien an den Kunden heranträgt.“ Er sieht vor allem ein Problem darin, das „Tal des Todes“ zu überwinden. Es müsse gelingen, Ideen aus der Forschung und Entwicklung tatsächlich umzusetzen und zu marktfähigen Produkten zu machen.

Aber nicht nur die Unternehmen müssten nachbessern, auch die Politik sei gefragt, sagt Stäglich: So habe sich die Förderung von Biogasanlagen oder Photovoltaik in den vergangenen Jahren immer wieder verändert. Dadurch wachse die Unsicherheit über Investitionen, das Risiko für spezialisierte High-Tech-Unternehmen steige. Für Stäglich ist klar: „Das ist nicht innovationsfördernd.“ Um Vorreiter der Energiewende zu sein, müsse die Politik eine langfristige Strategie präsentieren.

Lisa Hegemann
Lisa Hegemann
Handelsblatt Online / Freie Mitarbeiterin
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